Hoffenheim? tz löst Rummenigges Rätsel

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Karl-Heinz Rummenigge war bei der Jahreshauptversammlung zu Scherzen aufgelegt.

Es ist das derzeit größte Rätsel des deutschen Fußballs, das Kalle Rummenigge letztens bei der Bayern-HV aufs Tapet gebracht hat: Herrschaft, was hat die TSG 1899 Hoffenheim eigentlich die letzten 109 Jahre so getrieben? Ab sofort müssen Sie nicht mehr spekulieren.

Wir haben das Rummenigge-Rätsel gelöst. Lesen Sie hier und heute: 109 Jahre Hoffenheim – die ganze Geschichte.

Die besten Sprüche von der Jahreshauptversammlung des FC Bayern

Die besten Sprüche von der Jahreshauptversammlung des FC Bayern © 
“Wissen Sie, wann 1860 das erste Mal genannt wurde: Im alten Testament: Sie trugen eigenartige Gewänder und irrten planlos umher.“ (Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über den Lokalrivalen TSV 1860 München) © dpa
“Da staunst Du Mark, das ist die Einwohnerzahl von Holland.“ (Bayern-Präsident Franz Beckenbauer zu Kapitän Mark van Bommel mit Blick auf die 176 976 Fanclub-Mitglieder des FC Bayern München) © dpa
“Du, Kapitän, trag die Binde nicht nur spazieren, sondern tritt Deine Kollegen in den Hintern.“ (Bayern-Präsident Franz Beckenbauer zu Mark van Bommel) © dpa
“Einen Ratschlag gebe ich allen: Wenn wir verlieren, nicht zu nahe kommen.“ (Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge über Manager Uli Hoeneß) © dpa
“Es war nicht die Hand Gottes, sondern die Watschn eines Sechzigers“. (Bayern-Präsident Franz Beckenbauer über die Beweggründe, warum er 1958 als 13-Jähriger nach der Ohrfeige eines “Löwen“-Spielers zum FC Bayern kam und nicht zum TSV 1860 gewechselt ist) © dpa
“Da ist man ein bisschen stolz, weil man auch etwas dazu beigetragen hat. Als Spieler, als Trainer, als Präsident und was weiß ich nicht noch was.“ (Franz Beckenbauer über die Entwicklung des FC Bayern in den letzten 50 Jahren) © dpa
“Vor uns steht eine Mannschaft mit dem lustigen Namen 1899 Hoffenheim. Wo haben die sich eigentlich vor 100 Jahren versteckt, weil die hat keiner registriert.“ (Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über den Aufsteiger) © dpa

1899:Wie der Name schon andeutet, wird die TSG 1899 Hoffenheim 1899 gegründet, und zwar am 1. Juli, und zwar als Turnverein Hoffenheim, und zwar in Hoffenheim, einem Stadtteil von Sinsheim bei Zuzenhausen. Schneidermeister Wetzel, der erste Vorstand, gibt von Anfang an als Ziel aus: Erlangung der fußballerischen Weltherrschaft! Aber als bedächtige Badener will man sich Zeit lassen. Man beschließt 109 Jahre vorsichtige Feindbeobachtung, als fußballerische Schläfer sozusagen. Deshalb wird vorläufig auch nicht Fußball gespielt, sondern ausschließlich geturnt.

1913:Vorläufiger Höhepunkt der Klubgeschichte: Am 3. April beschließt der Turnverein den Erwerb einer eigenen Fahne, die beim Gauturnfest des Elsenz-Turngaues geweiht wird. In den Vereinslokalen „Zum Engel“ und „Zum Rössel“ wird hitzig diskutiert, ob man vorsichtshalber schon mal „Champions-League-Sieger 2011“ auf die Fahne schreiben soll, entschließt sich dann aber, die Tarnung noch 95 Jahre aufrechtzuerhalten.

1920:Endlich wird in Hoffenheim Fußball gespielt! FC Bayern, wir kommen – aber erst in 88 Jahren! Gründung des Fußballvereins Hoffenheim, der umgehend mit dem Turnverein fusionieren will, was der Turnverein aber ablehnt. Sehr niedlich ist die offizielle Begründung: Die neumodische Sportart Fußball sei schon wieder am Abflauen. Eine Meisterleistung des Tarnens und Täuschens.

1921:Krise bei den Turnern! Schneidermeister Wetzel beanstandet: „Im Verein herrscht keine Zucht und Ordnung mehr.“ Klar: Alle wollen endlich Fußball spielen! Mangels Turnern liegt der Turnbetrieb zwischenzeitlich darnieder.

1926:Hoffenheim tut weiter so, als gäbe es keine Pläne für den großen Fußball. Die turnerlosen Turner erlauben sämtliche anderen Sportarten in ihrem Turnverein – außer Fußball.

1932:Der FC Bayern wird erstmals Deutscher Fußball-Meister. Hoffenheim turnt, jetzt wieder mit Turnern.

Mai 1945:Die Weltöffentlichkeit ist durch andere Ereignisse abgelenkt, was die cleveren Hoffenheimer zu einem entscheidenden Coup nutzen: Der Turnverein Hoffenheim und die Fußballer fusionieren zur Turn- und Sportgemeinschaft 1899 Hoffenheim. Den Namen kennen wir doch!

1954:Um die Fußballwelt nicht frühzeitig auf die TSG aufmerksam zu machen, verzichtet der ganz aus der Nähe stammende Seppl Herberger, der alte Fuchs, beim Wunder von Bern ganz bewusst auf Hoffenheimer Fußballer.

Das machte Dietmar Hopp im Jahr 1997 (Archivfoto): Er sicherte der TSG Hoffenheim langfristige Unterstützung zu. Das hat dann doch ziemlich gut geklappt.

1957 – 1989:32 Jahre lang bereitet sich die TSG Hoffenheim zwischen Kreisklasse und Bezirksliga bemerkenswert unaufgeregt auf den Angriff auf die große Fußballwelt vor – so sieht solide Langfrist-Planung aus, lieber TSV 1860!

1989:Erneut, wie schon 1945, nutzt Hoffenheim den Windschatten globaler Verwerfungen zu einem großen Schritt nach vorne. Nach dem aus Tarngründen erfolgten Abstieg in die A-Klasse beschließt ein gewisser Herr Hopp, dem Verein die eine oder andere Mark zuzustecken. Die Schläfer sind erwacht – und der Rest ist Geschichte.

2011:Die TSG 1899 Hoffenheim gewinnt wie geplant die Champions League. Umbenennung des Stadions in Schneidermeister-Wetzel-Arena.

Jörg Heinrich

Quelle: tz

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