Interview

"Herr Henke, ist es okay, dass FCI-Spieler FC-Bayern-Fans sind?"

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Ingolstadts Co-Trainer Michael Henke.

München - Co-Trainer Michael Henke im Interview über Ingolstadts Spiel bei seinem Ex-Klub FC Bayern München, Kaffee bei Uli Hoeneß und Kämpfe um Schweinsteiger.

Wenn der FC Ingolstadt am heutigen Samstag in München zu Gast ist, reist Michael Henke in die Vergangenheit. Acht Jahre war Ingolstadts Co-Trainer beim FC Bayern. An der Seite von Ottmar Hitzfeld feierte er Meistercoups und Pokalsiege, 2001 hielt er die Champions League-Trophäe in Händen. Mit uns blickt der 58-Jährige zurück – und nach vorne.

Herr Henke, Sie waren acht Jahre lang bei Bayern tätig. Wie sehr sind Sie noch Fan dieses Klubs?

Der Gesamtverein hat mich damals beeindruckt – und er beeindruckt mich nach wie vor. Selbst in Phasen, wo man denkt, sie haben das Optimale erreicht, werden sie nicht müde und streben weiter danach, noch dominanter zu werden. Jetzt bauen sie ein Jugendleistungszentrum neben der Allianz Arena. Sie versuchen, als Klub immer Trendsetter zu sein in Europa.

Wie denken Sie an Ihre Münchner Zeit zurück?

Nur mit guten Gefühlen. Als ich mit Ottmar von Dortmund gewechselt bin, war es ein interessanter Schritt. Uns war da klar, dass Bayern noch mal eine Nummer größer ist.

Was war anders?

Plötzlich hattest du mit Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge zu tun, Sepp Maier war im Trainerstab. Und wir hatten nicht viel Anlaufzeit, weil bei Bayern nur der Erfolg zählt, und ein Unentschieden schon eine mittlere Katastrophe ist. Das haben wir gut in Griff gekriegt. Ich habe aber auch schnell gemerkt, wie wunderbar es ist, mit solchen Hochkarätern beziehungsweise Persönlichkeiten zu arbeiten. Sie leben den Fußball.

Haben Sie noch heute Kontakt zur Klubführung?

Ab und zu. Wenn ich in München bin, schaue ich, ob Uli Hoeneß in seinem Büro sitzt, trinke mit ihm einen Kaffee. Fast immer geht es dann um Fußball, aber manchmal auch um private Dinge.

Sie haben schon viele Stationen hinter sich. Wo war es am schönsten?

Jede Station hatte ihren Reiz. Trotzdem war Bayern erst mal der Höhepunkt. Auf dem hohen Niveau zwei Mal das Champions League-Endspiel zu erreichen in relativ kurzer Zeit, war das absolute Highlight meiner Laufbahn. Schauen wir mal, ob da noch was kommt (lacht).

Mit Ingolstadt? Wenn Sie bei Bayern antreten, wollen die sicherlich das 1:3 in der Liga zuletzt gegen Gladbach vergessen machen. Erschwert das die Mammutaufgabe?

So, wie ich die Bayern kenne, haben sie sich intensiv mit dem Spiel in Gladbach auseinandergesetzt: Wieso haben wir da verloren? Wieso haben wir in der ersten Halbzeit eine der vielen Chancen nicht genutzt? Zagreb hat unter der Woche die erste Wut abgekriegt, obwohl es für die Bayern in der Champions League um nichts mehr ging. Das zeichnet die Bayern aus: Der Hunger, jedes Spiel unbedingt gewinnen zu wollen.

Beim FCI sind einige Spieler heimliche oder bekennende Bayern-Fans. Ist das ein Problem?

Nee, das ist ja wie bei mir. Ich glaube, es macht besonders Spaß, Freunde zu ärgern. Ich will Bayern ja nichts Schlechtes, ich weiß auch, dass sie Meister werden – ob sie gegen uns gewinnen oder nicht. Aber sie würden sich brutal ärgern, wenn wir ihnen das Leben schwer machen.

Glauben Sie, dass Ingolstadt in der Lage ist, die Bayern zu ärgern?

Davon bin ich fest überzeugt. Man kann gegen jede Mannschaft unangenehm sein. Ich habe den Eindruck, dass da keiner von uns hinfährt nach dem Motto: Na, wenn wir 0:2 verlieren, dann ist das ja nicht schlecht. Das wäre der total falsche Weg, weil – das habe ich selbst damals erlebt – die Bayern auch ein Stück weit vom Respekt und der Angst des Gegners profitieren. Aber bei allem Respekt: Wenn wir auf den Platz gehen, haben wir erst mal einen Punkt. Und nach 90 Minuten schauen wir, was davon noch da ist.

Haben Sie dank der Bayern-Zeit noch ein, zwei Ideen, wie man sich gegen sie behaupten kann?

Nein, weil die herrschenden Personen heute andere sind. Klar kenne ich die Philosophie bei Bayern ein bisschen, aber da ist nicht viel, was ich noch aus meiner Zeit nutzen kann. Das ist zu lange her.

Wie sehr beobachten Sie noch heute Ihre ehemaligen Schützlinge wie Philipp Lahm?

Philipp Lahm oder auch Bastian Schweinsteiger sind die, die mich die ganze Zeit bei Bayern begleitet haben, die man schon bei den Amateuren beurteilt hat, die dann sporadisch bei uns mittrainiert haben. Dann ist Philipp noch den Umweg über den VfB Stuttgart gegangen. Mit den beiden habe ich viel Zeit verbracht und ihre Entwicklung begleitet. Ein bisschen mehr habe ich heute noch mit Bastian Schweinsteiger zu tun. Weil ich für den damals kämpfen musste.

Inwiefern?

Der war nicht so angesehen, dem haben nicht so viele zugetraut, dass er diese fantastische Karriere macht. Von Philipp waren sehr viele überzeugt, als er aus Stuttgart zurückkam. Beim Bastian war das schwieriger. Wenn der bei uns mittrainiert hat, hat es auf der Bank schon mal Diskussionen gegeben – auch mit Uli Hoeneß: „Packt der das wirklich?“ Man muss sich aber überlegen: Das waren Spieler von 18 Jahren. Da weißt du nicht, wo der Weg hingeht. Es gibt unglaublich viele Talente von dem Kaliber. Ich war aber im Fall Schweinsteiger früh davon überzeugt, dass er es schafft. Basti war vom Typ her so ein Bodenständiger, der da auch hinwollte.

Bei Manchester United erhält der DFB-Kapitän aktuell viel Gegenwind.

Ich fiebere bei Basti schon ein bisschen mehr mit. Und wenn er dann kritisiert wird, tut mir das natürlich leid.

Interview: Sina Ojo

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