Hoeneß jubelt über seine Bayern

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Uli Hoeneß gratuliert Coach Jürgen Klinsmann zum Erfolg.

Fast hätte man Angst um Jürgen Klinsmann haben müssen. Mark van Bommel hatte gerade das 2:2 erzielt, Jürgen Klinsmann heftig gejubelt, da wurde der Bayern-Trainer plötzlich von einem Mann in roter Daunenjacke gepackt.

Der Herr fiel Klinsmann so heftig um den Hals, dass dieser kaum noch Luft bekam und beinahe völlig unter dessen Umarmung verschwand. Der Mann in der roten Jacke war Uli Hoeneß. Selten hatte man den Manager so ausgelassen und befreit gesehen wie nach dem Ausgleich gegen Wolfsburg. Am Ende drehten die Bayern ein schon verloren geglaubtes Spiel, besiegten den VfL mit 4:2. Und Hoeneß sagte:

FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg: Die Spieler in der Einzelkritik

FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg: Die Spieler in der Einzelkritik © 
Michael Rensing: Hielt den nächsten Unhaltbaren. Strahlt immer mehr Souveränität aus und wird auch im Herauslaufen immer aggressiver und entschlossener. Note: 2 © dpa
Massimo Oddo: Raus nach 45 Minute. Zu recht. Hatte einen ganz schlechten Tag gegen Wolfsburg. Viele Stockfehler. Im sonst starken Offensivspiel eine Enttäuschung. Note: 5 © dpa
Tim Borowski: Er brachte die Wende. Bewies großen Willen, rannte mehr als in allen bisherigen Spielen zusammen und traf dann auch noch mit einem knackigen Direktschuss. Note: 2 © fishing4
Lucio: Querschläger, überhastete Aktionen, Ballverluste. Eigentlich ist Lucio für so etwas nicht bekannt. Gegen Wolfsburg gelang ihm nichts. Note: 5 © dpa
Demichelis: Nicht ganz so stark wie sonst. Ließ sich etwas von Lucios Aussetzer anstecken, war aber trotzdem noch eine klasse besser. Note: 4 © dpa
Christian Lell: Wechselte zur Halbzeit von links auf seine etatmäßige rechte Seite. Machte dort dann auch ein besseres Spiel. In Halbzeit eins nicht überzeugend, danach besser und sicherer. Note: 4 © dpa
Zé Roberto: Es ist immer dasselbe. Zé spielt wie aus einem Guss. Egal auf welcher Position. Klinsi stellte ihn in Halbzeit zwei auf die linke Verteidigerposition. Egal. Zé machte es auch dort allererste Sahne. Note: 2 © fishing4
Mark van Bommel: Der Kapitän trifft und zeigt das er unverzichtbar ist. Im Mittelfeld spielte er seine Erfahrung aus. Spielte hart aber fair und peitschte die Mitspieler immer wieder an. Gutes Auge. Tolles Verständnigs sowohl mit Zé als auch mit Borowski. Note: 2 © fishing4
Bastian Schweinsteiger: Er hat kapiert, dass zum Fußball auch das Kämpfen gehört. Und schoss dann auch noch ein Tor. Note: 3 © dpa
Franck Ribery: Noch nicht ganz der Alte, läutete aber mit seinem Tor die Aufholjagd ein und spielte einige kluge Pässe. Note: 3 © Sampics
Miro Klose: Hängte sich ziemlich rein, blieb aber ohne Tor. Seine drei Tor-Vorlagen waren eigentlich von ihm vergebene Chancen. Trotzdem Note: 3 © Sampics
Lukas Podolski:Kam irgendwie nicht ins Spiel. Er rannte uns ackerte, torgefährlich war er aber nicht. Erste Chance auf eine Stammplatz vertan. Note: 4 © Sampics
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„Wir sollten nicht das Haar in der Suppe suchen, jetzt gibt’s nur eines: Freude! Freude! Freude!“

Hoeneß hatte zwei Halbzeiten gesehen, in denen seine Bayern zwei Gesichter zeigten, die unterschiedlicher kaum hätten sein können. In der ersten: schläfrig, emotionslos, schlapp. Prompt lagen sie zur 33. Minute mit 0:2 hinten. Ribéry verkürzte zwar kurz noch auf 1:2, zur Pause aber gab es Pfiffe und vereinzelte „Klinsmann raus!“-Rufe.

„Nach dem 0:2 habe ich schon gedacht: Was soll das werden? Aber es war schon beeindruckend, wie wir das Spiel dann noch gedreht haben“, sagte Torhüter Michael Rensing nachher.

Denn die Bayern kamen wie verwandelt aus der Pause, drehten den Rückstand mit enormem Willen in ein 4:2. Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld war begeistert: „Wie die Bayern in der zweiten Hälfte aufgetreten sind, das war schon meisterlich. Das war überragend!“

Endlich konnten die Bayern auch ihre Fans überzeugen. Statt „Klinsmann raus“-Rufen, sangen die Fans nach dem Spiel „Oh, wie ist das schön!“ Die Stimmung in der Allianz Arena war gut wie lange nicht. „Die Mannschaft hat mit einer grandiosen zweiten Halbzeit die Zuschauer begeistert. Die Mannschaft hat Gesicht und eine tolle Moral gezeigt“, strahlte Hoeneß. Für den Manager besonders wichtig: Der Triumph über den VfL Wolfsburg – es war der erste Sieg, den man Klinsmann persönlich anheften kann. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen machte der Trainer seine Jungs in der Pause richtig heiß. „Es war am Anfang ganz schön laut“, bestätigt Michael Rensing, der Klinsis Ansprache bis in den benachbarten Physio-Raum hörte. Und Klinsi wurde nicht nur laut, er fand auch die richtigen Worte. „Er hat uns gesagt, dass wir Charakter zeigen sollen. Der Trainer hat uns bei der Ehre gepackt. Wenn wir eine große Mannschaft sein wollten, müssten wir Charakter zeigen und das 0:2 noch umdrehen. Das war genau der richtige Weg“, sagte Zé Roberto zur tz.

Und: Klinsmann wechselte genau richtig. Zé Roberto glänzte als linker Verteidiger und Tim Borowski zeigte sein bestes Spiel seit langer Zeit. „Manchmal hilft es halt, wenn man frischen Wind reinbringt. Ich bin froh, dass ich mal ein wenig länger spielen durfte“, sagte Borowski nachher. Und das tat er. Bienenfleißig kurbelte er das Spiel an, war unheimlich torgefährlich. Seine Einwechslung – ein cleverer Schachzug.

Die Bayern springen also in der Tabelle weit nach oben – Dank Klinsis Ansprache und seines Wechselgeschicks. Hoeneß: „Wenn wir jetzt in Frankfurt und gegen Bielefeld gewinnen, sind wir sicher unter den ersten drei. Aber auch das kann nur eine Zwischenstation sein.“ Auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft. Dann muss man wohl wirklich Angst haben, dass Klinsmann von Hoeneß im Jubel erdrückt wird.

Jan Janssen, Mario Volpe

Quelle: tz

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