Ein Spieler ist entscheidend

Ex-FCB-Kicker: Bayern ist schon Meister!

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Jupp Heynckes.

Marcell Jansen spricht im Interview über Besuche auf dem Bauernhof, Kimmichs Qualität, Wagners Tore und das I-Tüpfelchen Martinez.

München – Natürlich wird Marcell Jansen das Topspiel an diesem Samstag verfolgen. Als gebürtiger Gladbacher und ehemaliger Bayern-Spieler freut er sich auf die Partie, sagt aber: „Ich sehe sie weniger emotional als ein Duell zwischen Bayern und Hamburg, weil es beiden Teams richtig gut geht. Da geht es nicht um Existenzen.“ Ums Prestige geht es trotzdem – wie der Markenbotschafter des Wettanbieters SmartBets im Interview verrät.

Herr Jansen, das 2:1 der Bayern in Anderlecht wirkte nicht so souverän. Verpufft der Heynckes-Effekt?

Das war ein dreckiges Spiel – aber das hat gar keine Auswirkungen. Die Großchancen, die Schlampigkeiten waren untypisch für die Bayern. Am Ende haben sie gewonnen, zurückgeschlagen, und das zeigt die Qualität. Das spricht für eine breite Brust, für sehr viel Selbstvertrauen, das Heynckes ihnen zurückgegeben hat.

Neun Spiele, neun Siege – wie ist diese Wende zu erklären?

Es gibt definitiv den Jupp-Effekt. Der hat mit der Person zu tun und mit dem, was Jupp der Mannschaft gibt und was er ausstrahlt. Meine Meinung: In der Meisterschaft wird unter Heynckes nichts anbrennen. Und auch in der Champions League ist wieder mit Bayern zu rechnen. Diese Prognose hätte ich unter Carlo Ancelotti nicht getroffen. Die Welt sieht unter Heynckes anders aus.

Was macht Heynckes anders als andere Trainer? Auch Sie hatten ja in Gladbach einst das Vergnügen.

Jeder Trainer ist individuell, auch Ancelotti ist ja ein großer Trainer. Aber es hat bei Bayern einfach nicht gepasst. Bei Jupp Heynckes ist es einfach etwas Besonderes, allein wenn man die Historie sieht. Er weiß, an welchen Strippen er ziehen muss, er kennt die Spieler besser. Mit seiner deutschen Mentalität hat er schnell einen Draht ins Team gefunden.

Sie hatten zu Beginn Ihrer Zeit in Gladbach ein nicht so gutes Verhältnis zu ihm. Geht das überhaupt?

Ich war einer der jüngsten Spieler und habe gemerkt, dass ich nicht sein Lieblingsspieler war. Da gab es andere. Hinten raus haben wir uns super verstanden – und ich war schon damals von seiner Selbstreflexion sehr angetan. Das, was er aus Gladbach mitgenommen hat, hat er nachher umgesetzt in Leverkusen und München. Er hat sich trotz seines Alters gefragt, was noch besser geht. Und deshalb schwärme ich auch so von ihm. Es gibt im Fußball so viele sture Menschen, die sagen: So funktioniert die Welt. Aber bei Heynckes ist das anders, obwohl er sowieso immer ein geiler Trainer war. Das habe ich von Tag eins an gemerkt.

Trotzdem wurde er damals entlassen.

Ja, weil gewisse Dinge – das sagt er selber – nicht gestimmt haben. Kennen Sie die Geschichte seiner Entlassung?

Die mit der Rückgabe seines vollgetankten Dienstwagens?

Genau! Allein das zeigt doch, wie Jupp Heynckes tickt. Er ist Rheinländer, er ist ein Vorbild nicht nur im Erfolg, sondern auch im Nicht-Erfolg. Er hat eingesehen: Jetzt ist mein Weg hier bei meiner Borussia zu Ende – aber ich gehe im Guten. Das können nicht viele. Für mich ist Jupp eine Legende.

„Ich kannte Cando schon als Welpen“

Ist das Verhältnis zwischen echten Gladbachern wie Ihnen beiden nun inzwischen besonders gut?

Ich bin ja seit neun Jahren in Hamburg. Ich hatte in meiner Karriere Überschneidungspunkte mit ihm, eher beruflicher Natur. Aber ich war auch schon bei ihm zu Hause.

Auf dem Bauernhof?

Ja, Real Madrid war sehr an mir interessiert, und Heynckes hat mich zum Meeting eingeladen, hat gewissermaßen vermittelt. Auch wenn ich dann zu Bayern gegangen bin.

Gab es damals Cando schon – den Hund, den ganz Deutschland kennt?

Ja! Der war ganz klein (lacht). Ich habe ihn kennengelernt, als er ein Welpe war, gerade schneller laufen gelernt hat.

Wie emotional wird Jupp Heynckes’ Rückkehr nach Gladbach? Bei seinem letzten Auftritt flossen Tränen.

Heynckes ist mittlerweile Ur-Bayer, aber im Herzen ist er Gladbacher. Für ihn wird das eine emotionale Sache, vor allem vor und nach dem Spiel. Währenddessen aber weiß er, dass er gegen die Mannschaft spielt, die nach Bayern spielerisch die zweitbeste der Bundesliga ist.

Was erwarten Sie für ein Spiel?

Ein richtig gutes. Gladbach ist für mich rein fußballerisch vor Dortmund und Leipzig. Der einzige Nachteil ist die mangelnde Flexibilität, wenn man ihnen das Fußballspielen unterbindet. Da gibt es dann keinen Konter, keine langen Bälle, keinen Mittelstürmer – das haben Dortmund und Leipzig ihnen voraus. Wenn sie aber ihr Spiel durchziehen können, sind sie extrem gefährlich. Auch für die Bayern.

Vergangene Woche in Berlin hat Gladbach in der ersten halben Stunde drei Tore erzielt.

Das können sie. Aber ich mache mir wenig Hoffnungen, dass das noch mal passiert.

Warum?

Die simple Antwort: Javi Martinez. Über den wird am wenigsten geredet, aber er ist einfach der wichtigste Schachzug von Heynckes. Er ist der Schlüsselspieler, absolute Weltklasse. Tolisso, Vidal, Rudy – die sind sehr gut. Aber das I-Tüpfelchen ist Martinez.

Auf wen kommt es bei Gladbach an?

Wenn es Martinez bei Bayern ist, dann ist es Raffael bei Gladbach. Einfach genial. Man hat das Gefühl, er fliegt über den Platz. Die Achse in Gladbach besteht für mich aus Raffael, Stindl, Vestergaard, Kramer und Sommer.

Stindl ist 29. Da haben Sie Ihre Karriere beendet – und er startet durch.

Zurecht! Er ist ein absoluter Teamspieler mit sehr vielen intelligenten Laufwegen. Er zeigt das in Gladbach und in der Nationalmannschaft. In beiden Teams ist er eine Personalie, die Gewicht hat.

Gewicht für die WM?

Absolut. Man kann nur empfehlen, ihn mitzunehmen. Für mich ist er ein Vorbild, er hat einen richtig guten Charakter. So etwas ist wichtig bei einem Turnier.

Beim Confed Cup hat er mit Joshua Kimmich gespielt. Wie sehen Sie ihn – als Ex-Außenverteidiger?

Exzellent. Sein Offensivspiel wird immer gefährlicher. Taktisch, technisch und im Zweikampf ist er ja sowieso schon geschult. Er hat die Handschrift von Jogi Löw, setzt immer noch einen drauf. Er ist eine absolute Waffe. Das ist die Zukunft des FC Bayern.

Eine Vertragsverlängerung bis 2023 könnte man Bayern empfehlen, oder?

Man muss die Leistung honorieren, das Gehalt anpassen. Es ist gut, dass Bayern direkt auf den Spieler zugeht und nicht wartet, bis er auf sie zukommt. Sie wissen, warum.

„Wagner wird viele Minuten bekommen“

Weiter vorne wird aktuell ein Stürmer gesucht. Sie bezeichneten das Profil zuletzt als „jung und hungrig“. Das passt nicht richtig auf Sandro Wagner, oder?

Uralt ist er nicht. Und er spielt in der Nationalmannschaft, kann locker noch drei, vier Jahre auf dem Niveau agieren. Er hat zudem eine ähnliche Spielweise wie Robert Lewandowski. Ich bin kein Freund davon, Spieler nach Alter und Schnelligkeit zu beurteilen. Wichtiger ist, wie sie ins Spielsystem passen. Ich kann die Entscheidung für Wagner absolut nachvollziehen.

Wie geht sein Bayern-Engagement mit seinen WM-Ambitionen einher?

Ich sehe es nicht als Risiko. Weil ich glaube, dass er auf viele Minuten kommen wird. Wenn er auf dem Platz ist, muss er die Rolle halt gut ausfüllen, auch in weniger Minuten. Und wenn die Leistung stimmt, fährt er zur WM.

Jahreshauptversammlung des FC Bayern 2017 - die besten Bilder

Auch bei Arjen Robben und Franck Ribery geht es ums Alter.

Wenn ich Robben sehe, sehe ich keinen alten Mann. Da sehe ich einen, der manchmal wie ein 21-Jähriger über den Platz fegt. Ob der dann 36, 38 oder 21 ist, ist doch egal. Auch Ribery hat die Spritzigkeit noch, wenn der fit ist. Man muss jetzt nicht unbedingt einen Schnitt machen.

Heynckes’ Meinung wird gehört. Lothar Matthäus sagt, im kommenden Sommer gibt es keinen besseren als ihn.

Wer soll denn besser sein als der Triple-Trainer? Man sollte das erst mal abwarten. Trotzdem muss man sich jetzt schon Gedanken über die nahe Zukunft machen. Dass er noch mal ein paar Jahre macht, würde ich ausschließen.

Ist ein weiteres Jahr Heynckes auszuschließen?

Das würde ich nicht ausschließen. Aber bis dahin kommen noch entscheidende Monate. Er macht einen topfitten Eindruck. Und er hat es jetzt schon geschafft, Deutscher Meister zu sein. Da sieht man, was der für eine Power hat.

Auch Sie zieht es – neben einem ausgefüllten Berufsleben – zurück in den Fußball. Ist ein Sitz im HSV-Aufsichtsrat reizvoll?

Wenn ich da meine Stärken einbringen kann, dann denke ich gerne darüber nach. Es ist aber nicht mein tägliches Ziel. Also: Kein Muss.

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