Leipzig-Kapitän ist nheiß auf Duell mit Bayern

Orban im Interview: „Wir haben Blut geleckt“

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„Wir haben gezeigt, dass wir mit Bayern mithalten können“: Leipzig-Kapitän Orban.

Leipzigs Kapitän Willi Orban freut sich auf das Pokalduell mit dem FC Bayern. Im Interview spricht er  auch über Karate, kaputte Vasen, die WM in Russland und Bücher vom früheren Münchner Bobby Dekeyser.

München - Willi Orban (24) führt RB Leipzig als Kapitän aufs Feld. Vor dem Pokalspiel gegen den FC Bayern erklärte der Abwehrspieler im Interview, was er von dem Duell mit den Münchnern erwartet.

Herr Orban, welche Erinnerungen haben Sie an Ihr erstes Bundesligaspiel im August 2011? Es ging damals mit dem 1. FC Kaiserslautern ja auch gegen den FC Bayern . . .

Orban: Da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Ich habe mit vier Jahren bei Kaiserslautern angefangen, spielte damals mit 18 in unserer Zweiten Mannschaft normalerweise vor 200 Zuschauern und ein paar Bäumen – und dann darfst du plötzlich vor 50.000 Menschen ran, gegen die Bayern! Es war ein Kurzeinsatz, gute zehn Minuten am Spielende. Das Spiel stand schon 0:3, drei Tore von Mario Gomez. Ich bin viel gerannt, habe keinen Ball berührt, war aber der glücklichste Mensch auf Erden an diesem Tag. Ich habe mir schon damals einiges zugetraut und wusste zudem, dass ich das notwendige Talent habe und die richtige Einstellung mitbringe - was ganz besonders wichtig ist.

Damals spielten Franck Ribery und Arjen Robben auch schon - werden Sie jetzt öfter an den Ball kommen? Deren Zeit läuft ab, während Ihre erst so richtig begonnen hat . . .

Orba n: (lächelt) Ich hoffe doch sehr, dass ich öfter an den Ball komme als damals. Nicht nur die beiden waren schon dabei, auch Thomas Müller und Jerome Boateng zum Beispiel. Wir haben mit RB Leipzig bereits letztes Jahr gezeigt, dass wir auch mit Top-Klubs wie Bayern mithalten können, wenn wir unsere Topleistung bringen. Wir sind seit unserem Aufstieg in die Erste Liga von Aufgabe zu Aufgabe gereift, nicht zuletzt in der Champions League. Das wollen wir auch im Pokal und ein paar Tage später in der Liga in München beweisen.

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Sie sagten mal, Sie seien „ein moderner Innenverteidiger“ - wie definiert sich das, und hatten Sie auf Ihrem Weg Vorbilder?

Orba n: Man kann sich viel abschauen von Spielern wie Boateng oder Hummels, auch auf Sergio Ramos bei Real Madrid habe ich immer ein Auge. Das sind Innenverteidiger mit Weltklassequalitäten. Ich versuche aber schon auch, mein eigenes Spiel durchzusetzen. Als Innenverteidiger musst du natürlich zunächst deine Zweikämpfe gewinnen, aber du solltest auch im Spielaufbau Ideen haben und vorne bei Standards in der Lage sein, Tore zu machen.

Sie sprachen das Münchner Weltmeister-Duo an. Vor dem Confed Cup galten Sie als Aspirant in der Nationalelf. Haben Sie die WM im Hinterkopf?

Orba n: Ich mache mir da gerade keine großen Gedanken. Bringe ich bei Leipzig meine Leistung, ist alles möglich. In der Nationalelf gibt es aber in der Innenverteidigung viele gute Alternativen. Da musst du richtig was anbieten, wenn du dich empfehlen willst. In erster Linie will ich mit Leipzig erfolgreich sein. Der Rest kommt dann von alleine.

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Sie könnten auch für Ungarn und Polen spielen, die Heimat Ihrer Eltern. Ist das eine Option?

Orba n: Ich schließe nichts aus. Aber die deutsche Nationalelf wäre sicher meine erste Option. In Ungarn und Polen bekäme ich wohl schneller eine Chance. Aber ich bin nicht unbedingt der Typ, der den einfachen Weg geht.

Ihr Vater war Karatemeister in Ungarn - haben Sie da auch Talent?

Orba n: Er war in der Jugend ungarischer Karatemeister. Ich habe keine Erfahrungen mit Kampfsport, könnte es mir aber vorstellen. Bei mir war es so, dass ich schon als Kind zuhause alles mit dem Fußball kaputt geschossen habe. Ein paar Blumenvasen und Flaschen, nichts Wildes, aber es hat gereicht, dass Mama sagte: Der Junge hat zu viel Energie, den stecken wir lieber in einen Fußballklub. Da hat sie alles richtig gemacht.

Aber so haben Sie keinen schwarzen Gürtel, um jetzt den Bayern-Stars entgegenzutreten.

Orban: 

(

lacht

) Nein. Aber es wäre wohl auch nicht erlaubt, Bayern mit Karate aufzuhalten.

Ist es noch heute so wie von klein auf, dass Sie nur an Fußball denken?

Orban: 

Als Leistungssportler sollte es schon so sein, dass dein Sport das beherrschende Motiv ist. Ich verbringe aber natürlich auch gerne Zeit mit Familie und Freunden, bin gerne in der Natur oder lese mal ein Buch. Wobei ich auch beim Lesen den Sport im Blick habe; es sind oft Bücher über Ernährung oder Trainingsmethoden. Neulich habe ich von Bobby Dekeyser „Unverkäuflich“ gelesen. Er stand früher mal beim FC Bayern und beim TSV 1860 im Tor.

Das letzte Duell zwischen Bayern Leipzig war ein stürmisches 5:4 - was ist nun zu erwarten?

Orba n: Ich erwarte eine offene und spannende Partie. K.o.-Spiele werden oft auch mit offenem Visier geführt. Wir wollen zeigen, dass wir noch mal einen großen Schritt im Vergleich zur letzten Saison gemacht haben, und werden alles reinlegen, was in uns steckt. Gerade zuhause sind wir sehr stark. Wir sind gut in Schuss und haben auch die Chance, selbst gegen die Bayern zu gewinnen, wenn wir an unser Leistungsmaximum kommen. Wir gehen mit breiter Brust in diese beiden Duelle.

Sie spielen zwei Mal in einer Woche gegeneinander. Ungewöhnlich. Ist das noch kniffliger als sonst?

Orban: 

Das ist in der Tat eine besondere Situation. Aber als Profi siehst du jedes Spiel für sich, zumal es ja zwei verschiedene Wettbewerbe sind. Auch wenn es eine große und schwere Aufgabe ist: Wir wollen beide Spiele gewinnen.

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Wie sehen Sie die Bayern in der aktuellen Situation: Schlagbarer als letztes Jahr - oder wieder gefestigter nach der Rückkehr von Jupp Heynckes?

Orba n: Durch den Trainerwechsel habe ich schon den Eindruck, dass die Bayern wieder ein Stück weit zu ihrer alten Stärke gefunden haben. Die letzten Spiele haben sie überzeugt und oft zu Null gespielt. Aber wir werden uns nicht verstecken. Wir waren auch sehr erfolgreich in den letzten Spielen und haben offensiv wie defensiv in die Spur gefunden. Ich denke, das Pokalspiel wird ein Fußballfest. Wir freuen uns und wollen unseren Fans etwas bieten.

Die Bayern gehen jede Saison mit dem Double als Ziel an; ist die Meisterschaft bei Ihnen diese Saison schon ein Ziel?

Orban: 

Nein, soweit sind wir noch nicht. Wir wollen uns entwickeln, das hat bei uns immer erste Priorität. Natürlich haben wir jetzt in der Champions League Blut geleckt, wir genießen diese internationale Bühne und Spiele gegen solche Top-Klubs. Das internationale Geschäft zu erreichen, darauf arbeiten wir hin. Wir wollen auch im Pokal weit kommen und nehmen dieses Los FC Bayern entsprechend an. Wir wollen jede Aufgabe möglichst erfolgreich meistern. Aber die Meisterschaft rufen wir sicher nicht aus.

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Wie kam es eigentlich zu Ihrem Vornamen Willi?

Orban: 

Mein Geburtsname ist ungarisch: Vilmos Tamas Orban. Als aber feststand, dass wir in Deutschland bleiben, ließ ihn meine Mutter eindeutschen. Willi ist die Übersetzung.

Bei Bayern war Willy Sagnol wegen des lang gezogenes „iiii“ am Namensende Publikumsliebling.

Orban: 

(

lacht

) Das gibt es hier in Leipzig noch nicht, aber es kann ja noch kommen. Ich hätte da nichts dagegen.

Wie oft haben Sie den abgewandelten Spruch „Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg“ schon gehört?

Orban: 

Schon das eine oder andere Mal. Und da ist ja möglicherweise auch etwas dran in meinem Fall.

Interview: Andreas Werner

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