Seine Rolle, seine Ziele

Boateng im tz-Interview: "Bayern-Kapitän? Kann ich mir vorstellen"

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tz-Reporter Knippenkötter im ­Gespräch mit Boateng.

München - Im tz-Interview spricht Jerome Boateng über seinen USA-Trip und den Besuch bei Jay Z. Zudem nimmt er Stellung zu Bastian Schweinsteiger, Douglas Costa und seinen persönlichen Plänen.

Herr Boateng, Sie waren im Sommer viel unterwegs. Was können Sie berichten von Ihrer Zeit in den USA?

Boateng: Ich bin zwei Wochen herumgereist, war zum Beispiel drei Tage in New York.

Sie haben sich mit Star-Rapper und Musik-Produzent Jay Z getroffen

Boateng: Genau. Er hatte mich dann noch eingeladen in sein Haus in L. A. Wir haben uns super verstanden, uns über verschiedene Dinge ausgetauscht.

Wie wohnt so ein Superstar?

Boateng: In einem schönen, großen Haus. Aber es ist schon eine andere Welt, das muss man sagen.

Selbst für einen Fußballstar.

Boateng: Ja, das ist schon interessant. Mir geht es aber vor allem um die Person, nicht das Drumherum. Es gibt auch nach wie vor Kontakt zu Jay-Z, wenn auch nicht jeden Tag. Wir tauschen uns über E-Mail aus. Ich bin schon seit Jugendzeiten Fan von ihm und seiner Musik.

Und ist er es auch von Ihnen und Ihrem Sport?

Boateng: Ja, er mag Fußball. Er war auch schon bei verschiedenen Spielen. Allerdings noch bei keinem Bayernspiel.

Die Initiative ging von Ihrem Management aus, es gilt abzuklopfen, wie man auf dem amerikanischen Kontinent vorankommen kann in Sachen Vermarktung. Es ist jetzt aber nicht so, dass wir Jerome Boateng bald singend erleben, oder?

Boateng: Nein, das nicht (lacht). Dazu wird es nicht kommen. Im Auto oder unter der Dusche kann man mich hören, ansonsten bin ich aber kein Sänger.

Aber Amerika-Fan.

Boateng: Ja, absolut. Es ist eine andere Kultur, es ist alles ein Stück größer. Natürlich ist auch viel Show dabei. Aber New York oder L.A., das sind tolle Orte, überhaupt nicht zu vergleichen mit den europäischen Städten. Es gibt unglaublich viel zu erleben, egal, in welchem Alter man ist.

Sie wollen noch einige Jahre für Bayern spielen. Ist New York danach eine Option?

Boateng: Ja! Überhaupt ist New York ein Traum für mich. Ich kann mir durchaus vorstellen, dort irgendwann mal zu leben.

Viele hatten den Schritt in die USA schon bei Bastian Schweinsteiger gesehen. Hat es Sie überrascht, dass er Manchester United gewählt hat?

Boateng: Nein. Gerade jetzt vor der EM wollte er noch mal zu einem sehr guten Klub wechseln, das kann ich verstehen. In die USA kann er immer noch gehen. Das war nun ein neuer Reiz für ihn, ein neues Umfeld, in dem er sich beweisen kann.

Was hat sich durch seinen Abgang für Sie geändert?

Boateng: Durch seinen Wechsel hat sich die Verantwortung nun auf mehrere Schultern verteilt. Thomas (Müller, Anm. der Red.) ist aufgerückt, ich bin aufgerückt in meiner Rolle. Ich sehe mich da auch in der Verantwortung und nehme das gerne an.

Ist die Binde ein Ziel für Sie?

Boateng: Es ist ein besonderes Amt, ich kann mir das irgendwann vorstellen. Das gilt auch für die Nationalmannschaft. Für mich wäre das schon etwas Besonderes! Wenn es dazu kommt, bin ich stolz. Aber ich brauche das nicht, um die Leute im Team zu erreichen.

Gerade die jungen Neuzugänge? Wie können Sie einem Kimmich, einem Benko helfen?

Boateng: Durch meine Erfahrungen. Das sind Kleinigkeiten, auf und neben dem Platz. Es hilft z.B. schon mal, sich einfach nur mit dem Spieler zu unterhalten, sodass er merkt, du hast das Interesse an ihm. Dass er merkt, er wird gebraucht. Und dann gibt es vieles anderes.

Würden Sie sagen, der Konkurrenzkampf ist so groß wie nie?

Boateng: Ja, der ist schon stark. Gerade in der Offensive. Und wenn Holger, Javi und Franck noch zurück sind, dann wird es richtig hart! Aber das tut der Mannschaft gut.

Kann man sagen, dass Sie einer von vier oder fünf Spielern sind, der sich keine Sorgen um seinen Stammplatz machen muss?

Boateng: Das erarbeitet sich jeder Spieler aufs Neue, ich auch. Ich muss auch meine Leistung bringen und will mich auch steigern. Ich darf mich nicht ausruhen, das geht nicht beim FC Bayern. Dazu geht es zu schnell. In einem Monat kannst du an einem ganz anderen Punkt sein als zuvor.

Können Sie sich vorstellen, mal an einem anderen Punkt in der Mannschaft zu sein? Also etwa im Mittelfeld aufzulaufen?

Kapitän Boateng? „Es ist ein besonderes Amt, ich kann mir das ­irgendwann vorstellen.“

Boateng: Puh, da haben wir gerade sehr viele Spieler (lacht). Ich habe es aber auch schon gespielt. Es ist hochinteressant und eine gute Erfahrung für einen Verteidiger, für seine Übersicht, den Spielaufbau. Aber mein Hauptaugenmerk liegt auf der Verteidigung. Mein Ziel ist es dabei, noch torgefährlicher zu werden. Ich will mehr Tore machen. Ich kriege insgesamt viele Chancen und will da effektiver werden.

Noch mal zum Kader: Staunen Sie manchmal, wenn Sie die Namen sehen beim FCB?

Boateng: Ja, das ist schon was Besonderes. Gerade wenn ich überlege, es als junger Berliner in diese Mannschaft geschafft zu haben.

Unter anderem ist Douglas Costa neu hinzugestoßen. Hatten Sie im Training schon mal ein Laufduell mit ihm?

Boateng: Nein, die Gelegenheit hatte ich noch nicht. Aber ich glaube, er ist schon auf den ersten Metern weg. Danach kann ich vielleicht noch mal herankommen. Aber der Antritt ist beeindruckend, das sieht man nicht oft.

Interview: Michael Knippenkötter

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