Reifeprüfung bestanden

Historischer Bayern-Sieg: Entscheidender Schub fürs Triple?

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Thiago (l.) erzielte in der Verlängerung das vorentscheidende 3:2.

München - Mit dem furiosen Comeback-Sieg über Juventus Turin schaffen die Bayern Historisches und erinnern an die Zeiten von Gerd Müller. Das Weiterkommen könnte die Weichen gestellt haben.

Update vom 17. März: Am Freitag kommt die Auslosung für das Viertelfinale der Champions League. Wir haben bereits zusammengefasst, wer die möglichen Gegner des FC Bayern sind und wie Sie die Auslosung live im TV und Live-Stream sehen können.

Was für ein Drama - was für ein historischer Abend in der Allianz Arena! Erst in der 91. Minute, als Thomas Müller die Bayern mit seinem Kopfball endgültig zurück in Partie brachte, entlud sich die Stimmung im Stadion komplett. Für die rund 65.000 Bayern-Anhänger stellte der 4:2-Comeback-Sieg der Bayern ein Wechselbad der Gefühle dar. 72 Minuten lang liefen die Bayern einem 0:2-Rückstand hinterher. Die Treffer von Paul Pogba (5. Minute) und Juan Cuadrado (28.) in der ersten Halbzeit hatten das Münchner Publikum in eine Schockstarre versetzt.

Die Edeltechniker aus München fanden kein Mittel gegen den dicht gestaffelten und perfekt organisierten Defensiv-Block der Turiner. Bis Douglas Costa eine präzise Flanke in den Turiner Strafraum schickte - direkt auf den Scheitel von Robert Lewandowski. 1:2. Das Mischgefühl aus Fassungslosigkeit und Verzweiflung, das sich ob des drohenden Achtelfinal-Ausscheidens bei den Bayern-Fans auf den Rängen breit gemacht hatte, wich nun der Hoffnung und dem festen Glauben an ein historisches Comeback.

FC Bayern vs. Juventus Turin - Pressestimmen: Fantastico

Der "Alten Dame" geht die Puste aus - ein Drama in vier Akten

Es folgte die 91. Minute und das 2:2 von Thomas Müller. In der Verlängerung ging der "Alten Dame" dann die Puste aus - die Treffer von Thiago (108. Minute) und Kingsley Coman (110. Minute) vollendeten schließlich ein Drama in vier Akten. Juve war besiegt - den Bayern war eine fast historische Wende gelungen. Zuletzt konnte man in der Königsklasse im Dezember 2000 gegen den FC Arsenal einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen. Damals trafen in der Gruppenphase Thierry Henry (4. Minute) und Kanu (55. Minute) zur 2:0-Führung für die Londoner. Durch den direkten Anschlusstreffer von Michael "Tanne" Tarnat (56. Minute) und einen direkt verwandelten Freistoß von Mehmet Scholl (66. Minute) entführten die Bayern damals noch einen Punkt aus dem Highbury-Stadium.

Im Rückspiel siegte man zuhause mit 1:0. Einen Sieg nach 0:2-Rückstand holten die Bayern jedoch zuletzt vor 42 Jahren in der Saison 1974/75 im Europapokal der Landesmeister. Im Achtelfinal-Hinspiel gegen den 1. FC Magdeburg gerieten die Münchner durch ein Eigentor von Johnny Hansen früh in Rückstand. In der 44. Minute erhöhte Jürgen Sparwasser auf 2:0. Nach der Halbzeit übernahm Gerd Müller und glich mit zwei Toren (51. und 63. Minute) zum 2:2 aus, ehe ein Eigentor den Bayern zum Sieg verhalf. Im Rückspiel ließ man sich durch einen 2:1-Sieg den Einzug in die nächste Runde nicht mehr nehmen. Der Comeback-Sieg der Bayern war ein Triumph mit Folgen - am Ende holte die Mannschaft unter Trainer Dettmar Cramer den Europapokal. Im Finale setzte man sich mit 1:0 gegen AS Saint-Ètienne durch. 

Comeback-Erfolg: Haben die Bayern damit die Reifeprüfung bestanden?

Ist der Drama-Erfolg gegen Juventus Turin also ein gutes Omen? Haben die Bayern damit unter Pep Guardiola die Reifeprüfung bestanden?
Fest steht: Mit dem Sieg gegen die "Alte Dame" machten die Bayern eine neue Erfahrung. Über 70 Minuten standen Philipp Lahm und Co. gegen ein clever und stark spielendes Juventus Turin mit dem Rücken zur Wand, ehe der FC Bayern auf eindrucksvolle Weise in die Partie zurückfand, um sie am Ende sogar noch zu drehen.

Hier taucht Held Thiago ab! Bilder und Einzelkritik

Solch ein dramatischer Sieg gegen ein europäisches Top-Team lässt die Mannschaft um Trainer Pep Guardiola noch enger zusammenwachsen - und stärkt das schon vorhandene Selbstvertrauen. Solch ein Sieg kann den Bayern womöglich einen Schub für das heiß begehrte Triple verleihen, auch wenn Sportvorstand Matthias Sammer davon natürlich nichts wissen will. Am Rande des Spiels echauffierte sich Sammer über die von Uli Hoeneß in Gang gebrachte Triple-Diskussion und polterte ins Mikrofon eines Reporters: "Wie oft haben wir in der Geschichte von Bayern München - auch mit Uli Hoeneß - dieses so genannte lächerliche Triple gewonnen? Einmal! Und das ist noch nicht so lange her. Und jetzt sollen wir es gleich wieder gewinnen? Wir geben uns Mühe, aber es ist doch völlig unrealistisch, diese Dinge so zu benennen."

Fakt ist jedoch: Solange die Bayern in ihrer letzten Saison mit Pep Guardiola in allen drei Wettbewerben auf Kurs sind, wird das Gerede um einen möglichen Triple-Gewinn nicht nachlassen. Und vielleicht werden sich Sammer, Hoeneß und Guardiola am Ende der Saison ja freudig in den Armen liegen und an jenen März-Abend in der Allianz Arena erinnern, als in der 73. Minute das Comeback-Wunder seinen Lauf nahm.

kus

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