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Half Herrmann dem FC Bayern?

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Joachim Herrmann steht in der Kritik: Hat der Innenminister den FC Bayern bevorzugt behandelt? © dpa

München - Ein angeblicher Gefälligkeitsdienst von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann für den FC Bayern München schlägt hohe Wellen.

Der CSU-Politiker ist in die Kritik geraten, weil er im Rechtsstreit zwischen der Regierung von Oberbayern und dem deutschen Rekordmeister zugunsten des Fußball-Clubs interveniert haben soll. Nach einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) soll Herrmann massiv in ein Verfahren eingegriffen haben, mit dem dem FC Bayern die Bandenwerbung des Sportwettenanbieters “bwin“ in der Allianz Arena untersagt werden sollte. Die Grünen warfen ihm vor, sich zugunsten des FC Bayern über Gesetze hinweg gesetzt zu haben.

“Wenn die Regierung die illegale Werbung stoppen will, das Innenministerium aber versucht, sie daran zu hindern, ist das ein grobes Foul“, erklärten die bayerischen Grünen in einer Stellungnahme und forderten Herrmann auf, den Vorgang lückenlos zu klären. Der Minister wies die Kritik zurück. “Mein Vorgehen in dieser Sache war von Anfang an fair, korrekt und konsequent“, sagte der CSU-Politiker: “Vorwürfe, das Innenministerium messe mit zweierlei Maß, entbehren offensichtlich jeder Grundlage.“

Die Trikots der Bayern und ihre Sponsoren

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Das Innenministerium räumte inzwischen aber ein, Herrmann habe am 19. Mai 2009 die Regierung gebeten, das Werbeverbot zunächst nicht zu vollziehen. Die angebliche Einflussnahme des Ministers blieb letztlich aber erfolglos. Mit Beschluss vom Montag bestätigte das Verwaltungsgericht München das Werbeverbot.

Am 12. Mai dieses Jahres hatte die Regierung von Oberbayern per sofort vollziehbarem Bescheid und unter Androhung von 250 000 Euro Zwangsgeld die Bandenwerbung des privaten Wettanbieters untersagt. Wegen der knappen Umsetzungsfrist stoppte das Innenministerium eine Woche später den amtlichen Bescheid. Gleichzeitig soll man dem Club zu verstehen gegeben haben, dass er sich um den Bescheid nicht weiter kümmern müsse. Laut “Süddeutscher Zeitung“ soll sich der FC Bayern am selben Tag per Fax an Herrmann gewandt haben, dass “hier in der Form einer konzertierten Aktion nur gegen die Antragstellerin (Bayern München) Druck aufgebaut werden soll“.

Die von Herrmann angestrebte einvernehmliche Lösung mit dem Bundesliga-Club sei nicht möglich gewesen, teilte das Innenministerium am Mittwoch mit. Daraufhin habe die Regierung in Abstimmung mit dem Minister für die neue Saison schon am 14. Juli 2009 einen neuen Verbotsbescheid erlassen, gegen den der FC Bayern Rechtsmittel eingelegt habe. Das Verwaltungsgericht München habe die Rechtsauffassung der Regierung und des Ministeriums mit Beschluss vom 7. September voll bestätigt, hieß es weiter: “Diese Entscheidung ist jetzt vom FC Bayern zu respektieren.“

FC Bayern prüft rechtliche Schritte

Der FC Bayern reagierte auf den Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ am späten Mittwochnachmittag mit einer Presseerklärung. Darin heißt es im Bezug auf das Werbeverbot: „Die FC Bayern München AG hat beim Verwaltungsgericht München ein Eilverfahren gegen die Regierung von Oberbayern eingeleitet.“

Am Mittwoch habe es ein schon seit Wochen geplantes Gespräch zwischen Vertretern des FC Bayern und Joachim Herrmann gegeben. Das hält den Verein jedoch nicht vor weiteren Schritten ab: Zwar teilte der FC Bayern am Mittwoch mit, „die ablehnende Entscheidung des Verwaltungsgerichtes zu respektieren“, kündigte jedoch an, „an seiner Rechtsauffassung festzuhalten“ und sämtliche rechtliche Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen. In der Presseerklärung heißt es weiter: „Unsere Rechtsauffassung vertritt im übrigen auch das Kreisverwaltungsreferat München. Wir werden auch in Zukunft sämtliche rechtlichen Schritte gegen diese Entscheidung ausschöpfen.“

Strafen in der Vergangenheit u.a. für 1860 und AC Mailand

Bislang war der Freistaat sehr konsequent gegen kommerzielles Glücksspiel und illegale Sportwerbung vorgegangen. So musste sich der TSV 1860 München von seinen einstigen Trikotsponsor “bwin“ auf Druck der Behörden trennen. Der AC Mailand musste 100 000 Euro Strafe bezahlen, weil seine Spieler bei der Champions-League-Partie am 11. April 2007 in München in “bwin“-Trikots angetreten waren.

dpa / tz

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