„Große Charmeoffensive von Uli Hoeneß“

Bleibt Heynckes? Rummenigge verrät entscheidendes Detail in Trainerfrage

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Rummenigge  (l.) und Hoeneß (r.) würden gerne mit Heynckes weiterarbeiten.

Noch immer ist unklar, wer ab 1. Juli 2018 auf der Trainerbank des FC Bayern sitzt. Geht es nach den Bossen des Rekordmeisters, gibt es nur einen Wunschkandidaten.

17 Pflichtspiele absolvierte der FC Bayern seit dem Comeback von Jupp Heynckes auf der Trainerbank - und sage und schreibe 16 dieser Partien gewann der Rekordmeister auch. Unter dem Triple-Coach von 2013 hat der Branchenprimus in die Erfolgsspur zurückgefunden. Die nächste Meisterschaft ist bei einem zweistelligen Punktevorsprung kaum noch gefährdet, in DFB-Pokal und Champions League warten mit Paderborn und Besiktas machbare Gegner. Selbst ein erneutes Triple ist also nicht ausgeschlossen.

Rummenigge wünscht sich Heynckes-Verlängerung - nächster Coach auf jeden Fall Deutscher

Kein Wunder also, dass der FC Bayern München seine Bemühungen um eine längerfristige Zukunft mit Trainer Heynckes intensiviert. ""Ich würde nicht ausschließen, dass Jupp am Ende des Tages am 1. Juli auf der Bank sitzt. Bei uns gibt es die große Charmeoffensive von Uli Hoeneß - und wenn ich ehrlich bin, unterstütze ich die total", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Sendung "Wontorra - der Fußball-Talk" bei Sky Sport News HD.

Rummenigge stellte zudem klar, dass der nächste Coach des FCB auf jeden Fall ein Deutscher sein wird: „Entschieden ist, dass wir einen deutschen Trainer ab 1. Juli haben. Der idealste wäre Jupp Heynckes. Wenn er es nicht machen will, werden wir einen anderen deutschen Trainer verpflichten.“

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Der 72-jährige Heynckes hat bereits mehrfach betont, dem FC Bayern nur bis Sommer zur Verfügung stehen zu wollen. Rummenigge will das, wie zuvor Hoeneß, nun so nicht stehen lassen und mithelfen, Heynckes noch umzustimmen. "Es ist doch völlig normal, dass wir uns bemühen, dass er über den 30. Juni hinaus Trainer sein wird. Wir wären schlecht beraten, wenn wir diesen Mann ohne Weiteres kampflos aufgeben würden, und das werden wir auch nicht tun", sagte er.

Der FC Bayern, betonte Rummenigge, müsse nun eben ein wenig abwarten. "Bei Jupp Heynckes muss man auch ein Stück diese Geduld haben", sagte Rummenigge, "man muss den Jupp, ohne ihn zu drängen, mit der notwendigen Eleganz begleiten." Der Klub müsse "klug agieren und klug taktieren". Präsident Hoeneß hatte das öffentliche Werben um Heynckes schon im November eröffnet.

Rummenigge spricht auch über Robben und Ribéry

Auf einen Zeitpunkt für eine Entscheidung wollte sich Rummenigge nicht festlegen lassen - wohl schon deshalb, um Heynckes die Zeit zu geben, es sich doch noch einmal zu überlegen. "Wir werden sicher nicht den Fehler machen", sagte der Klubchef, "dass wir einen Zeitpunkt nennen", er empfehle vielmehr, "das in aller Ruhe zu machen. Jupp ist ein angenehmer Mensch, der in keiner Weise Druck haben will, diesen Druck sollten wir ihm nicht machen."

Zeit wollen sich die Verantwortlichen des FC Bayern in jeder Hinsicht lassen. Auch, was eine Verlängerung der auslaufenden Verträge von Arjen Robben und Franck Ribéry angeht. "Man muss das Thema mit Geduld angehen. Wir haben die sicher nicht leichte Aufgabe zu entscheiden, machen wir weiter oder müssen wir den Umbruch schon im nächsten Jahr einleiten", sagte Rummenigge. In jedem Fall würden die Verträge aber nur um ein Jahr verlängert.

Die kompletten Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge bei „Wontorra - der Fußball-Talk“ auf

Rummenigge über einen möglichen Verbleib von Jupp Heynckes: "Es gibt diese Charmeoffensive von Uli Hoeneß - und wenn ich ehrlich bin, unterstütze ich die total. Wir haben jetzt 17 Spiele betrieben - 16 Mal sind wir als Sieger vom Platz gegangen. Die ganzen jungen Spieler lieben ihn. Es ist ein Burgfrieden da. Wir wären ja schlecht beraten, diesen Mann, der nicht nur ein guter Trainer ist, sondern auch ein wunderbarer Mensch, wenn wir den so ohne Weiteres kampflos aufgeben würden. Und das werden wir auch nicht tun. Es ist nicht auszuschließen, dass Jupp Heynckes am 1. Juli noch auf der Trainerbank sitzt. Wir haben entschieden, dass wir einen deutschen Trainer wollen. Jupp Heynckes wäre der idealste deutsche Trainer. Bei Jupp Heynckes muss man auch ein Stück diese Geduld haben. Man muss den Jupp, ohne ihn zu drängen, mit der notwendigen Eleganz begleiten."

... zu anderen potenziellen Kandidaten wie Thomas Tuchel, Julian Nagelsmann, Ralph Hasenhüttl und Jürgen Klopp: "Alle die da genannt worden sind, sind hochqualifizierte Trainer. Die letzten beiden Trainer haben wir sehr früh installiert. Es kann auch sein, dass wir dieses Mal nur ein oder zwei Monate vorher einen Trainer haben werden. Aber wir werden einen Trainer haben."

... über Thomas Tuchel: "Grundsätzlich gilt es eins zu sagen: Er ist ein sehr guter Trainer, das hat er speziell bei Borussia Dortmund bewiesen. Sie waren zu dem Zeitpunkt auch unser härtester Widersacher. Wir geben uns da die Ruhe. Wir werden Gespräche führen und uns zu einem Zeitpunkt entscheiden. Schwierige Typen waren wir alle irgendwann mal."

... über Vertragsverlängerungen mit Franck Ribéry und Arjen Robben: "Wir müssen abwarten, wie die Saison läuft. Da müssen wir Geduld bewahren und es wird möglicherweise erst spät eine Entscheidung fallen. Die beiden machen nicht den Eindruck als hätten sie damit ein Problem. Wir müssen schon auch ein Stück über den Tellerrand hinausschauen. Ist es noch die richtige Entscheidung ein Jahr weiterzugehen oder die unpopuläre Entscheidung zu treffen, einen Umbruch einzuleiten."

... über eine mögliche Verpflichtung von Leon Goretzka: "Unser Profil ist sehr stark deutsch ausgerichtet. Wir wären schlecht beraten, wenn wir uns mit so einem Spieler nicht auseinandersetzen würden. Jetzt muss der Spieler entscheiden. Das soll in den nächsten Tagen der Fall sein. Es wäre schön, wenn er sich für den FC Bayern entscheiden würde. Dieser Spieler hat einen extrem hohen Markt gehabt. Alle Top-Klubs Europas waren an ihm dran, es ist dann völlig legal und normal, dass sich auch der FC Bayern für ihn interessiert."

... zur Dominanz von Bayern München in der Bundesliga: "Grundsätzlich würden sich alle freuen, wenn wir ein bisschen mehr englische Verhältnisse hätten. Das ist ein Prozess, der mir in ganz Europa ein bisschen Sorge macht. Emotion bedeutet, dass man bis zum Schluss um die Titel kämpft. Meine schönste Meisterschaft war die 2001, als wir in der 94. Minute den Ausgleich erzielt haben. Wenn ein Klub zu weit von den Tabellenplätzen zwei, drei und vier entfernt ist, leidet die Emotion. Mir wäre auch lieber, dass die Klubs wie Borussia Dortmund sich ein Stück näher an uns reiben würden, aber man muss auch sagen, das ist nicht ganz einfach. Am Anfang der Saison sah es gar nicht so gut aus für uns. Wenn Bayern mal einen Lauf hat, ist es schwierig uns zu stoppen.

... zur Rückkehr von Jupp Heynckes: "Wir haben am Anfang der Saison ohne Frage holprig gespielt, deshalb hatten wir auch zeitweise fünf Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund. Es stimmt schon, dass unsere Spielweise nicht so war, wie in den vergangenen Jahren. Mit der Ankunft von Jupp ist das ganze Ding wieder gedreht worden. Er hat nicht nur die Mannschaft, sondern den ganzen Klub befriedet, dabei konnte er gar nicht so im Detail trainieren, weil wir zu dem Zeitpunkt sehr viele englische Wochen hatten. Deshalb ist Jupp ohne Frage der Schlüssel dessen, was wir hier gerade erleben."

... zur Person Heynckes: "Er ist ein Mensch, der sehr viel Wert auf Harmonie und Loyalität legt. Als wir ihn gefragt haben, Nachfolger von Carlo zu werden, hat er geantwortet: 'Ja unter einer Conditio, dass du und Uli wieder zusammenarbeiten, wie es der ganze Klub braucht.' Wir haben das gebraucht, dass der Klub wieder enger zusammenrückt."

... zu Konflikten mit Uli Hoeneß: "Wir hatten immer wieder mal unterschiedliche Meinungen, das gab's unter anderem bei Transfers, aber wir haben es immer exklusiv intern ausgetragen. Aber als Uli als Präsident zurückkam, hat sich in der Presse entwickelt, dass der eine hü und der andere hott gesagt hat. Da gab's dann schon, dass der eine mal eine Tür geknallt hat oder es etwas lauter wurde. Grundsätzlich muss man sagen, dass Uli als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender ein sehr aktiver Mensch ist. Ich muss offen und ehrlich sagen, die Qualität und Philosophie von Uli ist für den Klub sehr wichtig gewesen. Wir wären schlecht beraten, wenn wir auf die Qualität von Uli Hoeneß nicht zurückgreifen würden. Das Verhältnis von uns ist intakter denn je. Es herrscht ein wahrer Frieden. Wir waren immer eng befreundet. Wir kennen uns sehr, sehr gut, ich würde fast sagen in- und auswendig. Aber manchmal ergeben sich Dinge und dann spielt auch Stolz eine Rolle. Aber so wie es jetzt ist, ist es perfekt. Dass wir hin und wieder unterschiedliche Meinungen haben, halte ich grundsätzlich für nicht verkehrt. Aber man muss diese Dinge eben intern führen. Nach außen muss man dann eine gemeinsame Linie vertreten."

... zur Trennung von Carlo Ancelotti: "Er ist ein wunderbarer Mensch und Trainer, aber es hat dann nicht mehr so funktioniert wie wir uns das gewünscht haben. Dann musst du eine Entscheidung treffen, die nicht sympathisch, aber unerlässlich ist. Wir haben schon versucht, Uli genauso wie ich, Carlo in die richtige Richtung zu leiten. Das ist natürlich nicht so einfach, weil ein Trainerumfeld nicht über Nacht zu ändern ist. Aber ein Knackpunkt war das Spiel in Paris, weil wir vorher gemerkt haben, wenn er mit dieser Aufstellung da spielt und verliert, wird es nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch im Verein eng. Das Gespräch war nicht angenehm. Das sind Tage, an denen du als Vorstandsvorsitzender eine gewisse Grausamkeit begehen musst. Aber es war die einzig richtige und professionelle Entscheidung. Es gibt immer etwas Wichtigeres: Das Wohl des FC Bayern."

... zum schwachen Wettbewerb innerhalb der Bundesliga: "Ich möchte gar nicht die Konkurrenten kritisieren, das sehe ich nicht als meine Aufgabe. Wir müssen den FC Bayern so führen, dass wir am Ende unsere Ziele erreichen. Unser Brot-und-Butter-Geschäft ist die Bundesliga. Wir versuchen, jedes Jahr unseren Titel zu verteidigen. Aber die Saison hat gerademal 18 Spieltage, aber man kann mit Sicherheit sagen, die Meisterschaft wird nur noch über den FC Bayern gehen."

... über RB Leipzig: "Grundsätzlich muss man erkennen, dass sie einen guten Job gemacht haben. Sie sind erst vor eineinhalb Jahren aufgestiegen und haben sich dann für die Champions League qualifiziert. Aber jetzt war dann auch die ganz große Euphorie weg und sie mussten der Zusatzbelastung der Königsklasse Tribut zollen. Aber ein Knackpunkt war vielleicht das verlorene Pokalspiel gegen uns."

... zur 50+1-Regel: "Das Thema ist ein großes Spektrum. Der DFB hat Wert darauf gelegt, dass die Vereinskultur erhalten bleibt. Aber du hast ja schon Klubs, die im klassischen Sinne 50+1 nicht mehr unterworfen sind. Ich bin der Meinung, dass man die Voraussetzungen schafft, dass jeder Klub das für sich selbst entscheidet. Ich glaube nicht, dass es mit 50+1 einen großen Kapitalschub geben wird. Neymar-Transfers würden wir in der Bundesliga nicht erleben. Aber im letzten Sommer wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Ich kann nur jedem Bundesliga-Klub empfehlen, seine eigene Philosophie zu finden."

... zum Transferwahnsinn: "Ich habe keine Sorge, dass der FC Bayern in der Zukunft keine Rolle mehr spielen wird. Kein Engländer oder Franzose ist in der UEFA-Zehnjahreswertung auf Augenhöhe. Der Transfermarkt ist wie er ist. Wir haben uns in Deutschland eine Kritikhaltung angewöhnt. Aber was vergessen wird, sind die Gehälter. Die sind nämlich oft sehr viel schwieriger zu lösen als die Ablösesummen, wenn Neymar über 30 Millionen netto verdient oder Messi angeblich 100 Millionen. Wir müssen unser Geld vorher verdienen, bevor wir es ausgeben. Das war eine richtige Entscheidung, die 2009 von der UEFA gefällt wurde. Das Problem ist, dass es zu keiner Zeit stringent und seriös umgesetzt wurde, deshalb haben wir jetzt Transfers wie Neymar. Auch Mbappe hat Paris de jure nur ausgeliehen, aber de facto verpflichtet. Wenn das nicht im Rahmen des Financial Fairplay ist, muss die UEFA dann auch Konsequenzen ziehen."

... zum Financial Fairplay: "Ich glaube, das entscheidende Kriterium ist, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht erhalten müssen und das darf nicht am Eigner des Klubs liegen. Deshalb muss Financial Fairplay 2.0 kommen. Seit 2009 hat sich der Fußball extrem verändert, sowohl die Transfersummen als auch die Gehälter. Der Entwicklung muss man Rechnung tragen. Dieses Thema muss auch bei der EU sensibilisiert werden. Wir haben versucht für Gehaltsobergrenzen zu kämpfen, das wurde abgelehnt."

... zu Transfers: "Wenn du gute Spieler haben willst, musst du die Preise mitgehen. Die Summen sind teilweise jenseits von Gut und Böse, aber wenn du um Titel mitspielen willst, brauchst du die Qualität. Uli und ich sind uns einig, dass wir irgendwann ins Wasser springen müssen und einen Spieler verpflichten, der 80 bis 100 Millionen kostet."

dh mit sid-Material/Sky

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