Verteidiger spricht im Interview über seine Zukunft

Ex-VfB-Profi Niedermeier trainiert beim FC Bayern II

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Heimstadion für ein Jahr: Georg Niedermeier vor der Arena von Melbourne Victory.

Nach einem Jahr in Australien ist Georg Niedermeier wieder in Deutschland. Derzeit hält er sich beim FC Bayern II fit. Im Interview spricht der 33-Jährige über seine Zukunft. 

München – Georg Niedermeier, 33, ist gebürtiger Münchner und hat bis 2008 beim FC Bayern gespielt, zuerst bei den Junioren, dann in der zweiten Mannschaft. Seine sportliche Heimat wurde der VfB Stuttgart. Dem schwäbischen Club gehörte er acht Jahre an. 2013 stand er mit dem VfB im Pokalfinale. In der vergangenen Saison spielte der Innenverteidiger bei Melbourne Victory in der australischen A-League – ein großes Abenteuer, wie er findet.

Sie sind wieder zurück in Ihrer Heimatstadt München. Haben Sie genug von Australien?

Es war ein großes Abenteuer und ehrlich gesagt, habe ich gemischte Gefühle. Direkt nach der Saison dachte ich mir, ich will auf alle Fälle etwas anderes probieren. Jetzt, mit ein bisschen Abstand, könnte ich mir aber schon vorstellen, irgendwann noch einmal nach Australien zu gehen. Allerdings bietet sich die Möglichkeit aktuell nicht. Deshalb trauere ich dem nicht nach.

Warum konnten Sie sich erst einmal nicht mehr vorstellen, weiter dort zu bleiben?

Am Anfang war es eine sehr große Umstellung, vor allem wegen der Qualität des Fußballs und der Einstellung im Verband und Verein.

Können Sie das genauer erklären?

Ich fand es am Anfang sehr schwierig, dass der Verein die Erfahrung der ausländischen Spieler nicht genutzt hat, nicht nutzen wollte, sowohl in Sachen Training und Trainingsqualität als auch bei einfachen Abläufen im Fußball-Alltag. Wir haben alle in unterschiedlichen Ländern gespielt und viel erlebt. Den Profi-Fußball, der dort noch in den Kinderschuhen steckt – die A-League ist 14 Jahr alt –- nach vorne zu bringen, war gefühlt gar kein Ziel. Es ging ausschließlich um den Titel. Im Training hieß es dann schon mal, ja, so spielt man in Europa Fußball, hier ist es anders. Es wurde von vorneherein vermittelt: Wir nehmen eure Qualitäten auf dem Platz mit, aber mehr auch nicht. Früher oder später habe ich das so akzeptieren können – und das etwas andere Profi-Dasein genossen.

Der neue Trainer Ihres Ex-Clubs ist Marco Kurz, der frühere Löwen-Coach. Auch Markus Babbel ist als Trainer der Western Sydney Wanderers in Australien. ist das ein Indiz, dass Vereine erkennen, wie wichtig Impulse von außen sind?

Vielleicht – und es wäre ja wünschenswert. Melbourne zum Beispiel ist der erfolgreichste Verein der A-League, aber man hatte ab und an den Eindruck, sie wussten gar nicht, was es für Möglichkeiten gibt, wie sich Fußball in anderen Ländern entwickelt hat. Mein Trainer im vergangenen Jahr, Kevin Muscat, war bereits seit 2005 als Spieler im Verein und wurde anschließend sofort Trainer. Die australischen Spieler haben nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht. Natürlich spielen sie die Bälle nicht immer in den richtigen Fuß und mit der optimalen Geschwindigkeit.. Im Training gäbe es wirklich viele Möglichkeiten, anzusetzen und auch jeden individuell weiterzubringen.

Der Salary Cap und Begrenzung von fünf ausländischen Spielern haben nicht gerade geholfen, sich zu öffnen, oder?

Der Salary Cap ist sehr niedrig, wodurch es sehr schwierig ist, Qualität an Spielern zu bekommen. Zudem ist es schwierig, gute australische Spieler in der Liga zu halten, denn in Asien gelten sie nicht als Ausländer und in den Ligen in China, Japan oder Korea können sie deutlich besser verdienen, das Vier- bis Fünffache des Gehalts in Australien. Einen Kader zu kreieren, der sich über einen gesunden Konkurrenzkampf pusht und über einen gewissen Zeitraum weiterentwickelt, ist unter diesen Bedingungen schwer möglich.

Wie bewerten Sie aktuell das spielerische Niveau in Australien?

Es ist nicht leicht einzuschätzen, aber ich denke, dass wir mit unserer Mannschaft in Deutschland in der Zweiten Liga bestehen könnten, allerdings nur als eine Mannschaft, die leidenschaftlich verteidigt und das eine oder andere Spiel über einen Konter, eine Einzelaktion oder einen Standard entscheiden kann. Das ist kein schöner Fußball, aber so sah die Realität zum Beispiel dann auch bei uns in der Asian Champions League aus.

Was haben Sie aus dem Jahr in Australien mitgenommen?

Mir persönlich hat es enorm viel gebracht. Ich wollte ja unbedingt Auslandserfahrung machen, mich selbst in einer anderen Kultur wahrnehmen. Ich bin an den Problemen dort gewachsen, bin lockerer geworden – auch was die Sicht auf den Fußball allgemein angeht. Fußball ist in Australien einfach nicht die Sportart Nummer eins, der Druck ist nicht so groß. Niemand erkennt dich auf der Straße.

Ist das hier in Deutschland anders?

In Stuttgart war es teils schon anders. Als Sportler mag man das einerseits ja, aber wenn es mal nicht so läuft, überlegt man zweimal, ob man ausgeht. Da wird man schon mal angesprochen, wenn man abends in einem Restaurant sitzt und etwas anderes als eine Apfelschorle trinkt. Man ist zwar auch Mensch und nicht nur Fußballer, aber darauf wird man eben oft reduziert.

Die Sportart Nummer eins in Australien ist Rugby. Wie kann sich der Fußball daneben behaupten?

Der Fußball in Australien wächst. An den Schulen ist Fußball auf alle Fälle schon die Sportart Nummer eins. Die Spiele in der A-League sehen die Australier vor allem als eines – als Event. Es ist viel vorher und nachher geboten, aber das Spiel selbst gerät ab und zu zur Nebensache.

Hatten Sie Zeit und Gelegenheit die Bundesliga von der anderen Seite der Erdkugel aus zu verfolgen?

Die Spiele waren ja für mich mitten in der Nacht, aber für den VfB Stuttgart bin ich schon aufgestanden, zumindest wenn wir am nächsten Tag kein Spiel hatten. Es war aber durchaus schwierig, den europäischen Fußball zu verfolgen. Er ist dort einfach sehr, sehr weit weg. Promotet wird in Australien nur die Premier League, da werden viele Spiele übertragen.

Wie ist der Stellenwert der Bundesliga in Australien?

Sie genießt definitiv hohes Ansehen, natürlich vor allem der FC Bayern und Borussia Dortmund. Von der Wahrnehmung her sind die Topligen in Italien, Spanien und Deutschland gleich, aber eben deutlich hinter der Premier League. Die Verbindung nach England ist ja schon wegen des Commonwealth historisch bedingt.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ich halte mich gerade bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern fit, möchte aber definitiv noch einmal ins Ausland.

Ihre persönliche Präferenz?

Ich bin ganz offen. Japan könnte ich mir gut vorstellen. Ich habe mit einigen Japanern in meiner Karriere zusammengespielt, hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen, und sie haben Tolles berichtet. Ich glaube, dass es von der Mentalität, von der Kultur und vom Fußball her sehr spannend sein kann. Aber ich kann mir auch die USA vorstellen oder das europäische Ausland.

Interview: Elisabeth Schlammerl

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