Rekordmeister ungefährdet an der Spitze

Ist Bayern so gut oder sind die anderen so schlecht? Eine Analyse

Der FC Bayern steht nach dem 3:1 Sieg gegen den BVG ungefährdet an der Spitze der Tabelle. Die Euphoriewelle rollt, doch die Spieler und Heynckes wollen den Ball erstmal flach halten.

In der Regel sind es ja die Journalisten, die den Spielern nach Abpfiff einer Partie Fragen stellen, am Samstag drehte Joshua Kimmich das Ganze mal um. „Den wievielten Spieltag haben wir heute“, wollte der 22-Jährige von einem Pressevertreter wissen, der ihn nach dem 3:1-Triumph in Dortmund auf eine „Vorentscheidung“ in der Meisterschaft angesprochen hatte. „Den elften“, antwortete dieser schließlich. Kimmich hakte nach. „Und was hätten Sie vor vier Spieltagen gesagt“, so die zweite Frage, worauf der Redakteur zugab: „Etwas anderes.“ Nach sieben Siegen aus sieben Spielen unter Jupp Heynckes sowie dem damit verbundenen Sechs-Punkte-Vorsprung auf den BVB (vier auf Leipzig) hält die Euphoriewelle wieder Einzug an der Säbener Straße, den Spielern hingegen passt das gar nicht in den Kram. Die halten weiterhin den Ball flach. Und haben völlig recht damit.

Arjen Robben fand das alles recht amüsant. „Es ist Anfang November und einer hat mir schon eine Frage nach dem Triple gestellt“, erzählte der Torschütze und lachte dabei. „Wir müssen aufhören damit. Es war gut, aber wir wissen es und der Trainer hat es ja auch deutlich gesagt: Wir können noch besser.“ Was angesichts der jüngsten Resultate zunächst nach einer Warnung an den Rest der Liga klingt, ist nichts als die Realität. Die Ergebnisse stimmen. Dass man innerhalb von drei Wochen elf Punkte auf den BVB gutgemacht und zudem das Achtelfinale der Königsklasse erreicht hat, ist „eigentlich der Wahnsinn“, wie Robben betonte. Aber: Es ist noch lange nicht alles Gold, was glänzt. Das weiß auch Heynckes.

Zweimal die Eins: FC Bayern demontiert BVB - die besten Bilder

„Man sollte den Ball flach halten“, meinte der 72-Jährige nach Abpfiff im Signal Iduna Park. „Man konnte natürlich nicht voraussagen, dass wir jetzt so gut dastehen. Das haben wir uns hart erarbeitet. Wenn wir die verletzten Spieler wieder an Bord haben, werden wir noch besser spielen.“ Zeit dafür dürfte sich während der anstehenden Länderspielpause genügend finden. Dafür, genauso wie für die Fehler, die es der ganzen „Jubelstimmung“ (Robben) zum Trotz im Spiel des Rekordmeisters gibt. Beispiel Leipzig: Sowohl im Pokal (6:5 n.E.) als auch in der Liga (2:0) waren zehn Bullen in der Lage dazu, gegen elf Rote reihenweise Chancen zu kreieren. Beispiel Celtic: Ein Mittelgewicht des europäischen Fußballs brachte den FCB nach einer Reihe von Großchancen an den Rand eines Remis. Es gibt also durchaus noch was zu tun.

Wer jedoch genauer hingehört hat, der weiß, dass Don Jupp Selbiges predigt, seit er an die Säbener Straße zurückgekehrt ist. Erst vor der Partie in Dortmund philosophierte der Trainer über Entschleunigung in der schnelllebigen Welt des Fußballs. Auch, weil er weiß, dass die wirklichen Standortbestimmungen des Jupp-Trupps noch anstehen. Die richtigen Gradmesser kommen ohnehin erst im Frühjahr, wenn es in der Champions League in die K.o.-Phase geht, davor wird den Heynckes-Bayern aber noch PSG auf den Zahn fühlen. „Weiter sind wir schon mal auf jeden Fall“, meinte Kimmich dazu und fügte an: „Jetzt müssen wir aber sehen, wie es gegen Paris aussieht.“ In der Bundesliga hingegen sieht es wie jedes Jahr aus: nach Langeweile.

Und das just in dem von vielen Experten beschworenen Jahr, in dem der FCB etwas wackelt(e). Genau in dieser Saison sollte doch was möglich sein für die Konkurrenz, die Realität ist aber eine andere: Selbst wackelnde Bayern sind doppelt so gut wie der Rest der Liga. Wie es wirklich um die Bundesliga steht, geht auch aus der Fünfjahreswertung hervor, wo der deutsche Wettbewerb nur noch auf Rang vier hinter den Spaniern, Engländern und Italienern liegt. Ganz zu schweigen von den jüngsten Europacup-Auftritten der Bundesligisten, die mit den Ansprüchen der Ligachefs nun wirklich nichts gemein haben. Der Abwärtstrend ist nicht zu leugnen. Die Aufgabe des FC Bayern wird es sein, sich davon nicht anstecken zu lassen.

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Video: Glomex

Rubriklistenbild: © sampics / Stefan Matzke

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