Zweiter Teil des Merkur-Interviews

Hopfner: „Das Image der FIFA schadet uns allen“

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FC-Bayern-Präsident Karl Hopfner.

München - Die FIFA präsentiert sich seit Wochen in einem schlechten Licht. Bayern-Präsident Karl Hopfner erklärt im zweiten Teil unseres Interviews, was ihn am meisten ärgert – und wie sein Klub zur WM in Katar steht.

Herr Hopfner, wie sehen Sie die Entwicklung von FIFA und Sepp Blatter?

Mir geht es da wie vielen anderen Fußball-Anhängern: Es versteht kein Mensch mehr, was bei der FIFA derzeit los ist. Nun auch die Meldung des Garcia-Rücktritts, der Bericht von ihm wird nicht bzw. nach langem Zögern nur in Teilen veröffentlicht und so weiter. Eigentlich sollte doch die oberste Institution den Fußball schützen. Aber im Moment geht es genau in die andere Richtung. Das derzeitige Image der FIFA ist schädlich, ich habe da kein Verständnis mehr dafür. Wenn man Untersuchungen anstellt, sollte man Ross und Reiter nennen, aber diese ganzen Verdächtigungen, immer hin und her, das ist doch Quatsch. Entweder es gibt etwas oder eben nicht. Aber man sollte es denen überlassen, die es prüfen können. Das sind Staatsanwälte.

Was ist die Lösung?

Der ganze Fall um die WM-Vergabe an Katar muss aufgeklärt werden. Entweder es gibt eine Anklage oder nicht. Bisher gibt es keine fundierten Beweise, dass manipuliert wurde, oder ob etwas nicht im rechtlichen Rahmen abgegangen ist. Man weiß ja nichts. Der Fußball allgemein – und das ist schade – kommt in ein Licht, das total falsch ist. Diese FIFA-Nachrichten überdecken jedes schöne Spiel, das man sieht. Sämtliche 90 Minuten werden von täglichen Hiobsbotschaften vom Weltverband überdeckt. Das kann nicht sein. Die FIFA muss dafür sorgen, dass der Fußball Fußball bleibt. Dass die 90 Minuten im Mittelpunkt stehen und nicht das Drumherum. Für mich ist das alles nicht mehr nachvollziehbar und auch nicht mehr verständlich.

Sie wünschen sich also mehr Transparenz.

Absolut. Was ist so problematisch, den Bericht vollständig zu veröffentlichen? Es gibt Gerichtsbarkeiten, den CAS, der etwas machen kann. Es gehört dazu, dass man diese Wege dann geht. Aber immer zu sagen: Wir prüfen noch, wir dürfen nicht, wir sollten nicht, das halte ich für total verkehrt. Das schadet dem Fußball. Der normale Anhänger da draußen sagt mittlerweile: „Ach, hört mir mit dem Fußball auf, das ist doch korrupt, das ist alles falsch.“ Das schadet uns allen, die im Fußball tätig sind, das geht zu Lasten aller Vereine. Wir haben zwar die Fürsorge, das wieder hinzubiegen – aber die FIFA ist die oberste Instanz.

Ist Verbandschef Sepp Blatter noch tragbar?

Man darf das nicht an einer Person festmachen. Auch wenn er für diese Zeit als Präsident steht. Mir ist gar nicht so wichtig, wie er bei der WM-Vergabe abgestimmt hat, weil das in dem Zusammenhang eine Nebenssache ist. Die Exekutive, die die Entscheidung getroffen hat, wird von den Konföderationen gewählt. Sepp Blatter hat sich die nicht ausgesucht. Aber auf der anderen Seite muss man, wenn so viel schiefläuft, auch als Präsident einmal die Verantwortung übernehmen.

Das macht er aber bisher kein bisschen.

Scheint so. Aber trotzdem sage ich nicht, es hängt alles an ihm. Das wäre Stammtisch-Gerede. Es liegt schon tiefer, es hängt an der ganzen Struktur. Also, dass frischer Wind mal gut wäre, kann man nicht bestreiten. Ich bin auch ein klarer Befürworter von Altersgrenzen. Damit Jüngere nachrücken können. Das ist meine persönliche Meinung.

Sehen Sie es wie Karl-Heinz Rummenigge, dass die WM in Katar im Mai 2022 gespielt werden soll?

Wir müssen das im Zusammenhang sehen. Wir können nicht die Ligen unterbrechen, nur weil wir in Katar spielen. Wir können nicht im Dezember oder Januar spielen, denn wir müssen Fürsorge für die Klubs und für die Ligen tragen. Man kann doch nicht das ganze System verändern. Es gibt bestimmte Zeiten: Unsere Saison läuft zum Beispiel vom 1. Juli bis 30. Juni. Da gibt es Fernsehverträge und andere Einnahmemöglichkeiten. Man kann die Entscheidung nicht auf dem Rücken der Vereine austragen. Der kleinste Nenner wäre Mai. Wenn es überhaupt dabei bleibt, dass die WM in Katar gespielt wird.

Ist eine WM dort denn überhaupt vertretbar?

Naja, dort findet gerade eine Rad-WM statt, und im Januar ist dort die Handball-WM. Wenn sich der Sport aus Katar ganz zurückzieht, werden die Verhältnisse dort ja auch nicht besser. Dadurch, dass der Sport dort ist, kann man vielleicht etwas bewegen. Viele haben es einfach jetzt auf Katar abgesehen, obwohl es auch andere Länder gibt, in denen ähnliche Verhältnisse herrschen. Durch die Vergabe von Sportveranstaltungen kommen vielleicht wichtige Änderungen – sicherlich notwendige – dazu.

Kann man als FC Bayern ungeachtet der Missstände sein Trainingslager mit gutem Gewissen in Katar aufschlagen?

Wir haben in den letzten vier Jahren nach Trainingslagern dort Riesenerfolge gehabt und finden in Katar überragende Voraussetzungen vor. Das hat mit politischen Entscheidungen nichts zu tun. Wir sind vor fünf Jahren dazu nicht gefragt worden, vor einem Jahr nicht, also bitte: Da sollte man mal auf dem Teppich bleiben. Wir gehen dahin, weil dort einfach tolle Voraussetzungen sind – und aus keinem anderen Grund.

Hier geht's zum ersten Teil des Interviews.

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