"Das war's noch nicht!" war ernst gemeint

Hoeneß: Zwischen Enkeln und Präsidentenamt

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Die Freiheit im Blick: Uli Hoeneß kann theoretisch wieder alle Ämter beim FC Bayern bekleiden.

München – "Das war's noch nicht!" kündigte Uli Hoeneß bei seinem Abschied vom Präsidentenamt an. Nach seiner Entlassung aus der Haft plant er nun seine Zukunft beim FCB.

Als Uli Hoeneß am 10. März 2014 auf der Anklagebank im Münchner Justizpalast seine persönliche Daten vortrug, gab es einen klitzekleinen Moment, in dem auch er lächeln musste. Es war einer der schwersten Tage im Leben des ehemaligen Bayern-Präsidenten, das steht außer Frage. Als er aber stolz davon berichtete, vor Kurzem zum zweiten Mal Großvater geworden zu sein und ihm Richter Rupert Heindl – der Mann, der ihn vier Tage später zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte – vor vollbesetztem Saal seine Glückwünsche aussprach, waren die Sorgen für ein paar Sekunden vergessen.

Uli Hoeneß ist ein guter Opa, sowohl für Anton, den Sohn seines Sohnes Florian, als auch für Leopold, den kurz vor Prozessbeginn geborenen Sohn seiner Tochter Sabine. Auch wenn seine Erstgeborene im Frühjahr erneut Mutter wird, wird Uli Hoeneß da sein. Er wird sich Zeit nehmen können für seine Familie, für all das, was ihm so wichtig ist. Denn seit gestern ist klar: Uli Hoeneß wird ab 29. Februar ein freier Mann sein.

Die zuständige Richterin Simone Zwiener hat entschieden, „die restliche Strafe zum sogenannten Halbstrafenzeitpunkt auszusetzen“, ließ das Landgericht Augsburg am Nachmittag verlauten. Die Kammer habe „nach Anhörung des Verurteilten festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür vorliegen“. Auf drei Jahre wurde die Bewährungszeit festgesetzt. Berücksichtigt wurde in dem Fall, der „erhebliche Besonderheiten“ aufweise, unter anderem, dass „der Verurteilte trotz seiner Position stets bereit gewesen sei, sich in der Gefangenengemeinschaft zu integrieren“. Hoeneß hatte seine Strafe für die Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern am 2. Juni 2014 angetreten und ist seit rund einem Jahr Freigänger. Zuletzt war er nur noch unter der Woche zum Schlafen im Freigängerhaus in Rothenfeld.

Schon im November hatte Hoeneß’ Anwalt Michael Nesselhauf angekündigt, den Antrag auf Halbstrafe zu stellen. Die Nachricht kam gestern daher wenig überraschend – und hat trotzdem große Strahlkraft. Denn Hoeneß, seit rund einem Jahr in der Jugendabteilung des FC Bayern beschäftigt, stehen in eineinhalb Monaten theoretisch wieder alle Ämter offen. Überstürzen wird der 64-Jährige freilich nichts, er plant zunächst einen längeren Urlaub mit seiner Frau Susi. Dabei will er die hinter ihm liegende schwere Zeit Revue passieren lassen und sich über seine Zukunftsvorstellungen klar werden. In und um den Verein geht man jedoch davon aus, dass die Entscheidung längst gefallen ist.

Es gilt als wahrscheinlich, dass Hoeneß zweieinhalb Jahre nach seinem Rücktritt im März 2014 wieder zurück auf den Präsidentenstuhl will. Sein Nachfolger Karl Hopfner wird sich ihm nicht in den Weg stellen, eine Kampfabstimmung hat der 63-Jährige vor Weihnachten kategorisch ausgeschlossen. Er wird den Posten räumen, wenn Hoeneß sich auf der Jahreshauptversammlung im Spätherbst wieder zur Wahl stellen wird.

Hoeneß hat sich in den letzten zwölf Monaten öffentlich im Hintergrund gehalten, intern jedoch mitgeredet. Sein Wort hat nach wie vor Gewicht, seine Meinung ist in der Chefetage gleichermaßen gefragt wie bei den Spielern. Man freut sich auf seine Rückkehr.

Denkbar ist lediglich, dass die Ämter des Präsidenten und des Aufsichtsratsvorsitzenden in Zukunft getrennt werden. Aber das wäre nur eine Formalie. Hoeneß will es nochmal wissen. Auch wenn am Ende doch weniger Zeit für die Enkel bleibt.

Hanna Schmalenbach / Andreas Werner

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