Neuer Trainer beim FC Bayern

Heynckes’ erster Tag: Zur rechten Zeit am rechten Ort

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Wieder am Ball: Heute Nachmittag wird Jupp Heynckes erstmals seit 2013 wieder das Training beim FC Bayern leiten. 

Der alte, neue Trainer soll die Bayern stabilisieren und dem Kader Motivation einhauchen – und das möglichst rasch.

München – Das Fatale an einem Versprechen ist ja, dass die Menschen einen anschließend immer an seinen Worten messen. Jupp Heynckes hat das zu spüren bekommen, als er mitten in seinem ersten von nunmehr vier Trainer-Engagements beim FC Bayern ein bisschen zu optimistisch war. Damals, im Mai 1990, stand er unter dem Eindruck der Meisterfeier auf dem Marienplatz, als er den Fans die nächste große Feierlichkeit in Aussicht stellte. „Nächstes Jahr holen wir den Europapokal“, kündigte er zur großen Freude der Basis an. Als die Bayern im folgenden Frühjahr im Halbfinale an Roter Stern Belgrad scheiterten, durch ein Eigentor in letzter Minute, war die Ernüchterung beträchtlich.

Wenn er heute wieder mal als Bayern-Trainer vorgestellt wird und sein erstes Training leitet, ist Jupp Heynckes fast drei Jahrzehnte älter. Er weiß sehr viel genauer, was er sagen und was lieber für sich behalten sollte. Seine jüngste Botschaft an die Bayern-Gemeinde liest sich, als habe er zuvor noch einen Schnellkurs „Diplomatie für Fußballtrainer“ besucht. Mit seinem Team werde er nun „alles daran setzen, dass die Mannschaft den Fans bald wieder erfolgreichen Fußball präsentieren wird“, richtet er aus. Er verspricht nichts, sondern stellt in Aussicht. Und „bald“ ist ein dehnbarer Begriff.

Auf allen Ebenen wird Heynckes mit Vorfreude und gewissen Erwartungen empfangen. Die Bosse sind froh, einen fachlich und menschlich anerkannten Trainer zu haben, nachdem sich herausgestellt hat, dass der als Spielerversteher geholte Carlo Ancelotti ausgerechnet in seiner vermeintlichen Kernkompetenz Defizite aufwies. Die Anhänger verbinden mit Heynckes die Glückseligkeit des Triple-Sommers 2013. Und ein nicht so kleiner Teil der Mannschaft ist noch vertraut mit dem alten Chef, seinen Methoden und der herzlichen Ansprache. Das ist auch wichtig, denn viel Zeit bleibt den Bayern nicht. In den nächsten drei Wochen stehen sieben Spiele an, darunter in Leipzig (Pokal), Glasgow (Champions League) und Dortmund (Bundesliga). Ein Stolpern kann sich das Team nirgendwo erlauben.

Man kann sich die Grundzüge der Architektur auf dem Feld schon jetzt ausmalen. Auf die bewährten Kräfte Alaba, Boateng, Martinez (im defensiven Mittelfeld wie zu besten Zeiten), Müller und Robben wird sich Heynckes wohl verlassen, auch Kimmich und Hummels dürften hinten gesetzt sein, Lewandowski im Sturm sowieso. Den nicht immer pflegeleichten Arturo Vidal wiederum kennt Heynckes aus Leverkusener Zeiten. Dort kam man prima miteinander klar.

Einen Platz für Thiago zu finden, ist derweil möglicherweise keine ganz dringliche Aufgabe. Der Spanier qualifizierte sich am Freitag mit seiner Mannschaft durch ein 3:0 über Albanien für die WM 2018 und steuerte das zweite Tor bei, doch wegen einer Knöchelverletzung verzichtete er auf die Reise zum letzten Spiel in Israel. Wie gravierend die Blessur ist, wurde bislang nicht bekannt.

Die interne Kommunikation, das Moderieren von Konflikten und Meinungsverschiedenheiten etwa über Einsatzzeiten, sollte für Heynckes kein Problem sein. Zugute kommt ihm, dass er prägende Jahre in Spanien verbracht hat (Bilbao, Teneriffa, Madrid) und den iberischen und südamerikanischen Spielern seine Ansichten detailliert erklären kann. Auch taktisch steht er vor einer Aufgabe, die nicht die undankbarste ist. Nach 15 Ancelotti-Monaten, die von einer gewissen Beliebigkeit und Ziellosigkeit geprägt waren, muss Heynckes die Mannschaft stabilisieren und ihr frische Motivation einhauchen. Eine Neuerfindung des FC Bayern erwartet niemand.

Mit der darf sich sein Nachfolger befassen, wer auch immer es sein wird. Karl-Heinz Rummenigge findet, Heynckes sei „zum jetzigen Zeitpunkt der ideale Trainer“. Die Einschränkung hat er bewusst gemacht. Nur an diesen Worten wollen sich die Bayern messen lassen.

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