Spiel gegen Hertha

Jerome Boateng: Pep Guardiolas Alleskönner

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Sebastian Rode (links) kommt für Jerome Boateng ins Spiel.

München - Jerome Boateng gefällt beim 2:0 gegen Hertha BSC Berlin in neuer Rolle – und steht für die Flexibilität des FC Bayern.

Es war nur eine ganz kurze Bewegung, aber sie schien Jerome Boateng zu helfen. Als Thomas Müller am Samstag den Führungstreffer erzielte, nutzte der Nationalspieler die Gunst der Stunde. Er machte sich auf zur Seitenlinie, zitierte einen Physiotherapeuten heran, legte sich auf den Rasen und ließ sein linkes Bein mobilisieren. Ein paar Sekunden, vielleicht fünf. Dann stand Boateng wieder auf und trabte zurück, auf seine neue Position im Mittelfeld des Rekordmeisters. Alle atmeten auf bei dieser Szene, in der er sinnbildlich stand für alles, was den FC Bayern beim 2:0 gegen Hertha BSC ausgemacht hat.

Zum einen: Verletzungen. Acht Spieler standen ohnehin schon auf der Abwesenheitsliste – zu den Dauer-Verletzten Franck Ribery (sagte wegen Erkrankung den Fanklub-Besuch gestern ab), Mario Götze und Thiago hatten sich die angeschlagenen Douglas Costa, Arjen Robben, David Alaba und Juan Bernat sowie der grippekranke Joshua Kimmich gesellt. Boateng sprach zwar davon, dass es bei ihm „nichts Ernstes“ sei. Sportvorstand Matthias Sammer hatte aber Sorgenfalten auf der Stirn, als er sagte: „Ich hoffe, dass wir es bei ihm langsam wieder in den Griff bekommen.“

Seit Monaten plagen Boateng Knieschmerzen. Die kommende Woche, in der lediglich das Auswärtsspiel in Mönchengladbach ansteht, wird er nutzen, um beschwerdefrei zu werden. Wann Alaba, Costa und Robben zurückkehren werden, vermochte Sammer nicht zu prognostizieren. „Es geht ihnen nicht schlecht, aber nicht gut genug, um zu spielen“, sagte er. Der Sieg gegen die Hertha zauberte auch deshalb ein Lächeln auf die Gesichter aller Beteiligten, weil es keine weiteren Verletzten gab.

Nach der erfolgreichen Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League, der Jahreshauptversammlung am Freitag, dem Trauerfall, wegen dem Pep Guardiola das Abschlusstraining verpasste, war diese Partie im Vorfeld fast untergegangen. „Die Mannschaft hat sich davon nicht leiten lassen“, lobte Sammer – und hatte Recht. Obwohl die Gäste sich wie immer mit neun Mann am eigenen Strafraum zurückzogen und es wenige Räume gab, verlor Guardiolas Team nicht die Geduld. Das 1:0 von Thomas Müller (24.) nach einer von Medhi Benatia verlängerten Ecke gab – nicht nur dem Torschützen, der mit seinem 13. Treffer den eigenen Saisonrekord schon am 14. Spieltag einstellte – Selbstsicherheit. Am zweiten Treffer durch Kingsley Coman waren dann sogar zwei Abwehrspieler beteiligt. Boateng spielte Javi Martinez an, der den Ball sehenswert weiterleitete. Und wieder war der Defensiv-Chef der Bayern das Sinnbild.

Zum ersten Mal hatte Guardiola Boateng zum Versuchskaninchen gemacht – er spielte nicht in, sondern vor der Abwehr. „Das war ungewohnt“, gab er zu, „aber die neue Rolle hat mir Spaß gemacht, es war nicht schlimm.“ Mit dem überragenden Martinez im Rücken, der der Mannschaft immer mehr Stabilität verleiht, je fitter er wird, fühlte sich Boateng pudelwohl. Er hatte starke Aktionen, nach hinten wie auch mit öffnenden Pässen nach vorne. Und Guardiola bewies mal wieder, dass mit diesem Kader alles möglich ist. Boateng und Martinez tauschten sogar später die Plätze. Die Flexibilität, die er seiner Mannschaft in zweieinhalb Jahren in München eingeimpft hat, unterscheidet die Bayern nochmal von jenen der Vorsaison.

„Jerome ist ein Phänomen“, sagte Sammer und lobte „die Ausstrahlung und die Konstanz“ des 27-Jährigen, dessen Vertragsverlängerung über 2018 beschlossene Sache ist. Er verkörpere den „Teamgedanken“, der ohnehin das „Allerwichtigste“ sei, „wenn man erfolgreich sein will“. Und das wollen die Bayern.

40 Punkten nach 14 Spieltagen gab es noch nie. Die 21. Herbstmeisterschaft wurde zwar noch nicht perfekt gemacht, weil der BVB gewann, ist aber so gut wie sicher. Sammer war das natürlich „wurscht“, denn „Herbstmeisterschaft kann man nirgendwo draufschreiben“. Und in einem Marathon-Lauf sei es ohnehin möglich, „auf jedem Meter oder Kilometer zu stolpern“.

Sammer schaut gerne kritisch auf das große Ganze – Guardiola sieht die Dinge etwas differenzierter. Der Blick auf die Tabelle macht dem Coach keine Sorgen, der Blick auf die Verletztenliste aber schon. „Wir hatten heute nur Coman für das Eins gegen Eins“, sagte der Spanier besorgt. Eigentlich habe er „den Wunsch nach weniger Verletzten“ gehabt: „Denn ohne großen Kader ist ein Sieg der Champions League unmöglich“, sagte er. Es sei denn, er beordert Boateng einfach noch weiter nach vorne. Denn der – so scheint es – kann alles.

Bayern souverän gegen Hertha - Dreimal Note Zwei!

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