Weltmeister im Interview

Boateng: So wird mein neues Tattoo aussehen

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Jerome Boateng liebt Tattoos.

München - Im Interview mit der tz spricht Boss Boateng über seine neue Rolle, den Traum vom CL-Finale in Berlin und ein neues Tattoo.

Wenn der FC Bayern am Samstag in Köln antritt, ist auch Jerome Boateng wieder dabei. Verletzt ist er nicht, die Auswechslung gegen Paderborn war eine Vorsichtsmaßnahme. Auf Boateng kann Pep Guardiola auch nur schwer verzichten. Der 26-Jährige glänzt nämlich nicht nur als Matchwinner wie gegen Manchester City, sondern vor allem als Organisator der FCB-Abwehr. Mit der tz sprach Boss Boateng über seine neue Rolle, den Traum vom CL-Finale in Berlin und ein neues Tattoo.

Herr Boateng, war Ihr Einsatz in Köln gefährdet? 

Boateng: Ich hatte kleine Probleme an den Adduktoren, aber es ist nichts Schlimmes. Die Auswechslung gegen Paderborn war eine Vorsichtsmaßnahme. Ich bin wieder fit.

Das waren Sie in der Vorbereitung auch erstaunlich schnell. Die WM-Müdigkeit hat man Ihnen nicht angemerkt.

Boateng: Ich habe es eigentlich wie in jeder Pause gemacht. Ich habe schon eine Woche vorher angefangen zu laufen und mit einem Fitnesstrainer zu arbeiten. Deshalb bin ich ganz gut drauf.

Thomas Müller hat von leichten Motivationsproblemen gesprochen – der WM-Titel stehe schließlich über allem.

Boateng: Ehrlich gesagt habe ich gar nicht so oft über die WM nachgedacht, sondern die Tage mit der Familie genossen. Klar ist der WM-Titel das Größte, aber trotzdem habe ich keine Motivationsprobleme. Ich will mich weiter verbessern und Erfolg haben.

Führungsspieler wie Schweinsteiger und Ribéry fehlen seit Saisonbeginn. Wachsen Sie in die Lücke hinein?

Boateng: Ich bin jetzt 26 Jahre alt. Ich bin als Spieler und als Person gereift und möchte der Mannschaft helfen. Wenn ich dabei mehr Verantwortung übernehmen kann, schadet das nicht.

Als Sie 2011 zum FCB kamen, wurden Sie oft kritisch beäugt. Mittlerweile hat sich das komplett geändert.

Boateng: Wir haben ja auch sehr viele Titel gewonnen. Für mich persönlich ist es das Wichtigste, mich weiterzuentwickeln. Ich will mich verbessern und achte darauf, was der Mannschaft gut tut. Aber natürlich hat man auch mal schlechte Phasen. Als ich in der Triple-Saison nach meiner Roten Karte (in der CL gegen Borissow, Anm. d. Red.) einige Male zuschauen musste, damit Daniel van Buyten Spielpraxis für die Champions League bekam, war das auch nicht ganz einfach für mich. Aber im Nachhinein war das eine Situation, die mich stärker gemacht hat.

Trotzdem hat man das Gefühl, dass Sie es immer etwas schwerer als andere hatten.

Boateng: Ich schaue nur auf mich. Ich will so gut wie möglich spielen, damit wir Erfolg haben. Ich mache auch mal einen Fehler, aber das passiert anderen doch auch. Mir haben solche Situationen geholfen, noch einen Tick konzentrierter zu werden.

Ist aus dem Youngster Jerome jetzt der Boss Boateng geworden?

Boateng: Ich bin ja keine 22 mehr, ich übernehme gerne Verantwortung. Aber Fakt ist auch: Ich werde nie einer, der auf dem Feld groß rumschreit. Ich will durch meine Leistung überzeugen. Trotzdem arbeite ich daran, auf dem Platz mehr zu sprechen und anderen zu helfen. So, wie Philipp Lahm oder Xabi Alonso das machen.

Pep Guardiola sagt: Jerome kann der beste Verteidiger der Welt werden. Ein Lob oder Druck für Sie?

Boateng: Beides. Druck hat man beim FC Bayern doch immer. In erster Linie ist es ein großes Lob. Und auch eine Bestätigung meiner Arbeit. So viel habe ich also nicht falsch gemacht in meiner bisherigen Zeit beim FC Bayern. Ich habe mich in jeder Saison gesteigert. Und dennoch ist diese Aussage auch ein Ansporn.

In dem Buch „Herr Guardiola“ ist zu lesen, dass Sie das Verteidigen nie richtig gelernt hätten, sondern dachten, die Abwehrkunst sei angeboren.

Boateng (lacht): Ich meinte damit, dass viele andere Abwehrspieler Taktik und richtiges Verschieben explizit gelernt haben. Das galt für mich weniger. Heutzutage gibt es so viele Situationen, die speziell trainiert werden. Das war bei Hertha früher nicht so. Kopfbälle, Stellungsspiel und das Verschieben haben andere früher vielleicht intensiver geübt in ihrer Ausbildung, glaube ich. Das habe ich Pep so gesagt.

"Wollen Sie noch mal ins Ausland"?

Sie sind reifer geworden. Denkt man mit 26 perspektivischer? Wollen Sie noch mal ins Ausland?

Boateng: Das ist schwer zu sagen. Ich sage nicht, dass ich es mir nicht vorstellen kann. Im Moment fühle ich mich pudelwohl beim FC Bayern und weiß, dass ich dem Verein viel zu verdanken habe. Er hat mich geholt, als ich eine Knieverletzung hatte. Das macht auch nicht jeder Verein. Andererseits: Was in ein paar Jahren passiert, weiß man nicht. Im Fußball kann alles passieren. Heute bist du superglücklich, in einem Jahr sieht es vielleicht anders aus. Aber im Moment kann ich mir das nicht vorstellen.

Sie haben ein Jahr bei ManCity gespielt. Denken Sie manchmal: Ich bin da noch nicht fertig, ich muss noch was zeigen.

Boateng: Das wurde ich tatsächlich schon öfter gefragt. Die Premier League und den Fußball, der da gespielt wird, finde ich einfach klasse. Aber nicht fertig? Ich weiß nicht. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Aber es reizt mich schon, noch einmal dort zu spielen.

Hatten Sie als Kind einen Traumverein?

Boateng: Als Kind träumst du viel. Natürlich habe ich davon geträumt, mal bei Barça zu spielen. Oder in England. Damals spielten beim FC Arsenal Thierry Henry und Patrick Vieira, das war eine tolle Truppe. Aber ich bin jetzt beim FC Bayern und könnte glücklicher nicht sein.

Sie sind beim FCB gesetzt, in der Nationalelf mit Mats Hummels auch. Ist da überhaupt Konkurrenz in Sicht?

Boateng: Konkurrenzlos sind wir sicher nicht. Mats und ich verstehen uns gut, haben jetzt einige Male zusammengespielt und sind ein gutes Team. Es wäre aber nicht gut, wenn ich mich konkurrenzlos fühlte. Das täte auch meiner Entwicklung nicht gut. Konkurrenz ist doch immer gut – auch wenn der Konkurrent besser sein sollte als du selbst. Dann musst du nämlich an dir arbeiten, um wieder an ihm vorbeizukommen.

Ein möglicher Nebenmann wäre Holger Badstuber. Jetzt ist er schon wieder verletzt. Wie kann man ihm helfen?

Boateng: Das ist natürlich brutal hart. Aber Holger ist sehr stark und hat sich schon einmal super zurückgekämpft. Ich hoffe, dass er jetzt so schnell wie möglich zurückkommt. Wir können ihn unterstützen, aber wir dürfen ihn auch nicht nerven. Wenn wir ihn jeden Tag fragen, wie es ihm geht, hilft ihm das nicht. Das ist nicht gut. Wir dürfen keinen Druck auf ihn aufbauen. Er kennt seinen Körper am besten und weiß, was er machen muss.

Im nächsten Länderspiel treffen Sie auf einen neuen Bekannten. Haben Sie schon mit Robert Lewandowski gesprochen?

Boateng: Nein, noch nicht. Aber Thomas Müller hat schon ein paar Späße mit ihm gemacht und gesagt: Wir gewinnen zweimal knapp. Damit könnt ihr doch leben, oder? (lacht)

Wie verstehen Sie sich mit Robert?

Boateng: Gut. Dabei haben wir ja auch ein paar andere Erfahrungen miteinander gemacht. Aber seit er hier ist, war das noch kein Thema.

Im CL-Finale 2013 gab es von ihm einen Tritt, der nicht unbedingt unabsichtlich aussah…

Boateng: Okay, aber wir spielen jetzt in einer Mannschaft und ich bin froh, dass Robert bei uns ist. Er ist einer der besten Stürmer der Welt und ich hoffe, dass wir noch viel Spaß an ihm haben.

Das CL-Finale ist dieses Jahr in Berlin.

Boateng: Wenn wir dabei sind, wäre das nicht schlecht…

Eine Woche davor ist das Pokalfinale in der Hauptstadt. Bleiben Sie eine Woche zu Hause?

Boateng (lacht): Nein. Aber es wäre schon Wahnsinn, wenn ich die Chance bekäme, ein CL-Finale in Berlin zu spielen. Das wäre schon brutal. Ich kann mich noch erinnern, dass ich früher immer mit einem Freund aus meiner Klasse das CL-Finale angeschaut habe. Da hätte ich nie gedacht, dass ich überhaupt mal in so einem Endspiel stehen würde.

Neben dem Fußball und Ihrer Familie lieben Sie auch Tattoos. Haben Sie auch den WM-Triumph auf Ihrem Körper verewigt?

Boateng: Noch nicht, aber das wird kommen, sobald ich die Zeit dafür finde.

Wissen Sie schon, wie das Tattoo aussehen soll?

Boateng: Es wird der WM-Pokal. Aber da kommt noch etwas drum herum – was genau, weiß ich noch nicht. Das muss ich noch ausarbeiten. Wahrscheinlich kommt es auf meine Wade…

Interview: Sven Westerschulze, Michael Knippenkötter

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