Vor vierter Amtszeit

Heynckes vor schwieriger Aufgabe: Der "alte" neue Trainer und die Bayern-Probleme

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Jupp Heynckes soll die Bayern zu alter Stärke führen.

Am Montag startet Jupp Heynckes in seine vierte Amtszeit bei den Bayern. Auf den 72-Jährigen warten zahlreiche Baustellen, die seiner sofortige Aufmerksamkeit bedürfen.

Köln/München - Als Triple-Trainer verließ Jupp Heynckes Bayern München auf dem Höhepunkt der Vereinsgeschichte, bei seiner überraschenden Rückkehr steht der 72-Jährige allerdings vor einigen Problemen. Ab Montag soll der Erfolgstrainer den kriselnden deutschen Fußball-Rekordmeister wieder auf Kurs bringen. Für Heynckes, der am Sonntag auf dem Münchner Flughafen landete, eine "Herzensangelegenheit" - allerdings eine alles andere als einfache Aufgabe.

Der Welt- und Europameister setzt auf ein eingespieltes Trainerteam - wie in der Traum-Saison 2012/13. "Es ist wichtig, dass ein Trainerteam funktioniert, zumal wenn es nur um so eine kurze Zeit geht", sagte Peter Hermann, der als Co-Trainer von Heynckes wieder zum FC Bayern zurückkehrt, der Bild am Sonntag. Der 65-Jährige, der von einer achtmonatigen Amtszeit mit Heynckes an der Säbener Straße ausgeht, wechselt für angeblich 1,75 Millionen Euro Ablöse von Zweitliga-Tabellenführer Fortuna Düsseldorfan die Isar. Das erste Problem ist mit der Personalie Heynckes immerhin gelöst: Vor den wichtigen Spielen in den kommenden Tagen und Wochen wurde zumindest auf die Trainerfrage eine für Fans und Spieler zufriedenstellende Antwort gefunden. Doch wollen die Münchner wieder zu alter Dominanz finden, hat Heynckes noch einige Arbeit vor sich.

Die sportliche Situation: Schon Jahre nicht mehr waren die Bayern so angreifbar wie aktuell - selbst in der Bundesliga reichen klare Führungen nicht mehr zu Siegen. Taktisch erfolgte unter Carlo Ancelotti ein Rückschritt, häufig wirkte es so, als fehle den Spielern eine Handlungsanleitung. Ancelotti setzte auf die individuelle Klasse seiner Topstars, doch die sind nicht Topform. Oder verletzt. Auch ein Grund, warum der Italiener in dieser Saison noch keine Stammformation fand. Ein weiteres Fragezeichen steht dabei hinter dem Kader. Ist er zu schwach für höchstes internationales Niveau, wie bereits die ersten Experten unkten? Oder stehen eher interne Probleme dem Erfolg entgegen? Liegt es an atmosphärischen Störungen, könnte Heynckes kurzfristig etwas bewegen.

Die Stimmung: Mats Hummels sprach während des Trips mit der Nationalmannschaft von "aufreibenden Wochen" in München. Zeitweise war der "FC Hollywood" zurück: Thomas Müller motzte über fehlende Einsatzzeiten, Franck Ribery reagierte wütend auf eine Auswechslung - und Stürmer Robert Lewandowski entwickelte sich immer mehr zur Ich-AG. Ein nicht autorisiertes Interview mit Kritik an den Vereinsbossen nervte den Verein wie der Eigensinn des Polen. Ancelotti war nicht in der Lage, die Spieler bei Laune zu halten, verschärfte die Situation angeblich sogar, indem er Personalentscheidungen nicht ausreichend kommunizierte. Für Heynckes wird dies wohl die wichtigste Aufgabe: Die "Kabine zurückzugewinnen", wie es so schön heißt. Nicht gerade hinderlich ist es dabei, dass Heynckes mit Teilen der Mannschaft spanisch sprechen kann.

Der Zeitdruck: Es eilt für Heynckes, denn in den kommenden Tagen stehen wegweisende Spiele an. In der Champions League muss der FC Bayern die Duelle mit Celtic Glasgow gewinnen, im DFB-Pokal und in der Liga geht es jeweils gegen RB Leipzig. Und Anfang November reisen sie zum enteilten Spitzenreiter Borussia Dortmund.

Die Bosse: Seit der Rückkehr von Uli Hoeneß spricht der Klub nicht mehr mit einer Stimme. Nicht nur einmal sendeten der Präsident und der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge unterschiedliche Signale aus. In der Trainerfrage konnten sie sich letztendlich immerhin auf Heynckes einigen. Dessen Aufgabe könnte es auch sein, für einen Ausgleich der Alphatiere zu sorgen und so weitere Konflikte zu verhindern.

Der Nachfolger: Denn schon die Suche nach dem Trainer für die kommende Saison könnte für Zündstoff sorgen. Hoeneß soll den Hoffenheimer Julian Nagelsmann favorisieren, Rummenigge eher ein Engagement von Thomas Tuchel. Egal, wer nun neuer Bayern-Trainer werden wird, Heynckes wird die öffentlichen Diskussionen über seinen Nachfolger aushalten müssen.

sid

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