Auszüge aus Guardiola-Buch

Aufstellung? Gibt es erst zwei Stunden vor Anpfiff

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Pep Guardiola (l.) mit Philipp Lahm.

München - Am 29. August erscheint das Buch "Herr Guardiola - Das erste Jahr mit Bayern München". Die tz druckt bis zum Bundesliga-Auftakt am Freitag exklusiv Auszüge. Heute: Peps Ansprachen.

Der spanische Journalist Martí Perarnau durfte FCB-Trainer Pep Guardiola über mehrere Monate begleiten. Daraus entstand die Doku Herr Guardiola. Das erste Jahr mit Bayern München (420 Seiten mit Bildteil, gebunden mit Schutzumschlag, € 19,95, Verlag Antje Kunstmann, München), die am 29. August 2014 erscheint. Die tz druckt bis zum Bundesliga-Auftakt am Freitag exklusiv Auszüge.

Heute: Peps Ansprachen

München, 31. Januar 2014.

Einer unabänderlichen Regel folgend hält Guardiola wie vor jedem Spiel drei Ansprachen, jede davon etwa fünfzehn Minuten lang, immer unterstützt durch Videoaufzeichnungen, die jeweils nicht länger als sieben Minuten dauern. Die drei Ansprachen folgen stets demselben Schema:

Am Tag vor der Begegnung analysiert Pep das Offensivspiel der gegnerischen Mannschaft. Mit Hilfe von Videoaufzeichnungen zeigt er die konkreten Gefahren auf, die vom Gegner ausgehen, und erklärt die Laufwege seiner wichtigsten Spieler. Dann erläutert er im Detail die eigene Defensivtaktik, mit der die Angriffe des Gegners so weit wie möglich unterbunden werden sollen. Im Training, das gleich im Anschluss stattfindet, werden dann die soeben besprochenen Strategien eingeübt.

Die zweite Besprechung erfolgt vor dem Morgentraining am Tag des Spiels. Eingehend beschreibt Pep die Offensiv- und Defensivtaktik des Gegners. Im Wesentlichen erklärt er, wie die gegnerische Mannschaft verteidigt und wie sie sich bei Eckstößen und Freistößen verhält. Domènec Torrent hat die letzten fünfzig Eck- und Freistöße des Gegners genauestens studiert und geht nun auf die wichtigsten Besonderheiten bei Standardsituationen ein. Während des Spiels wird er die Spieler von der Coaching-Zone aus daran erinnern, welche Positionen sie dabei einnehmen müssen. Nach der Besprechung absolvieren die Spieler ein leichtes Training, bei dem sie auf die analysierten Offensiv- und Defensivstrategien des Gegners eingestellt werden. Noch ist die endgültige Mannschaftsaufstellung nicht bekannt, also nehmen alle Spieler des Kaders am Training teil. Findet die Partie nicht in München statt, üben sie nicht die entsprechenden Spielzüge ein, sondern sehen sich die Aufzeichnungen von dem Tag an, an dem sie sie an der Säbener Straße trainiert haben.

Zwei Stunden vor der Partie dann, im Hotel, hält Pep seine dritte und letzte Ansprache (in der Umkleidekabine wird es keine weitere geben). Zwar dient sie auch der Motivation, doch vor allem besitzt sie eine starke taktische Komponente. Nachdem der Trainer die Offensivstrategie festgelegt hat, kommt der Moment, in dem er die Mannschaftsaufstellung bekannt gibt. Die Ansprache konzentriert sich ausschließlich auf den Angriff, weil das Abwehrverhalten bereits tags zuvor einstudiert und die Standardsituationen am Morgen analysiert und trainiert wurden. Auch auf die Frei- und Eckstöße des Gegners wird noch einmal eingegangen. Wie gesagt, die Ansprache enthält manchmal auch motivierende Elemente, aber nicht immer. Vor dem Viertelfinalspiel der Champions League gegen Manchester United Anfang April verzichtete Pep sogar auf diese dritte Ansprache, weil die Spieler die Aufstellung bereits kannten und das Angriffsspiel ausgiebig trainiert worden war, so dass es nichts mehr zu besprechen gab. Dagegen kam die Mannschaft zu Beginn der Rückrunde am 24. Januar erst knapp vor Spielbeginn in den Borussia-Park von Mönchengladbach, weil Peps letzte Ansprache länger gedauert hatte als gewöhnlich. Er hatte seinen Männern die Gründe dafür auseinandergelegt, warum sie in dem Freundschaftsspiel in Salzburg sechs Tage zuvor mit 0:3 untergegangen waren: Sie hatten sich nicht genug bewegt, waren nicht gelaufen, hatten keinerlei Druck aufgebaut.

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