Jetzt sitzt er in Haft

Hoeneß: Viele Fans warten aufs Comeback

München - Uli Hoeneß war und ist das Gesicht des Fußball-Rekordmeisters. Nach seinem Haftantritt beginnt für viele nun das Warten auf ein Comeback.

Als das folgenschwere Urteil gesprochen, der Gang ins Gefängnis besiegelt, und nur noch die Frage nach dem Beginn der Haft offen waren - da trat Uli Hoeneß noch einmal als Patron aufs Podium. „Das war's noch nicht!“ rief er den Mitgliedern des FC Bayern zu, seines FC Bayern, den er seit 1979 als Manager zu einem der erfolgreichsten Fußballvereine der Welt gemacht hatte.

Bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang Mai sagte Hoeneß seinem Klub nicht „Leb wohl“, sondern nur „Auf Wiedersehen“. Das Signal, das vom Auftritt des tief gefallenen Bayern-Machers vor fast 1600 Mitgliedern ausging: Hoeneß ist beim FCB noch nicht fertig.

Einen FC Bayern ohne Uli Hoeneß können sich viele nicht vorstellen. Schon das Bild von der Stadiontribüne, auf der der Platz neben dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge leer blieb, wirkte irreal. Jahrelang saß dort der große und mächtige Boss der Bayern mit angespannter Miene, Brille und einem rot-weiß-gestreiften Schal.

Neben der Familie und seiner Wurstfabrik war und ist der FC Bayern eines der drei „Fundamente“ von Hoeneß' Lebenswerk, wie er selbst sagt. An der Säbener Straße und in den Fußball-Arenen landauf landab präsentierte sich der 62-Jährige als Angreifer und Verteidiger des Vereins, als Chef oder Mann des Volkes. Er lieferte sich Privatfehden mit Gegnern wie Christoph Daum oder Willi Lemke, verhalf früheren Bayern-Spielen in persönlichen Krisen zu Jobs und einer Zukunft.

Als Aktiver auf dem Fußballplatz verlief Hoeneß' Karriere wie im Schnelldurchlauf: Mit 19 Jahren Profi, mit 20 Europameister, mit 22 Weltmeister, mit 27 Sportinvalide. Dann wechselte er ins Management der Bayern und erlebte von Bank und Tribüne aus unter anderem 19 Meistertitel, elf DFB-Pokalsiege und zwei Champions-League-Triumphe.

2009 zog er sich als Manager zurück und wurde Präsident des FC Bayern - blieb aber das Gesicht des mächtigsten, erfolgreichsten und auch streitbarsten Vereins in Deutschland. Sein Gutmenschen-Image, das er sich durch Wohltätigkeitsaktionen, Spenden und Benefizspiele aufgebaut hatte, bekam durch den Steuerskandal gewaltige Risse, aus dem Präsidium und dem Aufsichtsrat des FCB zog sich Hoeneß zurück.

Der Verein rückte nicht vom Patron ab, bei der Mitgliederversammlung erhielt er langen Applaus. Nach seinem Haftantritt bleibt bei vielen nur eine Frage: Wann kommt Hoeneß wieder zurück zu seinem FC Bayern?

dpa

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

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