Von „sinnfrei“ bis „neuer Nationaltrainer der richtige Schritt“

So denken die Amateure über das DFB-Aus von Hummels, Müller und Boateng

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Thomas Müller (li.), Jerome Boateng und Mats Hummels (r.) wurden von Bundestrainer Joachim Löw aussortiert.

Fußballer und Trainer aus Bayerns Amateurligen äußern sich zur umstrittenen Entscheidung des Bundestrainers, drei Weltmeister aus dem Kader der Nationalmannschaft zu streichen.

Fußballdeutschland beschäftigt seit Tagen vor allem ein Thema: Jogi Löws Entscheidung, die etablierten Nationalspieler Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller auszubooten. Dieser Entschluss wird heiß diskutiert. Diverse Profis, Spielerfrauen und selbst der FC Bayern selbst nehmen dazu Stellung. Wir haben uns auf Stimmenfang begeben, um die Meinungen von Amateurfußballern, Trainern sowie einem Drittliga-Profi zu sammeln. Wie nimmt die Basis den plötzlichen Rauswurf der drei gestandenen Weltmeister auf? Und welche Rolle spielt der Zeitpunkt dabei?

Das sagen die Amateure über den Rauswurf von Müller, Hummels und Boateng

Andreas Gschaider (36), Spielertrainer TSV Velden (Bezirksliga Niederbayern West)

„Prinzipiell kann ich es nachvollziehen, die drei genannten Spieler aktuell nicht zu berücksichtigen. Die Endgültigkeit der Entscheidung ist absolut sinnfrei und realitätsfern, vor allem hinsichtlich des Alters. Löw entledigt sich aus meiner Sicht der mannschaftsinternen Entscheidungsträger und stärkt damit auch seine eigene Position. Der Zeitpunkt ist wahrscheinlich immer schwierig, kurz vor dem K.O.-Spiel gegen Liverpool aber sicher nicht optimal. Hummels, Boateng und Müller leistungsgerecht zu ersetzen ist aktuell möglich, da sie sicher momentan nicht am Limit spielen. Das ist in einer Saison nach einem verkorksten WM-Turnier und fehlender regenerativen Auszeit sowohl mental als auch physisch nachvollziehbar. Zur nächsten Saison würden alle drei Athleten sicher wieder zur Debatte stehen.“


Benjamin Kindsvater (26), Spieler beim TSV 1860 München (3. Liga)

„Ehrlich gesagt finde ich es enttäuschend, wie Jogi in der Art und Weise die drei aus der Nationalmannschaft gestrichen hat. Vor allem, weil alle maßgeblich an den letzten Erfolgen der Nationalmannschaft beteiligt waren. Sie haben über Jahre gute Leistungen gebracht. Sie sind große Stützen für das Team und haben immer noch das Zeug, auf so einem hohen Niveau zu spielen. Aber auch die Erfahrung, die sie mitbringen, wird dem Team fehlen.“


Matthias Luginger (28), Spielertrainer FC Neuhadern München (Kreisliga 2)

„Ich kenne Mats und Thomas aus der gemeinsamen Jugendzeit beim FCB. Ich würde niemals schlechte Worte über sie verlieren - auch weil sie durch ihre Erfolge schlichtweg verdiente Spieler sind. Auf der anderen Seite habe ich keine Ahnung was die Strategie des DFB ist. Die werden sich dabei ja auch etwas denken. Meiner Meinung nach sollten wir uns als Außenstehende nicht zu wichtig nehmen. Wenn mir irgendwann ein Zuschauer am Spielfeldrand sagen sollte, dass ich einen meiner Spieler rauswerfen soll, dann höre ich ja auch nicht auf ihn.“

Matthias Luginger trainiert den FC Neuhadern München.

Sebastian Heiß (28), Spieler und Co-Trainer beim SV Mammendorf (Kreisliga Zugspitze 2)

„Generell muss man die Entscheidung akzeptieren. Schließlich ist er der Trainer, unter dem Deutschland zum Weltmeister wurde. Allerdings weiß ich nicht, ob die Qualität von Hummels, Boateng und Müller von anderen, jüngeren Spielern ersetzt werden kann. Verdiente Spieler sind sie alle drei. Über die Art und Weise und den Zeitpunkt der Rauswürfe haben sich die Verantwortlichen bestimmt auch ihre Gedanken gemacht. Am Ende des Tages ist es eine negative Nachricht für die Betroffenen, aber ich denke alle Beteiligten werden seriös damit umgehen.“

Sebastian Heiß ist Stürmer und Co-Trainer beim SV Mammendorf.

Maximilian Kratzel (28), Spieler und sportlicher Leiter TSV Ottobrunn (Kreisliga München 3)

„Meiner Meinung nach ist es nicht nur ein äußerst unglücklicher Moment, im Titelrennen und vor Liverpool, sondern auch eine äußerst schwierige Art und Weise, wie Löw drei Weltmeister ausbootet. Ein Umbruch tut der deutschen Nationalmannschaft nicht schlecht. Aber muss man seine Optionen abwägen, wenn man drei langjährige Stammspieler rausschmeißt. Gerade in der Defensive sehe ich neben Süle nicht wirklich viele Spieler auf dem höchsten Niveau. Von einem Trainer wie Joachim Löw, der sich immer an alten Spielern wie Gomez und Klose festgeklammert hat, wundert mich dieser Schritt sehr. Ein neuer Nationaltrainer wäre meiner Meinung nach der richtige Schritt.“

Max Kratzel ist Mittelfeldstratege und sportlicher Leiter des TSV Ottobrunn.

Umfrage: Roman Schwaiger

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