Weltmeister vor Gericht

Boateng legt Berufung ein - Ex-Bayern-Star tauscht Anwalt aus

Jerome Boateng soll 1,8 Millionen Euro Geldstrafe bezahlen. Nun hat der ehemalige Star des FC Bayern München aber Berufung beim Amtsgericht eingelegt.

München - Jérôme Boateng (33) wird sein Gerichtsurteil nicht akzeptieren. Nach exklusiven tz-Informationen hat der Star-Kicker Berufung beim Münchner Amtsgericht eingelegt. Doch nicht nur das: Boateng hat auch neue Anwälte beauftragt, die ihn im Strafprozess um eine vorsätzliche Körperverletzung aus der Klemme verhelfen sollen.

Vom Amtsgericht kassierte Boateng am 9. September in München ein knallhartes Urteil: Insgesamt 1,8 Millionen Euro Geldstrafe muss der Ex-Profi des FC Bayern bezahlen, weil er seine frühere Lebensgefährtin mit der Faust geschlagen und beleidigt hatte. Das sah Richter Kai Dingerdissen als bewiesen an. Doch diese Strafe war Boateng offenbar zu viel. Eine Woche hatte er Zeit, um über eine mögliche Berufung nachzudenken – gestern stellte er den entsprechenden Antrag. „Neu bestellte Verteidiger des Angeklagten haben Berufung eingelegt, ebenso die Staatsanwaltschaft und die Nebenklagevertreterin“, bestätigt Anne Leiding, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I.

Jerome Boateng zu hoher Geldstrafe verurteilt - nun legt des EX-FCB-Star Berufung ein

Was bedeutet die Berufung? Ziemlich sicher wird der Strafprozess jetzt am Landgericht München I neu angesetzt. Das heißt auch: „In diesem Fall würde die Beweisaufnahme komplett wiederholt werden“, erklärt Klaus-Peter Jüngst, Sprecher des Münchner Amtsgerichts. Alle Zeugen müssen dann erneut aussagen – auch Boateng und seine frühere Lebensgefährtin, die ihn im Herbst 2018 angezeigt hatte. Sie erhob schwere Gewalt-Vorwürfe vor Gericht. „Fast täglich“, habe Boateng sie „gedemütigt und geschlagen“. Vor Gericht ließ sich aber nur ein Faustschlag beweisen.

Zu 60 Tagessätzen verdonnerte das Amtsgericht Jérôme Boateng – erst ab einer Anzahl von 91 ist man vorbestraft. Aber: Bei der Höhe der Tagessätze legte Richter Dingerdissen den Höchstsatz fest: 30.000 Euro. So viel, schätzte das Gericht, verdient der Fußballstar. Trotz der hohen Geldstrafe hatten Experten das Urteil sogar noch als milde gewertet, denn für Boateng hatte die Staatsanwaltschaft auch ein Jahr und sechs Monate Haft gefordert, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Das lehnte der Richter aber ab und beließ es bei der Geldstrafe.

Viel härter traf das Urteil ohnehin den Ruf von Boateng. Er gilt seither offiziell als Frauenschläger. Im Wiederholungsprozess wird es für ihn dann um alles gehen. Aktuell steht er für den französischen Club Olympique Lyon wieder auf dem Feld: Am Wochenende wurde Boateng zum ersten Mal eingewechselt

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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