Auszüge aus Guardiola-Buch

Peps Plan: So macht er Franck noch gefährlicher

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Pep Guardiola (l.) mit Franck Ribéry.

München - Am 29. August erscheint das Buch "Herr Guardiola - Das erste Jahr mit Bayern München". Die tz druckt bis zum Bundesliga-Auftakt am Freitag exklusiv Auszüge. Heute: Peps Pläne und ihre Vermittlung.

Der spanische Journalist Martí Perarnau durfte FCB-Trainer Pep Guardiola über mehrere Monate begleiten. Daraus entstand die Doku "Herr Guardiola. Das erste Jahr mit Bayern München" (420 Seiten mit Bildteil, gebunden mit Schutzumschlag, € 19,95, Verlag Antje Kunstmann, München), die am 29. August 2014 erscheint. Die tz druckt bis zum Bundesliga-Auftakt am Freitag exklusiv Auszüge. Heute: Peps Pläne und ihre Vermittlung.

München, 18. September 2013.

Pep hat Schwierigkeiten damit, den Spielern seine absolut klaren strategischen Vorstellungen zu vermitteln. Es ist kein sprachliches Problem, auch nicht auf der Ebene der Fußballsprache. Es ist ein quantitatives Problem. Es ist einfach zu viel. Manchmal möchte er so viele Dinge bis ins kleinste Detail erläutern, dass einige Spieler ihm nicht mehr folgen können. Trotzdem macht Pep verbissen so lange weiter, bis er endlich merkt, dass der betreffende Spieler eine kürzere und einfachere Botschaft braucht.

"Herr Guardiola. Das erste Jahr mit Bayern München"

Nehmen wir ein Beispiel: Franck Ribéry können wir in Bezug auf seine Verständnis- und Verhaltensmuster beispielsweise mit einem 100-Meter- Läufer vergleichen. Kommt man ihm mit Spitzfindigkeiten, führt das nur zu Komplikationen. Guardiola hat Monate gebraucht, bis er die richtige Sprache für Ribéry gefunden hat. Schon beim ersten Training erzählte er ihm etwas von „von innen heraus spielen“, wenn man sich im Bereich der falschen Neun bewegt. Pep glaubt, dass Ribéry doppelt so gefährlich sein kann, wenn er in der Mitte das tut, was er normalerweise an der Außenlinie macht. In der Mitte gibt es keine Kalklinie, die ihn auf einer Seite behindert, und er hätte logischerweise mehr Bewegungsfreiheit und Ausweichmöglichkeiten. Pep glaubt fest daran, dass der Franzose in der Mitte noch deutlich mehr leisten könnte. Aber Ribéry versteht die Bewegungsabläufe, die ihm der Trainer erklärt, nur langsam. Sie sind viel zu ausgeklügelt und kompliziert, weshalb Pep seinen Plan erst mal ad acta legt und auf den geeigneten Moment wartet.

Das Gegenbeispiel ist Schweinsteiger, dem Pep noch die verwickeltsten Botschaften vermitteln kann. Beide können sich stundenlang über die Komplexität des Fußballs auslassen. Nach jedem Training diskutieren sie mindestens eine Viertelstunde über Bewegungsabläufe und Spielzüge. Dann wirkt Pep gelöst und begleitet eins seiner Lieblingsrituale mit einer Kaskade von Gesten, die anzeigen, wo die einzelnen Spieler in welchem Moment stehen sollen, wer wen zu decken hat, wohin der zentrale Mittelfeldspieler gehen muss, wie der Abwehrspieler aufbauen soll, was der Außenstürmer der schwachen Seite tun soll und so weiter… Das „und so weiter“ ist so umfangreich, dass es außerordentlicher Konzentration bedarf, um den Faden des Vortrags nicht zu verlieren. Ich gebe zu, dass ich jedes Mal, wenn ich einen dieser Vorträge von Pep über komplexe Spielzüge zu hören bekam, irgendwann den Faden verlor. Es ist nicht leicht, seinen Ideen zu folgen. Schweinsteiger gelingt es.

Beschließen wir damit diesen Abschnitt über Peps Konzepte und ihre Vermittlung, kurz das, was der Trainer als „Weg des Spiels“ bezeichnet. Guardiola hat eine bestimmte Vorstellung von dem Weg, der beschritten werden muss, sowohl von der Mannschaft insgesamt als auch von jedem einzelnen Spieler, was er fordern kann und was noch warten muss, wann er seine Ideen darlegen und wie er deren Umsetzung trainieren soll. In strategisch-taktischer Hinsicht hat er einen fertigen Plan von sämtlichen Schlachten der Saison im Kopf. Was die Übermittlung der erforderlichen Botschaften betrifft, um diesen komplexen und detaillierten Plan umzusetzen, trifft er auf Probleme, wenn es ihm nicht gelingt, seine Ideen richtig zu dosieren und auf die einzelnen Spielertypen abzustimmen. Aber er korrigiert sich, auch wenn es noch eine Weile dauert, bis er weiß, was er seinem Team zumuten kann. Peps Vorzug ist es, einen genialen Plan zu haben, eine taktische Schatzkarte. Sein Manko besteht darin, dass er noch nicht das richtige Maß gefunden hat, wie die von den einzelnen Spielern aufgenommen werden kann.

tz

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