Co-Trainer ist ein Bochumer Junge

Hermann Gerland: Der Tiger kommt nach Hause

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Hermann Gerland.

München - Die Trainer kommen und gehen beim FC Bayern - doch Hermann Gerland bleibt. Der „Tiger“ soll auch Carlo Ancelotti als Assistent dienen.

Neulich, nach dem Bundesliga-Spiel gegen 1899 Hoffenheim, schlich der „Tiger“ mit dicken, stylischen Kopfhörern durch den Kabinengang der Allianz Arena. Was ist denn mit dem Hermann Gerland los?, fragten sich einige langjährige Wegbegleiter. Diese protzigen Dinger passten einfach nicht zum Assistenten von Pep Guardiola bei Fußball-Rekordmeister Bayern München.

Der so bodenständige Gerland, dem der Trainingsanzug zu einer zweiten Haut geworden ist, ist freilich nicht etwa übergeschnappt. Die Kopfhörer sind ein Geschenk seines ehemaligen Schützlings Bastian Schweinsteiger; und Gerland lächelte selbstverständlich etwas verlegen, als er der verwunderten Blicke seiner Beobachter gewahr wurde.

Gerland ist alles andere als prätentiös - und passt damit so gar nicht zu dem Bild, das viele vom „FC Hollywood“ haben. Doch auch wenn der 61-Jährige neben dem glamourösen Welttrainer Guardiola eher hemdsärmelig, ja fast altbacken wirkt: Gerland wird beim FC Bayern auch dann noch auf der Bank sitzen, wenn die Ära Guardiola längst Geschichte ist.

Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti darf im Sommer zwar einen Vertrauten mitbringen - im Gespräch ist sein langjähriger Weggefährte Paul Clement, ein 43 Jahre alter Engländer, der am Montag bei Derby County entlassen wurde. Aber, das stellte Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge klar: „Hermann Gerland bleibt Co-Trainer.“

An der Säbener Straße wissen sie sehr gut, was sie an dem Mann haben, der mit Unterbrechungen fast 20 Jahre im Verein ist. Gerland entdeckte Stars wie Schweinsteiger oder Philipp Lahm, er verhinderte den fast sicheren Wechsel von Thomas Müller nach Hoffenheim. Uli Hoeneß hat ihm bei der Talentesuche einst eine „carte blanche“ ausgestellt. Und das, obwohl Gerland von sich sagt: „Ich bin kein Bayer, ich bin Westfale.“ Wenn er irgendwann mal das Gefühl habe, dass es genug ist beim FC Bayern, werde er wieder „nach Hause“ gehen, sagte er einmal.

Nach Hause ist: Bochum. Die Stadt im Revier und ihr VfL - das ist seine große Liebe. „Von der B-Jugend bis zum Cheftrainer“ habe er alle Stationen dort durchlaufen, schrieb er vor dem DFB-Pokalviertelfinale bei „seinem“ Klub auf fcb.de. Gerland ist in Bochum geboren, ging dort in den Kindergarten und zur Schule und machte eine Bankausbildung. „In Bochum brauche ich kein Navigationsgerät“, meinte er. Und: Für eine Bochumer Bratwurst lasse er „jede Weißwurst“ liegen.

Seine bisweilen raue westfälische Art ist in München nicht immer gut angekommen. „Ich habe oft so rumgebrüllt, dass ich hinterher gedacht habe: Hast du noch alle auf der Latte?“, sagte er im 11Freunde-Interview einmal über seine Zeit als Coach der Bayern-Amateure. Inzwischen ist Gerland ruhiger geworden, einen kecken Spruch hat er für die Stars aber immer auf Lager, wenn's sein muss. Da muss sich ein Müller auch mal als „Blinder“ beschimpfen lassen. Wenn alles gut geht, wie mit dem Triple 2013, trinken sie hinterher sein Lieblingsgetränk Whiskey-Cola zusammen.

Wer Gerland auf den Status eines Maskottchens reduziert, wird ihm jedoch nicht gerecht. Er arbeitet modern, seit der Ära Louis van Gaal sogar mit Laptop, wie er einmal schmunzelnd berichtete. Er wolle „dem FC Bayern und jedem Trainer dienen“, sagte Gerland kürzlich. Das werde „hoffentlich auch Carlo Ancelotti bald sehen“. Mit Sicherheit wird er das.

sid

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