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Chaos bei Jahreshauptversammlung: Zerbricht die FC-Bayern-Familie?

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Von: Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Die Jahreshauptversammlung des FC Bayern endete in einem Tumult. Das Katar-Sponsoring führte zu hitzigen Diskussionen und Buhrufen. Uli Hoeneß zeigt sich schockiert.

München - Lange Zeit war es eine harmonische Jahreshauptveranstaltung des FC Bayern München e. V. Doch am späten Donnerstagabend, ab dem Tagesordnungspunkt Anträge, kippte die Stimmung bei Teilen der rund 800 anwesenden Mitglieder im Audi Dome. Im Zentrum der Kritik: das Streitthema Katar.

Ein Spontan-Antrag des Mitglieds Michael Ott (28), über die Beendigung der Partnerschaft mit Qatar Airways nach Vertragsende 2023 abzustimmen, wurde von Vizepräsident Prof. Dr. Dieter Mayer (66) abgeschmettert. Die Begründung des sonst so ruhigen Münchner Notars: „Ich werde hier nicht zulassen, dass wir über rechtswidrige Anträge abstimmen. Das Landgericht München hat heute entscheiden, dass die Mitgliederversammlung nicht zuständig ist.“ Es folgten Buhrufe und Gejohle.

Otts anderer Antrag, dass der Verein in Zukunft sogar 75 anstatt der bisher 70 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG halten soll und die besagten fünf Prozent nicht noch veräußern könnte, verfehlte die erforderliche Dreiviertelmehrheit. Das ließ insbesondere die Hardliner, die sich Großteils in den hinteren Rängen der Halle aufhielten, noch lauter werden.

Chaos bei Bayerns Jahreshauptversammlung: „Schlimmste Veranstaltung, die ich je erlebt habe“

Am Ende der Veranstaltung, die aufgrund steigender Corona-Zahlen nur unter Einhaltung der 2G-Plus-Regel stattfand, wurde es dann so richtig hitzig. Nachdem Präsident Herbert Hainer (67) nach fünf Stunden Versammlung die Wortbeiträge stoppte, hallten um Mitternacht kurz „Hainer raus“-Rufe durch den Audi Dome.

Als die Bosse das Podium verließen, stellte sich ein ausgebremstes Mitglied auf einen Stuhl in der Halle, hielt umringt von Anhängern seine emotionale Rede ohne Mikrofon. Es waren bizarre Szenen. „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt“, skandierten aufgebrachte Mitglieder.

Auch Uli Hoeneß (69) war über das Chaos schockiert. Der Ehrenpräsident stand nach der Versammlung sogar kurz am Redner-Pult, verließ das Podium am Ende aber wortlos. Am Weg aus dem Audi Dome sagte die sichtlich mitgenommene Vereins-Ikone: „Darüber muss ich erst einmal schlafen. Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je beim FC Bayern erlebt habe.“

Herbert Hainer (r), Präsident des FC Bayern München, spricht bei der Jahreshauptversammlung.
FC Bayerns Jahreshauptversammlung endet chaotisch: Buhrufe und Pfiffe gegen die Bayern-Spitze. © Ulrich Gamel / kolbert-press / dpa

Tumult bei Bayern-Versammlung: Streitthema Katar

Stellt sich die Frage: Zerbricht die Bayern-Familie daran? Unwahrscheinlich.
Fakt ist: Die Stimmungsmacher in der Halle hatten sich organisiert, verteilten vor Versammlungsbeginn Flyer, in denen sie die Ott-Anträge befürworten. „In meinen Augen haben wir den Fans Gehör verschafft. Man darf aber nicht den Fehler machen, Meinungen von Einzelnen immer gleich allgemein zu machen. Bei 290.000 Mitgliedern ist das kein ideales Abbild und nicht repräsentativ“, sagte Trainer Julian Nagelsmann (34) am Freitag.

Klar ist auch: Hainer & Co. hatten angesichts der aufgeheizten Stimmung eine schwierige Versammlungsführung zu handhaben. Dass Wirbel um die Partnerschaft mit der katarischen Fluglinie drohte, war aber abzusehen. „Es müssten beide Seiten austüfteln, dass es einen besseren Rahmen gibt“, fand Nagelsmann.

FC Bayern in guter wirtschaftlicher Lage – trotz Corona

Was bei der JHV unterging: Trotz Corona-Pandemie und den damit verbundenen Verlusten und Einsparungen steht der FC Bayern wirtschaftlich im internationalen Vergleich immer noch top da, machte im Geschäftsjahr 2020/21 noch 1,9 Millionen Euro Gewinn nach Steuern. Zum Vergleich: Dortmund machte einen Gesamtverlust von 72,8 Millionen Euro.

„Wir haben keinen Cent Schulden und unsere Allianz Arena und der FC Bayern Campus gehören uns. Wir sind nicht fremdbestimmt und gehen unseren eigenen Weg mit Sachverstand, Kreativität und unglaublich viel Herzblut“, betonte Hainer.
Die Bosse wiesen am Donnerstag auch auf das soziale Engagement des FCB hin. Aber all das spielte an diesem denkwürdigen Abend nur eine untergeordnete Rolle. (bok/pk)

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