Interview vor Spiel gegen FC Bayern

Wolfsburgs Marcel Schäfer: "Man sollte uns nicht abschreiben"

+
Marcel Schäfer vom VfL Wolfsburg.

München - Marcel Schäfer vom VfL Wolfsburg spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über harte Zeiten beim VfL, besondere Sturm-Duos und Schafkopf-Duelle mit den Bayern.

Es gibt nicht viele, die über den VfL Wolfsburg mehr erzählen können als der Rekordspieler des Vereins: Marcel Schäfer. Der Ex-Löwe war 2009 Meister, im vergangenen Jahr Pokalsieger – erlebte aber auch die jüngste Krise des Teams von Dieter Hecking mit. Vor dem Spiel am Samstag gegen den FC Bayern (15.30 Uhr) spricht der 31-Jährige im Interview.

Marcel Schäfer, Sie haben am Wochenende zum ersten Mal nach 804 Tagen für den VfL getroffen. Haben Sie sich für die Bayern warm geschossen?

Marcel Schäfer: (lacht) Das kann man so sagen. Aber im Ernst: Tore schießen ist für jeden Fußballer, auch für mich, das größte Ereignis überhaupt. Vor allem jetzt, weil wir eine schwierige Phase hatten, in der viel Kritik – teilweise zurecht – auf uns eingeprasselt ist.

Zuletzt aber ging es bergauf.

Marcel Schäfer: Klar, bei uns ist ein Aufwärtstrend zu erkennen. Leidenschaft, Begeisterung, Einsatz, Kampf – das ist wieder da. Sieben Spiele am Stück nicht zu gewinnen, ist nicht schön. Jetzt haben wir einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Nur einen kleinen, denn wir stehen noch lange nicht da, wo wir uns selber sehen. Aber dieser kleine Schritt war wichtig und tut gut.

Als Buhmänner wurden oft Julian Draxler und Andre Schürrle genannt. Steht und fällt Erfolg mit der Form solcher Figuren?

Marcel Schäfer: Nein. Die beiden sind Bestandteil unserer Mannschaft – wir haben alle keine gute Leistung auf den Platz gebracht. Es ist nicht ein Einzelner Schuld an einer Misere – aber auch nicht ein Einziger ausschlaggebend für Erfolg. Letztes Jahr hat man uns als „super Truppe“ bezeichnet, als wir den Pokal gewonnen haben. Da ging es um mannschaftliche Geschlossenheit. Und so ist es jetzt auch – in positiven wie negativen Situationen. Wir haben uns in den letzten Wochen viel hinterfragt, was wir besser machen können, woran es lag.

Kommen die Bayern jetzt zur Unzeit?

Marcel Schäfer: Im Gegenteil. Wir haben jetzt ein Spiel vor der Brust, das ich als das leichteste der Saison bezeichne. Es erwartet keiner etwas von uns. Für uns ist das eine Herausforderung, eine Möglichkeit, ein Ausrufezeichen zu setzen. Wir verschwenden keine Gedanken an eine Niederlage. Zuhause wollen wir immer gewinnen, auch gegen Bayern.

Klaus Allofs hat die Rolle des VfL in der Tabelle als „Beobachter“ definiert. Was ist Ihrer Meinung nach in dieser Saison noch drin?

Marcel Schäfer: Unsere Zielsetzung sind nach wie vor die internationalen Plätze. Wir sind fünf Punkte hinter Hertha – aber auch die Champions League ist noch machbar. Wir haben es selbst in der Hand, unsere Saison so zu gestalten, wie wir uns das vorstellen. Es ist alles eng beisammen. Man sollte uns noch nicht abschreiben.

Ist man manchmal froh, in Wolfsburg zu spielen? Sieben sieglose Spiele wären in München eine Totalkatastrophe.

Marcel Schäfer: Davon kann man ausgehen. In München hat man nochmal höhere Ansprüche. Aber: Sie können mir glauben, dass das auch hier alles andere als angenehm war.

In München hat man Verletzungssorgen. Sind das Luxusprobleme?

Marcel Schäfer: Man muss schon zugeben, dass da bei Bayern viel zusammengekommen ist. Aber trotzdem haben sie ja genug herausragende Spieler, die die Lücken füllen können. Natürlich sind das – verglichen mit allen anderen Klubs in der Bundesliga – Luxusprobleme. Aber wir haben hier auf unserem Niveau ja ähnliche Sorgen. Da treffen am Samstag zwei Mannschaften mit vielen personellen Problemen aufeinander. Vielleicht ist es dann wieder gerecht (lacht).

Und Bayerns Not-Abwehr muss Angst vor dem neuen Flügelflitzer Marcel Schäfer haben?

Marcel Schäfer: Grundsätzlich haben die Bayern keine Angst – leider auch nicht vor mir (lacht). Egal, auf welcher Position ich spiele.

Sie sagen, man dürfe nicht mehr über die Meisterschaft von 2009 reden. Dieses 5:1 des VfL damals gegen Bayern war aber in den letzten Tagen sicher ein Gesprächsthema, oder?

Marcel Schäfer: Es gibt viele Spiele gegen Bayern, an die man sich gerne erinnert. Das 4:1, das wir kurz nach dem Tod von Junior Malanda geholt haben, in einer schwierigen Phase für uns alle. Und dieses 5:1 ist uns allen noch in Erinnerung. Das sollte uns Auftrieb geben. Es ist absolut etwas möglich.

Damals galten Edin Dzeko und Grafite als unglaublich starkes Sturm-Duo. Sind Thomas Müller und Robert Lewandowski nun aber noch ein Stück besser?

Marcel Schäfer: Alle vier sind außergewöhnliche Spieler. Thomas Müller und Robert Lewandowski leisten seit Jahren exzellente Arbeit. Die Statistiken sprechen für sich. Sie sind auf dem Weg, Rekorde zu brechen. Ich hoffe, dass sie ab Sonntag damit weitermachen – aber sich am Samstag zurückhalten (lacht). Ich kann versprechen: Den Rekord werden sie eh holen.

Sie und Thomas Müller eint die Liebe zum Schafkopf. Haben Sie schon mal gegeneinander gespielt?

Marcel Schäfer: Leider noch nicht. Dabei brauchen die Bayern doch einen vierten Mann, oder?

Ja. Claudio Pizarro wird schmerzlich vermisst.

Marcel Schäfer: Wenn sie mich mal einladen, würde ich mitmachen. Aber das werden sie nicht tun, denn die wissen ja, dass ich schon ein bisschen älter bin. Da muss man sagen: Am Kartentisch müssen die Bayern echt Angst vor mir haben (lacht).

Lebt Ihr Traum von einer Schafkopf-Schule noch?

Marcel Schäfer: Der lebt – aber das bleibt wohl leider ein Traum. Es wäre eine Lebensaufgabe für mich gewesen, Grafite Schafkopfen beizubringen – aber der hat sich ja dann aus dem Staub gemacht (lacht).

Wer war der beste Schafkopfspieler bei den Löwen?

Marcel Schäfer: Da muss ich jetzt meinen Freund Daniel Baier nennen, den kann ich ja nicht in die Pfanne hauen. Da haben wir Abende und Abende gespielt. Bei Auswärtsfahrten hatten wir da auch mal zwei Tische voll. Das war Kult.

Haben Sie eigentlich noch mit Julian Nagelsmann zusammen gespielt?

Marcel Schäfer: Nicht direkt. Wir kennen uns, sind uns oft über den Weg gelaufen. Aber Christian Träsch kennt ihn besser. Die beiden sind zusammen auf der Schulbank gesessen.

28 und Trainer – klingt das komisch, wenn man 31 und Spieler ist?

Marcel Schäfer: Ich bin froh, dass ich noch Spieler bin – und hoffe, dass das noch ein bisschen anhält. Ich sehe mich nicht als Trainer, kein bisschen. Aber ich freue mich für Julian, dass er diesen Schritt gemacht hat. Man hört ja bisher nur Positives. Es ist schon ungewöhnlich, wenn der Trainer jünger ist als einige Spieler. Aber man ist ja immer offen für Neues.

Das Interview führte Hanna Schmalenbach.

Auch interessant

Meistgelesen

„Satt und müde“: So lautet die Saisonbilanz der Bayern-Fans 
„Satt und müde“: So lautet die Saisonbilanz der Bayern-Fans 
Supertalent Ante Coric: Einst sagte er dem FC Bayern ab - und jetzt?
Supertalent Ante Coric: Einst sagte er dem FC Bayern ab - und jetzt?
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
„Ich bin traurig“: Dieser Weltklasse-Kicker wird Lahm vermissen
„Ich bin traurig“: Dieser Weltklasse-Kicker wird Lahm vermissen

Kommentare