Ohnmacht der Fans und  Ignoranz der Funktionäre

Kommentar zu Hopp, DFB und Ultras: Wenn Feuer mit Benzin bekämpft wird

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Karl-Heinz Rummenigge gibt sich solidarisch mit Dietmar Hopp.

Seit nunmehr zwölf Jahren wird der Fußballverein-Besitzer Dietmar Hopp von Fans aus ganz Fußballdeutschland angefeindet. Anstatt der Ursache auf den Grund zu gehen, bekämpft man das Feuer mit Benzin. Ein Kommentar von Stefan Stukenbrok. 

  • Dietmar Hopp und sein Verein 1899 Hoffenheim werden immer wieder böse geschmäht
  • Beim Spiel Bayern gegen Hoffenheim eskalierte die Situation
  • Funktionäre und Bundesligaspieler aus vielen Vereinen solidarisieren sich mit Hopp  

München - Dietmar Hopp und der gemeine Fußballfan, das wird keine Freundschaft mehr. Dazu sind die Gräben zu tief, die Parallelwelten zu weit voneinander entfernt, der Unwille zum Dialog zu eindeutig. Die Positionierung gegen Hass-Banner ist richtig und zu begrüßen, der Zeitpunkt und der Anlass hingegen fragwürdig, die Gleichsetzung der Wutfans mit Rechtsextremisten, die Vereinnahmung der Hanau-Opfer mindestens genauso geschmacklos wie das Fadenkreuz auf dem Hopp-Konterfei.

Beleidigungen und Rassismus ungeahndeter Dauerzustand

Schmähungen, Beleidigungen und auch rassistische Hetze sind in Fußballstadien ein bedauernswerter und viel zu oft ungeahndeter Normalzustand, angefangen bei „AWH“-Rufen gegenüber Torhütern bis hin zu Affengeräuschen und Bananenwürfen bei dunkelhäutigen Spielern. Thomas Müller meinte noch 2018 völlig merkbefreit: „Von Rassismus im Sport und in der Nationalmannschaft kann keine Rede sein."

Thomas Müller hat nun den Rassismus im Sport entdeckt - nach Pöbeleien gegen Dietmar Hopp  

Ja, Minderheiten gehören geschützt - weiße Milliardäre mit viel Einfluss auf die Fußballmächtigen gehören zu einer Minderheit, deswegen befindet der selbe Thomas Müller aus aktuellem Anlass: „Ist das der Fußball, den wir wollen? NEIN! Gebt Hetzkampagnen, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und allen anderen Anfeindungen keine Chance. Aus Liebe zum Spiel! Für mehr Toleranz in unserer Gesellschaft!“ Auch Rummenigge war in einem Schock-Zustand, nachdem am Samstag Schmähplakate der Bayern-Fans gegen Hoffenheims angeblichen Mäzen fast zum Spielabbruch führten: „Ich schäme mich zutiefst“. 

Hopp und die Anfeindungen - was ist die Wurzel des Hasses?

Für den normalen Fußballverein gilt folgendes goldene Kicker-Handwerk, um erfolgreich zu sein: Wirtschafte vernünftig mit den Einnahmen, stelle einen guten Kader zusammen und jage oft genug das Runde in das Eckige. Dann wird Leistung belohnt durch lukrative Verträge mit Werbepartnern wie Audi, Telekom oder Postbank. Damit dieses Modell einigermaßen fair abläuft, gibt es die sogenannte 50:1-Regel, demnach ist es Investoren nicht erlaubt, die Mehrheitsanteile bei einem Verein zu halten.

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1899 Hoffenheim - 50:1-Regel umgangen, leistungslos Geld von Hopp bezogen

So weit, so gut, so untypisch 1899 Hoppenheim. Dietmar Hopp hält 96 Prozent der Anteile an der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH. Zudem wird ihm immer wieder vorgeworfen, als Geldgeber regelmäßig ins operative Geschäft einzugreifen. Insgesamt ist von über 350 Millionen Euro die Rede, die er in den Verein gesteckt haben soll.

Watzke: Hoffenheim werde niemals die Faszination und Tradition von Bayern München und BVB haben

Dieses Gebaren wird von den meisten Fußballliebhabern abgelehnt, sie wollen keine Vereine, die als Spielzeug von Leuten mit zu viel Zeit, Geld und Eitelkeit aus der Regionalliga nach ganz oben gepusht werden. Der Fanzuspruch ist bescheiden, Zuschauer für Auswärtsfahren kaum mobilisierbar. Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, ist der Ansicht, Hopps Retortenklub werde niemals die Faszination und Tradition von Bayern München und Borussia Dortmund haben, dazu müsse man schon sehr viel Fantasie haben.

Hopp und die Fans - der Weg aus der Zwickmühle

Anstatt Fans mit Kollektivstrafen zu versehen (Dortmund-Änhänger dürfen zwei Jahre lang keine Auswärtsspiele bei Hoffenheim besuchen) und durch Sippenhaftung die Messlatte für Sanktionen immer höher zu schrauben, ist die konsequente Einhaltung und Durchsetzung der 50:1-Regel die einzige Möglichkeit, den Pöblern auf den Rängen jeglichen Wind aus den Segeln zu nehmen.

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