Emotionale Momente

Höjbjerg: 102 Minuten für den Papa

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Pierre-Emile Höjbjerg mit dem Pott.

München - Wenige Wochen nach dem Tod seines Vaters rechtfertigt Pierre-Emile Höjbjerg Pep Guardiolas Vertrauen. Jetzt ist für ihn Erholung angesagt.

Pep Guardiola wusste, was er da tat, schon am Vorabend des Pokalfinals. Als klar war, dass David Alaba ausfallen würde, rief der Bayern-Trainer Pierre-Emile Höjbjerg zu sich. Er werde ihm das Vertrauen schenken, sagte Guardiola dem 18 Jahre alten Dänen. „Die ganze Mannschaft steht hinter dir. Mach einfach dein Spiel.“ Höjbjerg nickte. Genau das wolle er tun, entgegnete er.

Guardiola ist Höjbjerg in den letzten, sehr schweren Wochen, sehr nah gestanden. Das sah man, als er den Jungen nach dem starken Spiel, das er auf der ungewohnten rechten Flügelposition gemacht hatte, umarmte. Dante etwa holte sich der Trainer in den Schwitzkasten, mit Arjen Robben klatschte er lässig ab. Aber bei Höjbjerg nahm er sich Zeit. Es war ein emotionaler Moment im Berliner Olympiastadion, einer, in dem viel abfiel. „Diese Szene war sehr befreiend“, sagte Höjbjerg hinterher. Für ihn und für Guardiola.

Es ist gerade Mal einen Monat her, dass Höjbjerg Vater Christian an Magenkrebs verstorben ist. Schon als er im vergangenen Sommer von der Diagnose erfuhr, hatte sich der Mittelfeldspieler dem damals neuen Trainer Guardiola geöffnet. Er erzählte ihm von seiner Verzweiflung, dem Gefühl, ganz alleine zu sein. Guardiola weinte mit Höjbjerg – und versprach ihm, dass der Verein immer zu ihm stehen werde.

Bayerns Double-Party auf dem Marienplatz: Bilder

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Dass der Coach dem 18-Jährigen, der erst elf Mal bei den Profis dabei war, in seinem neuen System einen Platz freihielt, war angesichts der schwierigen Umstände sicherlich ein Risiko. Aber es war gleichzeitig ein Vertrauensbeweis, den Höjbjerg gebraucht hat. „Die ganze Mannschaft ist stolz auf ihn. Er verdient ein Riesenkompliment“, sagte Torschütze Robben. 102 Minuten stand Höjbjerg auf dem Platz, machte kaum Fehler, hatte einige gefährliche Szenen. „Ich wollte zeigen, dass ich mitspielen kann“, sagte er. Noch beim Bankett in der noblen Hauptstadtrepräsentanz der Telekom merkte man, was für eine Last von Höjbjerg in seinem ersten Endspiel abgefallen war.

Gemeinsam mit seiner Familie durfte er die Sorgen der letzten Wochen für eine Nacht vergessen. Er lachte, redete mit jedem – und blieb als einziger Spieler vor Ort, anstatt bis in die Puppen in den Clubs „Puro“ und „Avenue“ zu feiern. Bodenständig, wie er sich selbst beschreibt. Sein Credo: „Ich weiß: Heute kannst du Weltmeister sein, morgen Verlierer.“

In der Führungsetage herrschte bislang noch keine Einigkeit darüber, wo die Reise von Höjbjerg hingeht. Die einen sagen, er werde ein Großer. Andere sind sich nicht sicher. Ein Leihgeschäft wie es Toni Kroos, David Alaba und auch Philipp Lahm einst eingingen, ist auch bei ihm denkbar. Auch wenn Höjbjerg, seit vergangener Woche übrigens auch im A-Kader von Dänemark, daran noch nicht denken mag.

„Jetzt noch zwei Länderspiele – und dann liege ich am Strand“, sagte er. Guardiola hat mit seiner Entscheidung dafür gesorgt, dass Höjbjerg diese Zeit genießen kann. Er hat es sich verdient.

hls

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