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Coman im Interview über seinen Antrieb: „Kann man für Geld nicht kaufen“

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Von: Andreas Werner

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„Es wäre ein Traum, hier eine prägende Figur wie Ribery zu werden“: Kingsley Coman im Gespräch mit Redakteur Andreas Werner.
„Es wäre ein Traum, hier eine prägende Figur wie Ribery zu werden“: Kingsley Coman im Gespräch mit Redakteur Andreas Werner. © sampics / Stefan Matzke / Stefan Matzke / sampics

Kingsley Coman hat in seiner noch jungen Karriere schon eine Menge Titel gewonnen. Der Franzose vom FC Bayern nimmt sich einen Landsmann zum Vorteil und verrät im Interview, was er an seiner Heimat so schätzt.

München - Kingsley Coman konnte bei der WM mit seinen französischen Landsleuten nur am Fernseher mitfiebern; nach einer Verletzung wurde er nicht rechtzeitig fit. Umso mehr drängt es ihn, nun bei Bayern durchzustarten. Im Interview spricht der 22-Jährige über seine Ziele.

Herr Coman, seit 2013 sind Sie jedes Jahr Meister geworden. Kann der FC Bayern also auch diese Saison schon wieder den Marienplatz buchen - Sie sind ja im Kader?

Coman: (lacht) Nein, ich bin ja keine Garantie. Aber ich werde natürlich mein Bestes geben.

Sie wurden schon Meister in Frankreich, Italien und Deutschland - wo war es am schönsten?

Coman: Hier beim FC Bayern war es sicher am intensivsten, weil ich einfach jetzt mehr Teil der Mannschaft bin. In Paris war ich noch sehr jung und hatte nicht so viele Spielzeiten. In Turin war es ähnlich. Aber in München habe ich auch meinen Teil beitragen können.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie hier erwachsen geworden sind?

Coman: Ich würde sagen, dass es ein genereller Prozess ist. Ja, ich bin schon reifer geworden.

Das letzte Mal, als Sie nicht Meister wurden, war mit den U 19-Junioren bei Paris St. Germain.

Coman: Sie werden lachen: Wir hätten damals auch beinahe die Meisterschaft geholt, scheiterten aber in den Playoffs. Ich erinnere mich gut, wie alles begann: Neben unserer Wohnung war ein Bolzplatz, wir Kinder spielten einfach um des Spielens willen, die ganze Zeit. Wir haben überall gekickt, sogar, wenn wir mal gar keine Tore hatten. Als ich dann mit meinem ersten Club Moissy in einem Turnier gegen Paris gespielt habe, haben sie mich in die Akademie geholt. Dann ging alles los. Für mich war es etwas ganz Besonderes, ich war zuvor mit meinem Vater drei, vier Mal im Stadion. Papa hatte immer den Traum, dass ich mal für die Nationalelf spielen werde.

Sie sind sehr schnell, Ihr Vater ist es auch - haben Sie Wettrennen gegeneinander gemacht?

Coman: Anfangs schon. Aber nur bis ich 13, 14 war. Ab da war ich dann schneller.

Und dann sagte Papa: „Keine Rennen mehr“?

Coman: (lacht) Ja, dann war Schluss.

Le Parisien schrieb zu Beginn Ihrer Karriere über Sie: „Coman dynamite“ - gefällt Ihnen das?

Coman: (lacht) Ja sehr. Mir gefällt aber auch der Spitzname, den ich hier habe: „Rakete“.

Als Frankreich nun Weltmeister wurde, wie war das für Sie: Haben Sie sich mitgefreut oder waren Sie traurig, weil Sie nicht mehr rechtzeitig fit und nicht nominiert wurden?

Coman: Ich habe mich sehr gefreut. Natürlich war ich enttäuscht, weil ich die WM verpasst habe. Ich hatte aber schon zum Zeitpunkt meiner Verletzung gewusst, dass es eng werden würde. So eine Chance verpasst zu haben, tut schon weh. Jetzt muss ich den WM-Titel halt nachholen.

Aber vorher ist die EM 2020 sicher das große Ziel?

Coman: Daran denke ich jetzt noch gar nicht. Das Hauptziel ist, mit dem FC Bayern in allen Wettbewerben Erfolg zu haben. Darauf fokussiere ich mich. Jetzt zählt der Club, alles andere ist erst einmal Nebensache. Ich möchte das Vertrauen des FC Bayern zurückzahlen. Wenn ich fit war, bin ich immer nominiert worden. Ich darf nicht nachlassen. Wenn ich beim FC Bayern meine Leistung bringe, werde ich auch wieder für die Nationalelf spielen.

Sind Sie ein Kind verschiedener Welten? Ihre Eltern stammen aus Guadeloupe, Sie selbst wurden in Frankreich geboren, arbeiten nun in Deutschland . . .

Coman: Diese verschiedenen Einflüsse prägen einen. Sie fördern meine Entwicklung. Ich kann in allen Kulturen viele gute Seiten entdecken und versuche, das Beste aus allen herauszufiltern. Man lernt verschiedene Denkweisen kennen und sie auf sein Leben umzumünzen. Ich denke, dieser Mix ist eine Stärke von mir. Er gibt mir Kraft. Ich reise so oft es geht nach Guadeloupe, jedes Jahr, meine Familie lebt noch immer dort. Das ist ein ganz anderes Leben als in Europa. Da ist die Lust am Leben ausgeprägter, man lacht mehr als in Europa. Man nimmt das Leben leichter und gelassener. Wenn ich zurückkomme, versuche ich stets, ein bisschen Karibik mit nach Europa mitzunehmen.

Sie bringen die Karibik ins Spiel, das klingt schön.

Coman: (lacht) Ja, ich möchte Karibik ins Spiel bringen. Obwohl ich in Frankreich geboren wurde, merke ich immer wieder meine Wurzeln. Am meisten, wenn es hier kalt wird. Dann ist es nicht so schön für mich - obwohl ich es ja von klein auf gewohnt bin. In Europa ist alles recht ähnlich, Frankreich und Deutschland nehmen sich nicht viel, wenn man es mit Guadeloupe vergleicht. Aber die Karibik ist eine ganz andere Welt.

„Ich versuche, so lange Titel zu gewinnen, wie mich meine Beine tragen“: Kingsley Coman will auch den WM-Sieg nachholen.
„Ich versuche, so lange Titel zu gewinnen, wie mich meine Beine tragen“: Kingsley Coman will auch den WM-Sieg nachholen. © sampics / Stefan Matzke

Karibische Wurzeln bedeuten auch, Schnelligkeit in den Genen zu haben. Nicolas Anelka stammt ebenfalls aus Guadeloupe, genauso Anthony Martial - beide sind gut zu Fuß. Usain Bolt ist Jamaikaner. War für Sie eine Option, Sprinter zu werden?

Coman: Nein, Sprinter zu werden, war nie ein Thema. Ich brauche den Ball am Fuß. Ich habe mich immer lieber an einem Franck Ribery als an einem Usain Bolt orientiert.

Wie ist Ihr Verhältnis mit Ribery: Ist er ein Papa für Sie, ein Kumpel, ein Konkurrent?

Coman: 

Papa nicht (lacht). Franck ist mein großer Bruder. Obwohl wir die gleiche Position spielen, gibt er mir Tipps. Ich finde es unglaublich, wie lange er schon in diesem Club, auf diesem Niveau spielt.

Wäre es für Sie denkbar, hier auch so eine prägende Figur zu werden?

Coman: 

Es ist einer der größten Clubs der Welt und ich bin stolz, ein Teil zu sein. Aber ich bin noch so jung, meine Karriere ist noch sooooooo lang - es ist zu früh, jetzt schon über so einen langen Zeitraum zu spekulieren. Tatsache ist, ich fühle mich sehr wohl. Es wäre ein Traum, hier mal 

eine so wichtige Figur wie Ribery zu werden

, die den Verein seit vielen Jahren prägt. Riberys Erbe ist für jeden reizvoll. Aber es kommt ja auch darauf an, wie ich mich entwickle. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Mir gefällt das Leben hier sehr gut, die Stadt, alles - ich fühle mich wie zuhause.

Wie steht es um Ihr Deutsch?

Coman: 

(auf deutsch) Ich verstehe alles, aber ein ganzes Interview ist noch zu schwierig.

Haben Sie Vokabeln, die Sie lustig finden?

Coman: 

(auf deutsch) Ungeduldig. Apfelschorle. Manche Wörter sind sehr, sehr lang - schwer, sie im Kopf zu behalten.

Sie sagten mal, Sie hätten in Ihrer Jugend auch „viel Blödsinn gemacht“. Was war das denn so?

Coman: 

Diese Zeiten sind lange vorbei. Ich habe eine zweijährige Tochter, die mich früh erwachsen werden ließ. Ich trage jetzt Verantwortung, und das schlägt sich in meinem ganzen Leben nieder.

Auch Crêpe mit Nutella, früher Ihr Leibgericht, gibt es nicht mehr so oft?

Coman: 

(lacht) Oh, das gab es früher immer. Jetzt nur noch einmal im Monat. Ich mache sie selber, aber wenn du ein guter Spieler werden willst, kannst du sowas nicht mehr zweimal die Woche essen, sondern höchstens einmal im Monat. Ab und zu backe ich kleine Kuchen, wenn es etwas zu feiern gibt. Aber wie gesagt: Sowas kommt nur noch in ganz kleinen Dosierungen vor.

Ist Titel zu gewinnen wichtiger als Geld?

Coman: 

Diesen Glücksmoment, mit deinem Team einen Titel zu feiern, kann man mit Geld nicht kaufen. Das ist mein Antrieb. Dieser Moment ist besser als jedes Geld. Wenn ich die Wahl hätte, zehn Millionen oder Weltmeister werden, würde ich immer den WM-Titel nehmen.

Sie haben mit 22 Jahren schon 14 Titel gewonnen  hochgerechnet werden es mal 40, 50 werden.

Coman: 

Das hört sich sehr gut an. Ich muss das Niveau halten und mich weiter verbessern, dann wächst die Titelsammlung hoffentlich an. Aber Titel sind auch Druck. Ich darf mich auf den Erfolgen bisher nicht ausruhen. Das ist eine Verpflichtung: Ich darf meine Chancen nicht verschleudern.

Machen Sie bei Titel Nummer 50 Schluss?

Coman: 

Nein. Ich werde so lange versuchen, Titel zu gewinnen, wie mich meine Beine tragen. Und der WM-Titel fehlt noch.

Also sollen die Saison drei Titel hinzukommen.

Coman: 

(lächelt) Das ist das Ziel.

Interview: Andreas Werner

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