Schwuler FCB-Fanklub

Hitz-Outing: "Fans sind nicht von vorgestern"

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Mario Weiße (r.) vom Fanklub Queerpass Bayern mit dem Fanplakat gegen Homophobie.

München - Das Outing von Thomas Hitzlsperger freut auch den schwulen Bayern-Fanklub "Queerpass Bayern". Dessen Chef hofft auf mehr Normalität beim bisherigen Tabu-Thema.

Mario Weiße (41) ist Chef des schwulen Fanklubs „Queerpass Bayern” – der erste schwule Fanclub des FC Bayern, den es seit 2006 gibt und dem derzeit 58 Mitglieder angehören. Den Mittwoch wird der Pasinger so schnell nicht vergessen: „Endlich hat sich ein prominenter Fußballer geoutet, auch wenn es kurz nach seinem Karriere-Ende geschehen ist,“ freut sich der Beamte des Patentamts. „Ein wahnsinnig mutiger Schritt.“

Weiße glaubt, dass mit diesem prominenten Outing endlich mehr Normalität beim bisherigen Tabu-Thema: „Homosexuelle und Fußball“ einkehrt: „Damit hat sich endlich die Phantomdebatte erledigt, ob es überhaupt Schwule im Profifußball gibt.“ Dass sich bislang noch keine aktiven Fußballer geoutet hätten, kann Weiße nachvollziehen. „Da hat man als Betroffener Bedenken, dass das zum Spießrutenlauf werden könnte, vor allem bei Auswärtsspielen.“ Oder dass Sportreporter mit Argusaugen den ersten geouteten Spieler beobachtet nach dem Motto: „War der Freistoß jetzt tuntig?“

Lars Steinhöfel: Sein Outing und die Reaktionen

Weiße hofft nun nach Hitzlspergers Bekenntnis, „dass der Weg bereitet wird für den ersten aktiven Spieler, der sich outen will, da sich das mediale Interesse nicht mehr auf eine Person konzentriert.“ Am besten wäre es, wenn sich mehrere Spieler auf einmal outen würden.

Was die Fans betrifft, meint Weiße: „Beim FC Bayern sind wir in der komfortablen Situation, dass die Leute viel weiter sind, als man meinen würde.“ So stehe die Truppe vom Queerpass Bayern im Block 113 in der Südkurve, zwischen den Ultras etwa von der Schickeria München. „Wenn jemand etwas wie ,schwule Sau‘ ruft, dann nehmen ihn die Ultras ins Gebet und erklären ihm, dass das nicht geht.“ Und wenn in der U-Bahn zum Stadion „Jürgen Klinsmann ist homosexuell“ gesungen wird, passiere das gleiche.

Als im September ZSKA Moskau in der Champions Legaue gegen den FC Bayern in der Allianz Arena antrat, durften die Queerpass-Fans ein lila Transparent aufhängen mit den Worten: „Football Fans against Homophobia“, auf dem zwei sich küssende Fußballer zu sehen waren. Angesichts der Situation der Homosexuellen in Russland ein sehr politisches Statement. Dort machten die Fotos von der Aktion schnell die Runde. Weiße: „Am nächsten Tag brach unsere Homepage zusammen, weil es so viel Zugriffe aus Russland gab.“

Dass der Profi-Fußball aber nicht überall so eine gemähte Wiese für Homosexuelle ist wie in München, muss Dirk Brüllau vom Dachverband der schwulen Fußballfanclubs mit seinen 1000 Mitgliedern berichten. Zwar haben mittlerweile 30 Fußballclubs die Berliner Resolution „Gemeinsam gegen Homophobie. Für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz im Sport“ unterzeichnet. Aber, so Brüllau: „Wenn St. Pauli in Rostock spielt, singen die Fans der Heimmannschaft: „Hass und Tod den schwulen Sankt-Paulianern.“ Von Normalität kann da noch keine Rede sein.

J. Welte

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