Langzeitvertrag für Rummenigge?

Dreesen: Wir erklären den neuen Hopfner

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Jan-Christian Dreesen

München - Jan-Christian Dreesen soll beim FC Bayern Nachfolger von Karl Hopfner werden. Wir erklären den neuen Finanzvorstand. An seiner Seite soll auch Karl-Heinz Rummenigge langfristig verlängern.

Jetzt ist es raus: Jan-Christian Dreesen wird nach übereinstimmenden Medieninformationen zum 1. Januar 2013 Finanzvorstand des FC Bayern und damit Nachfolger des erfolgreichen Karl Hopfner. Präsident Uli Hoeneß hat sich den 45 Jahre alten Banker höchstpersönlich ausgeguckt. Beide Macher kennen sich schon seit einer Weile, unter anderem von Hoeneß' Engagement für die Deutsche Sporthilfe.

Wer ist dieser Mann und wie gut kennt er sich mit Festgeldkonten aus? Dreesen ist seit September 2009 Vorstandsmitglied der Bayerischen Landsbank. nach dem unrühmlichen Milliardenverlust, mit dem Dreesen nichts zu tun hatte, war es bisher seine Aufgabe, die BayernLB zu sanieren und neu auszurichten. Bei der BayernLB ist er verantwortlich für das Privatkundengeschäft und Firmenkunden im Bereich "Corporates & Mittelstand".

Zuvor war Dreesen seit März 2008 Vorsitzender des Deutschland-Zweigs der Schweizer Großbank UBS und dabei zuständig für die Geschäftsfelder Wealth Management, Investment Banking und Global Asset Management.

Das klingt für Laien abstrakt, doch wie Hoeneß hat auch der Ostfriese Dreesen klein angefangen. 1995 begann der Betriebswirt nach einer Banklehre plus Studium als Kundenbetreuer bei der Bayerischen Vereinsbank. Über verschiedene Führungspositionen hinweg avancierte er 2006 schließlich zum Vorstand für die Ressorts Privatkunden und Private Banking bei der HypoVereinsbank, dem Finanzpartner des FC Bayern. Nach der Übernahme der HVB durch die italienische Großbank UniCredit nahm Dreesen allerdings nur wenige Wochen nach seiner Berufung in das Führungsgremium seinen Hut.

Historie: So zoffte man sich beim FC Bayern

"Der FC Bayern ist eine große Familie", sagte Philipp Lahm einmal in einem tz-Interview. Und wie es in einer gut funktionierenden Familie nun einmal der Fall ist, kracht es ab und zu mal gewaltig. So eben auch beim FC Bayern. Die "Sport Bild" hat die größten Skandale und Disharmonien der vergangenen Jahre aufgelistet. Meistens wirkten die Reibereien an der Säbener Straße ja wie reinigende Gewitter, und hinterher war die Luft klarer als zuvor ... Viel Spaß! © 
Im Jahr 1979 gibt es Dauerärger zwischen Trainer Pal Csernai und Superstar Gerd Müller. Auslöser für den Zoff ist eine Auswechslung Müllers in einem Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt. © Getty
Im selben Jahr lehnt die Mannschaft des FC Bayern geschlossen die Verpflichtung von Trainer Max Merkel ab. Daraufhin tritt Präsident Wilhelm Neudecker zurück. © Getty
Im Jahr 1983 kommt es auf der Asien-Reise zum großen Knall zwischen den Spielern Uli Hoeneß und Paul Breitner. Deren enge Freundschaft zerbricht auf Jahre hin. Mittlerweile ist das Verhältnis aber längst gekittet. © Getty
Im Krisenjahr 1991 will Stefan Effenberg Trainer Jupp Heynckes an die Gurgel. "Wollen wir vor die Tür gehen?", fragt er seinen Coach provozierend. © Getty
Erich Ribbeck hat 1992 Ärger mit Thomas Berthold und teilt dem Weltmeister mit, dass er nicht auf ihn zähle. Berthold setzt sich daraufhin ein Jahr lang auf die Tribüne. © dpa
Erich Ribbeck wird während seines Skiurlaubs im Winter 1993/94 entlassen. Dafür übernimmt Franz Beckenbauer das Traineramt. Der "Kaiser" führt die Bayern trotz eines Mega-Rückstands noch zum Titel. © Getty
Sturkopf Otto Rehhagel wird von den Bayern im Frühjahr 1996 entlassen, wieder übernimmt Franz Beckenbauer. Wieder springt ein Titel heraus, dieses Mal ist es der UEFA-Cup. © Getty
Jürgen Klinsmann sorgt 1997 dafür, dass sein Intimfeind Lothar Matthäus bei den Bayern als Kapitän abgesetzt wird. Der Ärger des Rekordnationalspielers ist riesig - und öffentlich. © Getty
Die Wut-Rede von Giovanni Trapattoni im März 1998 - legendär. Der Italiener geht offen auf die Mannschaft los, und schließt mit den Worten: "Ich habe fertig!" © Getty
In der Saison 1999/2000 geraten im Bayern-Training Bixente Lizarazu und Lothar Matthäus aneinander. Der Franzose verpasst "Loddar" eine gesalzene Watschn. © dpa
Nach dem Champions-League-Finale in der selben Saison macht Thomas Helmer eine abfällige Geste in Richtung Trainer Ottmar Hitzfeld. Der Abwehrchef wird suspendiert. © Getty
Pizzeria-Affäre: Mario Basler und Ersatzkeeper Sven Scheuer werden im Oktober 1999 rausgeworfen. © Getty
Franz Beckenbauer hält nach der peinlichen 0:3-Pleite in der Champions League bei Olympique Lyon im Frühjahr 2001 seine legendäre Wutrede. Wieder hatte ein Skandälchen heilende Wirkung: Bayern holte sich am Saisonende den Europapokal. © Getty
Im November 2005 erklärt Karl-Heinz Rummenigge auf der Hauptversammlunug, dass man das Vertragsangebot an den zaudernden Michael Ballack zurückgezogen habe. Der Jubel ist groß, der Aufschrei riesig. Ballack verlässt die Bayern zum Saisonende ablösefrei in Richtung FC Chelsea. © Getty
Herbst 2007: Nach einer schwachen Leistung in der Europa League kritisiert Karl-Heinz Rummenigge Trainer Ottmar Hitzfeld ("Fußball ist keine Mathematik, das man berechnen kann"). Auf der kurz darauf stattfindenden Hauptversammlung gibt es einen frostigen Handschlag. Bayern wird am Ende Meister und zieht ins Europapokal-Halbfinale ein - mit Hitzfeld. © Getty
Auf der Hauptversammlung 2007 kommt es auch zum Ausraster von Uli Hoeneß, der auf einige Fans losgeht ("Für eure Scheißstimmung seid Ihr doch selbst verantwortlich"!). © AP
November 2009: Philipp Lahm kritisiert in einem Interview die Vereinsbosse sowie die Philosophie des Klubs. Das Medienecho ist gewaltig, Uli Hoeneß ist stinksauer. Philipp Lahm erhält eine Geldstrafe. Am Saisonende gewinnen die Bayern das Double und stehen im Champions-League-Finale. © Getty
November 2010: Präsident Uli Hoeneß kritisiert den Stil von Trainer Louis van Gaal. Der zeigt sich in seiner öffentlichen Reaktion sehr enttäuscht. Kurz darauf gibt der Verein aber bekannt, dass sich die Streihähne zum Wohle des Vereins zusammengesetzt und alle Probleme gelöst hätten. © Sampics
April 2012: Im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Real Madrid (2:1) soll Franck Ribéry seinem Kollegen Arjen Robben ein Veilchen verpasst haben. Grund dafür war, dass Ribéry gegen Ende der ersten Halbzeit unbedingt einen Freistoß treten wollte, Robben aber darauf beharrte, Kroos schießen zu lassen. Angeblich wurde Ribéry daraufhin mit einer Geldstrafe von 50.000 Euro belegt. © dpa

Im Sport hat Dreesen bislang keine Erfahrungen. Dafür hat er beim FC Bayern aber kompetente Fachmänner zur Seite, zum Beispiel Karl-Heinz Rummenigge. Während sich Uli Hoeneß zunehmend aus dem Tagesgeschäft zurückziehen will, soll Rummenigge nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Anfang 2013 um vier oder fünf Jahre als Vorstandsvorsitzender verlängern.

kim

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