Bayern-Präsident plaudert ganz offen

Hoeneß packt aus: „Wir befanden uns in einer Notsituation und saßen bis halb vier morgens zusammen“

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Jupp Heynckes und Uli Hoeneß.

Uli Hoeneß und Jupp Heynckes verbindet eine Freundschaft. Nach der Wahl zum Trainer des Jahres hat sich auch der Bayern-Präsident lobend über Heynckes geäußert. 

München - Uli Hoeneß und Jupp Heynckes sind viel mehr als ehemalige Kollegen. Ihre Beziehung geht über ein Angestellten-Verhältnis hinaus. Die guten Freunde schätzen sich und springen auch mal für den anderen ein, wenn er Hilfe braucht. So geschehen im September 2017 als Heynckes Carlo Ancelotti ersetzte und ein letztes Mal einsprang. „Es ist besonders schön, dass in Zeiten, in denen ein gewisser Jugendwahn herrscht, ein älterer Trainer diese Wahl gewonnen hat. Jupp Heynckes hat diese Auszeichnung voll und ganz verdient, weil es ungewöhnlich ist, dass ein Mann kommt, der eine ziemlich verfahrene Situation vorfindet, sie vom ersten Tag an fundamental dreht und es bis zum Schluss durchzieht“, sagt Hoeneß in einer Laudatio im Sportmagazin Kicker über Heynckes, der zum Trainer des Jahres gekürt wurde

Hoeneß erklärt den Prozess, wie die Bayern-Verantwortlichen im September 2017 auf Heynckes als Nachfolger kamen: „Wir befanden uns damals in einer gewissen Notsituation, weil wir natürlich nicht darauf vorbereitet waren, dass wir in der Champions League bei Paris St. Germain so chancenlos mit 0:3 untergehen würden. In der Nacht danach saßen wir bis halb vier Uhr morgens zusammen, da dachte ich selbstverständlich an Jupp, weil er uns schon einmal in einer ähnlichen Situation nach dem Klinsmann-Debakel im April 2009 geholfen hatte.“ Auch damals hatte Heynckes wenig Zeit, um den Verein zu stabilisieren und in die Champions League zu führen. „Damals hatte er bei seinem Abschied nur Freunde zurückgelassen an der Säbener Straße in München, deshalb nahmen ihn alle, die anderen Trainer, die Physios, die Ärzte, die gesamte Belegschaft, mit offenen Armen auf. Jupp kam und packte sofort an“, sagt Hoeneß. 

Uli Hoeneß über das Pokalfinale: „Lag weniger am Trainer als an den Spielern, die einfach ausgepowert waren“

Der Turnaround ist bekannt. Am Ende wurden die Münchner mit 21 Punkte Vorsprung Deutscher Meister. In der Champions League erreichten die Münchner das Halbfinale und im DFB-Pokal ging gegen den zukünftigen Trainer Niko Kovac das Finale verloren. Doch für die Niederlage in Berlin weist Hoeneß jede Schuld von Heynckes. „Dass es im Pokalfinale nicht mehr geklappt hat, lag weniger am Trainer als an den Spielern, die einfach ausgepowert waren“, so der Präsident. 

Hoeneß blickt auf eine gute Saison zurück und hätte das Gesamtresultat im September 2017 sofort unterschrieben. Heynckes stellt er ein exzellentes Zeugnis aus. „Jupp hat seinen Auftrag bei uns zu 100 Prozent erfüllt und eine fantastische Arbeit geleistet. Er geht in die Geschichte ein als Helfer des FC Bayern in einer ganz schwierigen Situation, er hat eine verkorkste Saison zu einem guten, ja zu einem sehr guten Ende geführt“, so der FCB-Boss. 

Uli Hoeneß: „Jupp überließ nichts dem Zufall“

Auch dem menschlichen Part des Übungsleiters zollt Hoeneß Respekt. „Er unterhielt sich mit dem Platzwart genauso wie mit den Physios, den Fitnessexperten oder seinen Co-Trainern Peter Hermann und Hermann Gerland. Jupp überließ nichts dem Zufall“, so der Bayern-Boss. Jupp Heynckes äußerte sich auch selbst, nachdem er zum Trainer des Jahres gewählt wurde, mit den Worten: „Wenn man jung ist, macht man Fehler. Da will man vieles erzwingen. Da habe ich dazugelernt". Das bestätigt auch Hoeneß: „Er hat in seinem Beruf gewaltige Fortschritte gemacht und war am Schluss ein viel besserer Trainer als vor 30 Jahren, als er erstmals zum FC Bayern kam. Als Mensch und Führungspersönlichkeit hat sich Jupp enorm weiterentwickelt, noch wichtiger für mich aber ist, dass er der Freund, der er mir schon bei seinem ersten Engagement beim FC Bayern von 1987 bis 1991 geworden ist, für mich immer blieb. “

Als Jupp Heynckes auf sein Jahr bei Bayern zurückblickt, sagt er: „Wichtiger ist, dass du den Menschen das Gefühl vermittelst, dass du sie achtest und anerkennst, was sie machen. Das spüre ich jetzt immer mehr, deshalb hat es sich gelohnt, das beim FC Bayern mit 72, 73 Jahren noch einmal zu machen.“ Hoeneß erkennt genau dieses Gespür und bestätigt die Trainer-Legende. „Und wenn er auf dieses jüngste Dreivierteljahr zurückblickt, wird er sicherlich spüren, dass es keine verlorene Zeit für ihn war. Sie hat ihn noch einmal beflügelt, er merkte, dass er noch voll leistungsfähig ist in einem Beruf, der rund um die Uhr fordert.“

Der Bayern-Fan darf nur hoffen, dass sich Uli Hoeneß irgendwann einmal ähnlich über Niko Kovac äußern kann. Der aktuelle Bayern-Trainer startet in die erste Saison und hat auch schon kleine Spuren hinterlassen

ank

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