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Uli-Therapie im Audi Dome

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Von: José Carlos Menzel López

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München - Uli Hoeneß will sich am Freitag erneut zum Präsident des FC Bayern wählen lassen. In der momentanen Situation könnte er ein wichtiger Antrieb sein.

Exakt 987 Tage. Solange musste er warten, doch am Freitag ist die Leidenszeit des Uli Hoeneß ein für allemal vorbei. „Das war’s noch nicht“, hatte der 64-Jährige am 2. Mai 2014 bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Audi Dome gesagt, bevor er seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung antrat. Und am Freitag wird er sein Versprechen erfüllen. Hoeneß, Bayern-Macher und Bayern-Antreiber, wird bei der JHV am Freitagabend (wir berichten im Live-Ticker) von den Mitgliedern seines FCB zum Präsidenten wiedergewählt werden. Und demnach auch das ein oder andere emotionale Wort verlieren. In Richtung Fans, nach den jüngsten Ergebnissen aber ebenfalls in Richtung Mannschaft.

Die Vergangenheit hat des Öfteren gezeigt, dass Hoeneß es wie kein anderer versteht, seine Bayern in schwierigen Momenten wachzurütteln. Nach zwei Niederlagen in Folge, Platz zwei in der Liga und der verspielten Tabellenführung in der Champions League muss man an der Säbener Straße nach Jahren des Sonnenscheins wieder das Wort Krise in den Mund nehmen, weshalb auch Trainer Carlo Ancelotti am Freitagabend seine Ohren spitzen dürfte, wenn Hoeneß ans Rednerpult tritt. Der Mister wird ebenfalls im Audi Dome präsent sein und weiß, dass er aktuell schwer in der Kritik steht. Und dass es einen Impuls benötigt, um seine Mannschaft wieder auf die Siegerstraße zu führen. Ob dieser Impuls von Hoeneß ausgehen kann?

Hoeneß will die Bayern zurück in die Spur führen

„Ich weiß nicht, ob es uns einen Push gibt“, äußerte sich Philipp Lahm eher skeptisch zum Thema. Der Kapitän weiter: „Aber das in der Vergangenheit sehr erfolgreiche Team Rummenigge und Hoeneß ist wieder vereint. Deshalb kann man positiv in die Zukunft blicken.“ Immerhin. Fakt ist: Hoeneß kann ein willkommener Antrieb in Zeiten der Krise sein, die Wahrheit liegt aber nach wie vor auf dem Platz und fällt demnach ins Aufgabengebiet von Ancelotti. Der Mister übernimmt auch die „volle Verantwortung“, wie er unmittelbar nach dem Rostow-Desaster vor laufender Kamera kundtat. Er weiß aber auch, dass er „die Mannschaft jetzt wieder in die Spur bringen muss“. Und zwar am besten schon am Samstag gegen Leverkusen.

Eine Kehrtwende in seinen Ansichten von System und Umgang mit der Mannschaft ist derweil nicht zu erwarten, er wird weiterhin auf seine Methoden, auf Ruhe und Sachlichkeit setzen. Greifen sollten seine Maßnahmen aber so schnell wie möglich, um seiner Mannschaft wieder die Selbstverständlichkeit in Spielfluss, Dominanz und vor allem Abwehrverhalten einzutrichtern, die sie bis vor einigen Monaten noch ausgezeichnet hatte. „Der Gegner hat sich die Torchancen nicht erarbeitet, wir haben sie ihm geschenkt. Wir machen einfach viel zu viele Fehler“, lautete Lahms Analyse. Und weiter: „Unser Problem ist, dass wir zu sorglos sind. Das hat uns in den letzten Jahren sehr stark gemacht, dass wir dem Gegner wenig zugelassen haben, wenig hergeschenkt haben. Das war eine unglaubliche Stärke von uns, und das fehlt augenblicklich.“

Jerome Boateng war der Meinung, man sei gegen Rostow „auseinandergebrochen“ und forderte zugleich „eine Antwort“ am Samstag gegen Leverkusen. Karl-Heinz Rummenigge hatte den Nationalverteidiger und seinen Lebenswandel nach dessen rabenschwarzen Abend in Russland (Boateng war an zwei Toren direkt beteiligt und musste hinterher angeschlagen vom Platz) ungewohnt scharf kritisiert und gefordert, er solle wieder „back to earth“ kommen. Boateng selbst suchte die Fehler jedoch im gesamten Team: „Jeder sollte in sich hineinhorchen. Es kommt so rüber, als sei es eine Einstellungssache.“ Will heißen: Nicht ein Einzelner ist verantwortlich, sondern die gesamte Mannschaft. Und nur als Mannschaft kommen die Bayern wieder aus der Krise heraus. Geschlossen. Als Bayern-Familie. Sieht Hoeneß bestimmt genauso.

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José Carlos Menzel López

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