Neuzugang ist ein Münchner Kindl

Gerland schulte Neu-Löwe Mauersberger zum Verteidiger um

+
„Einer, der solide seine Arbeit erledigt“: Jan Mauersberger (30) verstärkt die Abwehr der Löwen.

FC Bayern II - Die Löwen sind davon überzeugt, in Abwehrmann Jan Mauersberger einen Spieler geholt zu haben, bei dem „alles passt“. Hermann Gerland schulte ihn zum Abwehrspieler um.

Hektischer Umzug, Wohnungssuche, Übergangszeit im Hotel. Mit den logistisch-lästigen Problemen, die Vereinswechsel mit sich bringen, muss sich Jan Mauersberger, 30, schon mal nicht belasten. Der Abwehrmann, den der TSV 1860 vom Karlsruher SC losgeeist hat, legt sich in München sprichwörtlich ins gemachte Nest. „Ich kann wählen: Entweder wohne ich erst mal bei meinen Eltern – oder bei meiner Freundin.“ Großhadern oder Bogenhausen bedeutet das konkret. Giesing liegt genau dazwischen, und ganz um die Ecke, beim FC Bayern, hat der hünenhafte Verteidiger ja auch noch ein paar Freunde, die seine Profikarriere (Fürth, Osnabrück, KSC) überdauert haben. „Ich bin all die Jahre mit Münchner Kennzeichen gefahren“, sagt er – und fügt strahlend hinzu: „Es ist schön, nach Hause zu kommen.“

Die Löwen haben das Münchner Kindl aber nicht aus landsmannschaftlicher Verbundenheit geholt, sondern aus sportlicher Überzeugung. Manager Oliver Kreuzer und Trainer Benno Möhlmann, hatten Mauersberger in unterschiedlichen Karrierephasen kennen gelernt – und nie aus den Augen verloren. Entsprechend einheitlich fällt das Urteil aus, wenn man die beiden Kader-Renovierer getrennt voneinander befragt. „Ich hab ihn ja damals zum KSC geholt“, berichtet Kreuzer: „Er ist ein guter Typ, ein guter Charakter. Er stellt an sich selber Führungsansprüche, hat eine gewisse Körpergröße und einen starken linken Fuß für die Spielauslösung.“ Möhlmann, 2008 bis 2009 Mauersbergers Trainer in Fürth, drückt es ähnlich aus: „Er hat eine Riesenerfahrung, ist technisch gut, sehr kopfballstark. Er kann das Spiel verlagern, dirigieren – das passt alles.“

Mauersberger, der einen Vertrag bis 2018 erhält, wirkt auf Anhieb vor allem wohltuend geerdet. Fester Händedruck, freundliches Wesen, ein offener Typ, der in Rubin Okotie gleich mal einen aufmerksamen Zuhörer fand. Beim Einsteigen in den Flieger nach Estepona skizzierte Mauersberger seine Karriere im Zeitraffer. Ausgebildet bei den Amateuren des FC Bayern – zusammen mit Koryphäen wie Schweinsteiger, Lahm, Trochowski, Guerrero. Erste Profistation in Fürth. In Osnabrück viel fürs Leben gelernt („Als Zweitligist Dresden in der Relegation unterschätzt“), in Karlsruhe weiter gereift – und die Vita mit emotionalen Momenten angereichert: Aufstieg, Ernennung zum zweiten Kapitän – schließlich das bittere Scheitern an der Hürde zur Bundesliga.

Doch warum dann der plötzliche Abschied? Kreuzer berichtet von „innerbetrieblichen Störungen“. Mauersberger konkretisiert: „Im Sommer haben sie plötzlich einen fünften Innenverteidiger geholt.“ Zuerst ging sein Stammplatz verloren, dann spielte er wieder, elf Partien über 90 Minuten. Doch zuletzt waren die Signale eindeutig: „Wir führen gegen Fürth 1:0, es wurde in der 90. Minute gewechselt.“ Aber Mauersberger, der Abräumer, blieb auf der Bank: „Danach hab ich um meine Freigabe gebeten.“

Die Löwen griffen dankbar zu und hoffen jetzt, dass Mauersberger der anfälligen Abwehr Stabilität verleiht. „Beim KSC haben wir es in schwierigen Phasen so gehalten: Einfach und effektiv spielen – das hat sich meistens ausgezahlt.“ Und letztlich, sagt Mauersberger, entspricht genau das seinem Wesen: „Ich bin keiner, der hinten groß rumzaubert, sondern nüchtern und solide seine Aufgaben erledigt.“

Die Aufgabe, „den alten Traditionsverein 1860“ vor dem Absturz zu retten, ängstigt ihn erstaunlicherweise nicht im Geringsten. Sein Vertrag gilt auch für die 3. Liga, doch an den schlimmsten Fall verschwendet Mauersberger keinen Gedanken: „Wir müssen jetzt als Einheit zusammenwachsen, Gas geben – und dann werden wir mit einem Heimsieg gegen Nürnberg den Grundstein legen.“ Und sollten die Löwen weiter mit Toren geizen, muss sich der 1,93-m-Hüne einfach seiner Vergangenheit erinnern: „Ich war in der Jugend immer Stürmer – bis mich Hermann Gerland zum Verteidiger umfunktioniert hat.“ Zeit, um sich in der alten Heimat einzuleben, dürfte er jedenfalls kaum benötigen.

Uli Kellner

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Trotz Kantersieg des FC Bayern: Heynckes äußert sich kritisch
Trotz Kantersieg des FC Bayern: Heynckes äußert sich kritisch
Bayern empfängt Celtic: So knackt Jupp die Schotten
Bayern empfängt Celtic: So knackt Jupp die Schotten

Kommentare