Heynckes lässt die Kritik von außen kalt

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Bayern-Coach Jupp Heynckes

München - Zuletzt hatten Spekulationen über Jupp Heynckes den FC Bayern verärgert. Am Donnerstagmorgen hat sich der Trainer persönlich zu seiner Zukunft und der Vertragssituation geäußert.

Es war voll gestern im Pressezentrum der Bayern, voller als sonst. Ein paar mehr Kameras, Kugelschreiber, kritische Blicke. Ein deutliches Zeichen, dass beim FC Bayern etwas nicht normal läuft. So wie in dieser Woche, in der quälend lange sieben Tage der Rückstand von sieben Punkten in die Tabelle gemeißelt ist, und die Vereinsführung per Pressemitteilung ihren Trainer verteidigen muss.

Zum Glück war immerhin der relativ gelassen. Ruhig und sachlich erläuterte der alte Rasen-Hase seine derzeitige Verfassung, zum Beispiel während des Trainings. „Wenn Sie mich erleben, dann sehen Sie, dass ich meinen Job mit Leben ausfülle – das heißt mit Freude, mit Spaß. Das, was im Moment von außen kolportiert wird, das kommt nicht an mich heran“, sagte Jupp Heynckes mit Blick auf die Medienberichte der vergangenen Tage.

Da wurde ja immerhin schon gemutmaßt, dass Don Jupp ab Sommer nicht mehr am Ruder ist. Seine Antwort: „Ich habe Vertrag hier und ich gehe mal davon aus, dass ich den Vertrag erfüllen werde.“ Die Kritik an seiner Person und seinen taktischen Maßnahmen ließ ihn kalt. Heynckes entgegnete den Kollegen mit den Kameras und Kugelschreibern: „Ich sage ganz ehrlich, ich hab in der Zeit, in der mein Vertrag von Ihnen fast verlängert wurde, keine Kritiken gelesen oder ganz selten, und so mache ich es jetzt im Moment auch.“

Diese Erfolge feierte Jupp Heynckes mit den Bayern

Am 24. März 2011 war's offiziell: Jupp Heynckes unterschreibt zum dritten Mal einen Vertrag als Trainer beim FC Bayern München. Am 30. Juni 2013 ist wieder Schluss, dann endet nach 1011 Bundesliga-Spielen als Spieler und Trainer eine beeindruckende Karriere. Wir werfen einen Blick zurück auf die Laufbahn von "Don Jupp". © sampics
Nach acht Jahren bei Borussia Mönchengladbach - ohne Titel - löste Jupp Heynckes zur Saison 1987/1988 beim FC Bayern den Meistertrainer  Udo Lattek ab. Lattek feierte in München insgesamt sechs Meisterschaften. Uli Hoeneß, damaliger Bayern-Manager, erhoffte sich vom gebürtigen Gladbacher eine erfolgreiche Ära. Auf nationaler Ebene konnte Heynckes die Ansprüche des FC Bayern erfüllen. © getty
In seiner ersten Saison wurde er aber "nur" Zweiter hinter Bremen. © getty
In seinen vier Jahren der ersten Amtszeit kam er als Chef-Trainer des FC Bayern international sowohl im UEFA Cup als auch im Europapokal der Landesmeister nie über das Halbfinale hinaus. Der Weltmeister von 1974 wurde in München dafür 1989 und 1990 Deutscher Meister. Dazu kommen zwei Vizemeisterschaften in seiner "Ära". © getty
In seiner fünften Saison wurde Jupp Heynckes nach einer 1:4-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers entlassen. Die Tabellensituation war bedrohlich, da die Münchner nur Zwölfter waren. Der Vorstand musste handeln. Hoeneß nannte den Rauswurf seines Freundes im Nachhinein seinen "größten Fehler". © sampics
Diese Freundschaft war auch ausschlaggebend, dass Heynckes aus seinem Ruhestand zurückkehrte und die Bayern übernahm, nachdem Jürgen Klinsmann 2009 entlassen wurde. Jupp war zufällig zu Besuch bei Hoeneß in München - sah sogar die letzte Partie Klinsmanns gegen Schalke - und paar Tage später saß er zum zweiten Mal beim FC Bayern auf der Trainerbank. © sampics
Heynckes sicherte dem  Rekordmeister die direkte Qualifikation für die Champions League und feierte damit seine dritte Vizemeisterschaft mit den Münchnern. Zur Meisterschaft fehlten den Münchnern zwei Punkte. © getty
In den letzten fünf Spielen holte der ehemalige Meistertrainer vier Siege und ein Remis. © getty
Zum 34. Spieltag gegen Stuttgart (Endstand 2:1) gab es für den 66-Jährigen einen Blumenstrauß zum Dank für die "Hilfe". Nach der Saison rechnete er mit seinem Vorgänger Klinsmann ab: "Sie können nicht am offenen Herzen operieren, wenn Sie noch nie an einem Operationstisch gestanden haben." © getty
Gerade aufgrund seiner ehrlichen und familiären Art sowie als Motivator schätzen ihn seine Spieler.  Des Weiteren schafft es Heynckes, aus einer sicheren Defensive ein schönes Offensivspiel spielen zu lassen. Dieses Gesamtpaket sicherte den Bayern 2009 noch die Teilnahme an der Champions League. © getty
Durch die Arbeit bei seiner zweiten Amtszeit in München hat sich Heynckes neue Motivation und Begeisterung für weitere Engagements geholt. Dass er mit Stars umgehen kann, bewies er nicht nur bei Real Madrid 1997/98. Auch bei seinem Intermezzo bei den Bayern hatte er die "Diven" Ribéry und Toni im Griff. © getty
An der Säbener Straße war er sich, auch als Chef-Trainer, für nichts zu schade - auch nicht für das Bälle tragen während des Trainings. © getty
Ein jubelnder Jupp Heynckes ist keine Seltenheit. Der Taktikfuchs geriet mit seinem Intimfeind Christoph Daum während des Meisterkampfes in der Saison 1988/1989 vor dem entscheidenden Spiel in Köln im Aktuellen Sportstudio aneinander. Am Ende gewann Jupp mit den Bayern 3:1 im Müngersdorfer Stadion und drei Spieltage später seinen ersten Titel überhaupt. © getty
Aber nicht nur im Inland feierte der Routinier Erfolge. Jupp Heynckes durfte 1997/1998 einen der größten Klubs der Welt trainieren. Durch seine gute Arbeit in Bilbao (von 1992 bis 1994 und 2001 bis 2003) und Teneriffa (1995 bis 1997) wurde der Champions-League-Rekordsieger auf den Westfalen aufmerksam. © getty
Und prompt in seiner ersten und auch letzten Saison bei Real feierte Heynckes seinen einzigen internationalen Titel als Trainer. Der Champions-League-Titel bewahrte ihn aber nicht vor dem Rauswurf, da Madrid in der Liga "nur" Platz 3 erreichte. Ein Jahr darauf hatte Heynckes eine kurze Amtszeit bei Benfica Lissabon . © getty
Im Juli 2003 holte der FC Schalke 04 Heynckes zurück nach Deutschland, um nach 2001 wieder um die Meisterschaft mitzuspielen. Allerdings blieb der Gladbacher in eineinhalb Jahren erfolglos. Man warf ihm vor, er würde nur noch von seinen alten Triumphen vorschwärmen und zu wenig auf die Spieler eingehen. © getty
Nach seinem misslungenen Comeback 2006 bei Mönchengladbach (Tabellen-16. nach 18 Spieltagen) entschied sich Heynckes, sich zur Ruhe zu setzen, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können - bis sein alter Kumpel aus München anrief. © getty
Von dem Intermezzo in München angeregt, ging es für Heynckes 2009 direkt weiter: Leverkusen wollte für seinen unglücklichen Versuch mit Bruno Labbadia einen "Fußballlehrer" und fand ihn im neu motivierten Heynckes. Die Bayer-Elf blieb in der Saison 2009/2010 24 Spieltage ohne Niederlage und holte sich den Herbstmeistertitel. Am Ende gelang immerhin noch der Sprung in die Europa League. © getty
Der alte und der neue Bayern-Trainer. Louis van Gaal (r.) und Jupp Heynckes (l.) beim 1:1 in Leverkusen 2010. In der Saison 2010/2011 ist Leverkusen die einzige Mannschaft, die den überragenden Dortmundern "folgen" kann. Diese erfolgreiche Arbeit überzeugte auch die Bayern-Bosse, weshalb sie Heynckes für zwei Jahre verpflichteten. © getty
Seine dritte Amtszeit bei den Bayern ab 2013 könnte mit dem totalen Triumph enden. © MIS
Nach drei zweiten Plätzen 2012 spielten die Bayern 2012/2013 eine phantastische Bundesliga-Saison und knackten einen Rekord nach dem anderen. Die Meisterschaft sicherten sich die Münchner so früh wie noch kein Team zuvor - am 28. Spieltag! © M.I.S.
Die Bierdusche, verpasst von Anatoli Timoschtschuk bei der Meisterfeier, hatte sich Heynckes redlich verdient. © dpa

In einer prekären Situation wie dieser lässt Heynckes seine Erfahrung sprechen: „Ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie die Automatismen sind, vor allem auch im Boulevard.“ Zudem will er alles nicht so schwarz sehen. Natürlich erkennt er die Problematik, wenn seine Truppe sieben Punkte hinter der Spitze liegt und auswärts „nicht so gut spielt“, aber er sagt auch: „Nichtsdestotrotz sind wir im Halbfinale des Pokals, im Achtelfinale stehen wir vor dem Rückspiel gegen Basel. Meiner Meinung nach ist der FC Bayern in der Lage, nicht nur das Spiel gegen Hoffenheim, sondern auch am Dienstag gegen Basel zu gewinnen!“ Klare Sache: Das wird schon…

Und wie ist die Pressemitteilung des Vorstands zu verstehen? „Das möchte ich nicht öffentlich kommentieren. Für mich ist es wichtig, dass man meine Arbeit schätzt, dass ich mit der Mannschaft harmoniere“, so Heynckes. Wie gut die Mannschaft ganz allein auf dem Feld harmonieren kann, muss (!) sie nun gegen Hoffenheim zeigen – und zwar erst mal ohne Bastian Schweinsteiger. „Er war wochenlang in der Reha, hat keine Sicherheit im Spiel und ist nicht in der physischen Verfassung, von Anfang an zu spielen“, sagt Trainer Heynckes. Der Mittelfeld-Mann sitzt also maximal auf der Bank. Doch auch das verkraftet sein erfahrener Trainer noch.

Michael Knippenkötter

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