Spanier sagt Servus

Javi Martinez im Exklusiv-Interview - Kaum zu glauben, wie viele Lederhosen er hat

24 Titel hat Javi Martinez mit dem FC Bayern gewonnen. Jetzt trennen sich die Wege. In unserem großen Abschieds-Interview sagt der Spanier Servus.

München - Ein Hoch auf Javi Martinez* (32)! Kurz nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft haben wir mit dem Spanier – Spitzname: Xaver – auf seine Karriere beim FC Bayern* coronabedingt virtuell angestoßen. Am Ende der Saison verlässt der Defensiv-Spezialist die Münchner. Eine Zeit, die trotz einer schweren Knie-Verletzung vor allem von Mega-Erfolgen geprägt war. Im Interview spricht Martinez über seinen bevorstehenden Bayern-Abschied, seine Liebe zu München, sein Faible für Lederhosen, seine Nachfolger und seine Pläne für die Zukunft.

Nach neun unglaublichen Jahren endet Ihre Zeit beim FC Bayern. Wie fühlen Sie sich?

Martinez: Der Abschied fällt mir schwer, denn München war meine Heimat in den letzten knapp zehn Jahren. Ich verlasse hier viele Freunde und zudem einen Verein sowie eine Stadt, die mir alles gegeben haben, um glücklich zu sein. Ich bin ein Familienmensch. Als ich ein Kind war und für 15 Tage zu einem Sommercamp gefahren bin, habe ich mein Zuhause schon nach zwei Tagen vermisst. Dank der Menschen in München war das Wohlfühlen viel einfacher für mich.

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Wären Sie gerne länger geblieben?

Martinez: Ich wäre am liebsten für immer hier geblieben. Aber nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um diesen Schritt zu gehen. Das Wichtigste ist allerdings, dass der FC Bayern und ich unsere tolle Beziehung beibehalten, uns immer an die schönen Zeiten zurückerinnern. Der Verein und die Stadt München werden für immer meine Freunde bleiben!

Durch Corona können Sie sich leider nicht in einer vollen Allianz Arena* verabschieden...

Martinez: Das ist wirklich schade. Ich hätte mich gerne von unseren großartigen Fans verabschiedet. Aber ich hoffe sehr, dass ich noch einmal zurückkommen kann, um ordentlich Servus zu sagen. 

Ihr Traum war es, Journalist zu werden. Das Schreiben ist eine Ihrer großen Leidenschaften. Wie würde der Titel Ihres Buchs über Ihre Bayern-Zeit lauten?

Martinez: „El sueño que cumplí“. Übersetzt: „Der Traum, den ich mir erfüllt habe“.

Mit der Meisterschaft in diesem Jahr haben Sie 24 Titel mit den Bayern geholt.

Martinez: Davon hätte ich nicht mal zu träumen gewagt. Auf Instagram habe ich vorhin gelesen, dass das 2,7 Titel pro Jahr sind. Verrückt! Ich bin sehr dankbar und stolz auf all die Dinge, die wir gemeinsam erreicht haben. 

Welches Erlebnis auf dem Rasen war das schönste?

Martinez: Wenn wir Titel geholt haben oder wenn wir gegen große Gegner wie zum Beispiel Dortmund oder Leipzig gewonnen haben, war es immer sehr besonders. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich die Champions-League-Endspiele 2013 und 2020 wählen.

Ihr bitterster Moment?

Martinez: Mein Kreuzbandriss 2014 im Supercup gegen Dortmund*. Aber die Hilfe des Klubs, der Fans und der Menschen in der Stadt machte die Verletzung einfacher für mich.

Gibt es etwas, das Sie bereuen?

Martinez: Dass ich gegen den BVB diese Flanke von Juan Bernat erreichen wollte. Hierbei habe ich mich verletzt. Normalerweise hätte ich zurück auf meine Position gehen sollen, aber ich wollte ein Tor erzielen. Na ja, das ist Fußball…

Mit welchem Mitspieler kamen Sie am Besten klar?

Martinez: Wenn ich einen wählen müsste, dann Lucas Hernandez*. Er ist wie ein Bruder für mich. Wir hatten eine super Zeit, machten gemeinsam Urlaub. Aber ich gehe beispielsweise auch mit Joshua Kimmich und Manuel Neuer gerne Paddle-Tennis spielen. Wir alle sind nicht nur Kollegen, sondern Freunde. Für mich ist das mehr wert, als die Champions League zu gewinnen.

Wer wird in Zukunft die Integration von spanischen oder südamerikanischen Spielern übernehmen?

Martinez (lacht): Lucas macht das. Er spricht bereits gut Deutsch, auch Marc Roca kann bei der Integration helfen. Wir haben viele Spieler, die dabei behilflich sein könnten. Joshua spricht auch ordentlich Spanisch.

Apropos: Auf Ihrer Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld haben er und Leon Goretzka eine neue Ära eingeleitet. Wie gefällt Ihnen dieses Duo?

Martinez: Der wichtigste Teil eines Teams ist das Mittelfeld. Die beiden spielen super, harmonieren sehr gut. Ich hoffe, sie können das Level lange beibehalten. Das wäre sehr gut für den FC Bayern!

Was werden Sie an München am meisten vermissen?

Martinez: Am meisten werden mir die Besuche im Biergarten fehlen, bei denen ich mit meinen Freunden gerne mal ein paar alkoholfreie Paulaner getrunken habe. Ich bin allerdings sicher, dass ich oft nach München zurückkommen werde. Ich werde auf die Wiesn gehen – und natürlich in die Allianz Arena. Ich werde so viele Bayern-Spiele wie möglich live sehen. Meine zwei Kinder sind große Fans des FC Bayern. Sie tragen immer das ­Trikot.

Was gefällt Ihnen an der Wiesn?

Martinez: Ich komme aus Pamplona, da feiert man Sanfermines mit dem weltbekannten Stierlauf. Dieses Fest und die Wiesn kann man zwar nicht miteinander vergleichen. Aber beide Feiern sind besonders, man hat sehr viel Spaß, kann sehr einfach neue Leute kennenlernen. Das ist das Wichtigste!

Sie haben ja sogar in Ihrem Restaurant in Bilbao ein Paulaner Oktoberfest ins Leben gerufen.

Martinez: Es war etwas sehr Besonderes, so eine tolle Tradition nach Bilbao zu bringen. Wir haben alles mit der Hilfe von Paulaner organisiert. Sie haben uns wie Familienmitglieder behandelt. Danke noch mal! Die Menschen in Bilbao fragen mich immer: „Javi, wann veranstaltest du wieder ein Oktoberfest?“ Aber da meine Schwester das Restaurant nicht mehr als Managerin leitet, können wir das Oktoberfest in meinem Restaurant leider nicht mehr veranstalten…

Werden Sie Ihre Lederhose weiter anziehen?

Martinez: Klar. Traditionellerweise hat man nur eine. Aber ich bin ehrlich: Ich habe zwölf. Ich liebe Lederhosen! Es ist komisch: Meine Freunde haben mich meistens während der Wiesn besucht. Bis zu zwölf von ihnen waren mal zeitgleich da. Deshalb musste ich gut ausgestattet sein… (lacht).

Wie und wo geht’s nun weiter mit Ihnen?

Martinez: Nach der Saison werde ich mit meiner Familie ans Meer fahren, ein, zwei Wochen relaxen. Danach werde ich mir - gemeinsam mit meiner Familie - überlegen, wohin es für uns geht.

Wovon träumen Sie nach Ihrer aktiven Zeit?

Martinez: Von einer Weltreise. Aber mit meinen zwei kleinen Kindern kann ich das nicht machen. Ich würde sie sehr vermissen. Sie mich auch. Wenn ich mit der Mannschaft zu Spielen reise, rufen sie mich alle zehn Minuten an. Wenn sie älter sind, werden wir vielleicht gemeinsam um die Welt reisen. Sofern ich dann nicht zu alt dafür bin... (lacht).

Das Interview führte Philipp Kessler. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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