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"Das mia san mia gab's viel zu oft"

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Uli Hoeneß ist die Trennung von Christian Nerlinger schwer gefallen. © dapd

München - Bayern-Präsident Uli Hoeneß spricht im großen tz-Interview über die Zukunft des Rekordmeisters, die Verpflichtung von Matthias Sammer, titellose Jahre und Ex-Bayern-Profi Breno.

Es war eine anstrengende Reise. Insgesamt 30 Stunden verbrachte

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Uli Hoeneß (re.)und tz-Reporter Michael Knippenkötter © mic

der FC Bayern in den letzten Tagen im Flugzeug, das alles, um seine Marke in Fernost zu stärken. Und wie steht es um den Rekordmeister in Deutschland? Auf dem Heimflug von Guangzhou nahm sich Präsident Uli Hoeneß Zeit für die tz. Im Interview spricht er über titellose Jahre, Breno und die Zukunft.

Herr Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge hat uns verraten, dass Sie im Grunde der Einzige waren, der wirklich etwas gesehen hat von China. Was genau war das?

Hoeneß: Ich habe die verbotene Stadt und einige Tempel angeschaut. Alles sehr beeindruckend – ich war ja selbst noch nie in China.

Beeindruckend war auch, wie die Mannschaft hier empfangen wurde.

Hoeneß: Total verrückt. Ich war unheimlich überrascht und begeistert von dem großen Kenntnisstand, den die Leute hier haben. Über unsere Mannschaft und den ganzen Verein!

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Wie fällt nun Ihr sportliches oder auch geschäftliches Fazit nach dieser Reise aus?

Hoeneß: Ich glaube, wir können in jeder Hinsicht von einem riesigen Erfolg sprechen! Ich finde, dass sich die Mannschaft sehr professionell verhalten hat, es war schließlich kein Honiglecken in den letzten fünf Tagen. Unterm Strich ist alles rundum positiv: Wir haben gut Geld verdient und in beiden Spielen gezeigt, dass der Kader in der Breite wesentlich besser geworden ist als im letzten Jahr.

Ist das der größte Pluspunkt für Sie? Was macht einen Uli Hoeneß sicher, dass es dieses Mal wieder mit dem Meistertitel klappt?

Hoeneß: Genau das werde ich Ihnen nicht sagen. Wir haben in den letzten Jahren viel zu viel über uns gesprochen, der Satz „mia san mia“ ist viel zu oft überall aufgedruckt worden! Wenn es nach mir ginge, müsste man ihn auf ganz vielen Dingen wieder wegmachen. Ich bin der Meinung, das sollten wir erst dann drucken, wenn wir wieder ganz oben sind. Erst sollte man Erfolg haben, dann darüber sprechen.

Sie konnten in Ihrer Karriere viele Erfolge feiern. Wie ist es für Sie, auf die letzten zwei Jahre, die letzten Wochen zu blicken?

Hoeneß: Über das Pokal-Endspiel habe ich mich wahnsinnig geärgert! Da sind wir nicht aufgetreten wie Bayern München, das war unwürdig. Und im Champions-League-Finale kann man unserer Mannschaft meiner Meinung nach keinen Vorwurf machen. Es hat wahrscheinlich in der gesamten Geschichte dieser Champions-League kein Spiel gegeben, wo eine Mannschaft den Gegner so beherrscht hat. 20:2 Ecken und verloren!

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Unglaubliches Pech…

Hoeneß: Ja. Aber wir hatten in den entscheidenden Momenten auch nicht dieses Durchsetzungsvermögen, dieses unbedingte Zeigen, dass man über sich hinauswachsen kann.

Wie schwer fiel Ihnen die Entscheidung, sich von Christian Nerlinger zu trennen?

Hoeneß: Ich kann nur eines sagen: Christian steht in keinster Weise als Sündenbock für die verlorenen Finals da! Er weiß, dass bei mir seit einigen Monaten schon die Gedanken über eine Veränderung da waren. Ich habe ihn da auch nie im Unklaren gelassen. Und deshalb ist es natürlich menschlich eine unglaublich schwierige Sache für mich gewesen. Aber der Aufsichtsrat war mit mir einer Meinung, dass wir auf dieser Position eine Veränderung brauchen. Ich hoffe, dass sich unser gutes privates Verhältnis auch irgendwann wieder normalisieren lässt.

Nerlinger hätte auch gehen müssen, wenn Sie die Champions League gewonnen hätten?

Hoeneß: Die Veränderung wäre auch dann gekommen, aber wohl nicht am 1. Juli.

Wann hat Ihnen Ihr Bauchgefühl verraten, dass Sammer der Richtige sein könnte?

Hoeneß: Die ersten Gespräche haben wir im Februar geführt.

Und sind Sie nun sicher, den Besten an Land gezogen zu haben?

Hoeneß: Da wird es keine Wertung von mir geben. Man kann immer nur machen, wovon man glaubt, dass es das Richtige ist.

Hat Ihr Bauch auch mal über Oliver Kahn nachgedacht?

Hoeneß: In der Phase, in der wir sind, brauchen wir einen Mann, der eine gewisse Erfahrung in dem Beruf hat. Nach den Erfahrungen mit Christian wäre es undenkbar gewesen, jetzt einen Mann zu haben, der auch von vorne anfängt.

Ottmar Hitzfeld sagt, ein Sportdirektor muss dem Trainer den Rücken freihalten, ihn stark machen. Sehen Sie dieses Potenzial bei Sammer?

Hoeneß: Es geht ja noch weiter! Er muss den Nachwuchsbereich neu ordnen, gemeinsam mit Jörg Butt und Michael Tarnat. Und er ist zuständig für das Scouting. Das muss alles wieder neu geordnet und verbessert werden.

Klingt fast wie die Punkte, die Andries Jonker kritisiert.

Hoeneß: Ich finde es unmöglich, dass so eine interne Geschichte rausgekommen ist. Aber dass in dem Bereich nicht perfekt gearbeitet wurde, das ist keineswegs falsch.

Immer wieder aktuell: Uli Hoeneß' explosivste Attacken

Zu einem traurigen Thema, die Verurteilung Brenos. Wie haben Sie das aufgenommen?

Hoeneß: Für mich war das Urteil ein Schock. Ich habe mir nie und nimmer vorstellen können, dass der Junge dafür ins Gefängnis geht – und vor allen Dingen so lange! Wenn das Urteil nicht revidiert wird in der Berufung, dann ist sein Leben kaputt. Und ich weiß nicht, ob man hier nicht differenzieren muss zwischen einem Maurer, der seinen Beruf weiter ausüben kann, wenn er wieder rauskommt, und einem jungen Fußballspieler – der absolut nichts anderes kann als Fußball spielen. Wenn man dem damit seinen Beruf für alle Zeiten wegnimmt, dann ist das aus meiner Sicht für dieses Vergehen, sollte es stattgefunden haben, absolut nicht nachvollziehbar.

Das Gesetz kann doch aber keinen Unterschied machen zwischen einem Maurer und einem Fußballer.

Hoeneß: In diesem Urteil steckt eine solche soziale Härte, das hätte das Gericht meiner Meinung nach berücksichtigen müssen. Ein Strafmaß muss ja eine Strafe sein für jemanden. Hier ist es eine fast lebenslängliche. Das ist die große Frage, ob das Sinn der Sache ist.

Haben Sie Kontakt zu seiner Familie?

Hoeneß: Ja. Es werden Leute von uns die Frau, die vorerst in Deutschland leben wird, weiterhin betreuen. Wenn immer sie ein Problem hat, bei dem wir helfen können, werden wir das tun.

Zurück zum Sportlichen: Was wünschen Sie sich für die neue Saison?

Hoeneß: Wir müssen alles daran setzen, um die Vorherrschaft, die Dortmund sich kurzfristig erobert hat, wieder zurückzuholen. Das erklärte Ziel des FC Bayern muss sein, unangefochten die Nummer eins in Deutschland zu sein. Dem wird alles untergeordnet.

Wie macht man das?

Hoeneß: Indem man bessere Ergebnisse erzielt, ganz einfach!

Rückblick: So schön feierte Uli Hoeneß seinen 60. Geburtstag

Interview: Michael Knippenkötter

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