Deutliche Worte

Badstuber macht Jugend der Bayern rund!

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Holger Badstuber.

München - Schon länger hat es kein Nachwuchs-Kicker des FC Bayern in den Profi-Kader des Rekordmeisters statt. Holger Badstuber wundert das nicht. Der Verteidiger erkennt eine fatale Entwicklung.

Im Rampenlicht stehen stets die Profis, doch auch die Nachwuchsabteilung hält die Verantwortlichen des FC Bayern auf Trab. Vor allem, seitdem man vergeblich neue Eigengewächse im Profikader sucht – zuletzt gelang David Alaba 2011 der Sprung in das Starensemble. Deshalb ist das neue Nachwuchsleistungszentrum im Münchner Norden an der Ingolstädter Straße im Bau, die sportliche Führung wurde vergangenen Sommer fast komplett ausgetauscht. Am Dienstag wurde bekannt, dass Michael Tarnat (Sportlicher Leiter bis zur U16) und Jürgen Jung (Scouting-Koordinator der FCB-Jugend) trotz laufender Verträge bis 2017 von ihren Aufgaben freigestellt wurden. Ex-Profi Tarnat wurde bereits zu Beginn der Saison weitestgehend entmachtet, als Heiko Vogel seine Funktion als Sportlicher Leiter der wichtigsten Mannschaften des FCB-Junior-Teams (U23, U19, U17) übernahm.

Dass die Münchner ihren Nachwuchsbereich umkrempeln, ist schon seit längerer Zeit kein Geheimnis mehr. Zu wenige Youngster haben es in den letzten Jahren geschafft, im Profibereich Fuß zu fassen. Einer, der den Sprung 2009 geschafft hat, ist Holger Badstuber. Das Eigengewächs sieht die Versäumnisse aber in der Entwicklung der Jugendspieler, nicht beim Verein, sondern vor allem bei den Nachwuchskickern selbst. „Vielleicht sind sie mittlerweile zu bequem geworden und sagen sich: Ich spiele in der Jugend für den FC Bayern, und dann wechsele ich woanders hin. Das ist jedem selbst überlassen. Aber wenn man den Sprung bei Bayern unbedingt schaffen will und wirklich alles dafür tut, dann ist die Tür nicht zu“, beschreibt der 26-Jährige seine Sicht auf die Situation. Auch er weiß: „Um den Sprung bei Bayern zu schaffen, muss man vielleicht noch ein bisschen Geduld, noch mehr Biss haben. Hier ist es ja schon etwas anderes als bei anderen Mannschaften, das muss man ganz klar sagen.“

Dass der Rekordmeister vor fünf, sechs Jahren zwar auch erfolgreich, aber noch nicht so extrem wie jetzt war, will der Verteidiger dagegen nicht als Ausrede gelten lassen. „Ich weiß, dass es sehr, sehr schwer ist. Aber früher war es auch schwer. Und der Weg für Talente in unseren Kader ist nicht blockiert“, ist er sich sicher. Was der Profi bei manchen Jugendspielern vermisst, ist der letzte Wille. „Die Generationen haben sich eben verändert. Die Jugend von heute ist nicht mehr die Jugend von gestern. Wir haben damals unheimlich viel auf uns genommen. Da spreche ich nicht nur für mich, auch für David (Alaba, Anm. d. Red.) oder Thomas (Müller, Anm. d. Red.). Wir haben ein Ziel gehabt und das gnadenlos verfolgt. Dabei sind wir auch durch Täler gegangen, aber wir haben uns auch wieder herausgekämpft. Heute sind dagegen alle ein bisschen bequemer“, so Badstuber. Einigen reiche es scheinbar schon, beim FCB zu spielen. „Manche hauen sich nicht voll rein. So beobachte ich das, das ist meine persönliche Meinung“, sagt der Linksfuß und gibt den talentierten Youngstern einen guten Rat mit auf den Weg: „Ein Jugendspieler muss immer an sich arbeiten, auch wenn er beim FC Bayern spielt. Geschenkt kriegt keiner was.“

Sven Westerschulze

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