1. tz
  2. Sport
  3. FC Bayern

„Wollte endlich Cheftrainer sein“: Schweinsteiger über Herausforderungen im neuen Job

Erstellt:

Von: Jacob Alschner

Kommentare

Tobias Schweinsteiger
Tobias Schweinsteiger posiert vor einem Vereinslogo im Stadion an der Bremer Brücke. © Friso Gentsch/dpa/Archivbild

Tobias Schweinsteiger spielte unter anderem beim FC Bayern, nun ist er Profi-Cheftrainer in Osnabrück. Die tz hat mit ihm über seinen neuen Job und mögliche Probleme gesprochen.

München - Er spielte bei den Amateuren des FC Bayern und in Unterhaching, war danach Co-Trainer in Hamburg und Nürnberg. Nun hat Tobias Schweinsteiger (40), gebürtiger Rosenheimer, beim VfL Osnabrück seine erste Station als Profi-Cheftrainer in Deutschland angetreten. Im Interview spricht er über seine Gründe für den Schritt in die erste Reihe, zwischenmenschliche Probleme eines Oberbayern mit Franken und das Duell mit dem TSV 1860.

Herr Schweinsteiger, Norddeutschen wird eine gewisse Reserviertheit nachgesagt. Können Sie das als Oberbayer in Osnabrück bestätigen? 

Schweinsteiger: Die Menschen sind freundlich, ich kann mit Niedersachsen ganz gut. Das war in Franken schwieriger. Der Franke, wenn man das so sagen kann, kann durchaus pessimistisch und mitteilungsbedürftig sein. Eine schlechte Kombination. (lacht) 

Wie haben Sie sich beim VfL eingelebt? 

Schweinsteiger: Gut! So langsam habe ich auch etwas mehr Freizeit. Am Anfang gab es sehr viel zu tun: Ich musste die Mannschaft kennenlernen, sie auf das erste Spiel vorbereiten, das Transferfenster schloss bald und ich musste mich auch erst einmal einrichten. Das war heftig, sehr intensiv. Aber das habe ich mir ja selbst ausgesucht. 

Sie haben Osnabrück nach der Vorbereitung übernommen, verunsichert durch einen plötzlichen Trainer-Abgang (Scherning nach Bielefeld, d. Red.). Eine Mannschaft auf dem zwölften Tabellenplatz, der bei Weitem nicht der Anspruch des Vereins ist. Wieso haben Sie sich das angetan? 

Schweinsteiger: Weil ich endlich Cheftrainer in Deutschland werden wollte. Meine Voraussetzung war dabei immer, dass Mannschaft und Verein zu mir passen. Mit Osnabrück hatte und habe ich dieses Gefühl. Ein Verein mit gutem Umfeld, krasser Fankultur, das Stadion ist Wahnsinn und auch die Zweitliga-Ambitionen stimmen. Klar, man wünscht sich für die erste Station als Cheftrainer, dass man die gesamte Vorbereitung gestalten kann. Aber das kann man sich nicht immer aussuchen. Und jetzt sage ich: Das passt sehr, sehr gut. 

Sein kleiner Bruder Bastian Schweinsteiger zeigte sich zuletzt ganz privat und verriet seine Lieblingsorte in München.

Schweinsteiger über Jobwechsel - arbeiten unter schlechteren Bedingungen?

Sie waren zuvor Co-Trainer beim HSV und in Nürnberg, außerdem Cheftrainer der zweiten Mannschaft des Linzer ASK. Sie haben unter hervorragenden Bedingungen gearbeitet, die Sie in Osnabrück nun nicht haben. Bis dato hat der VfL keinen einzigen Trainingsplatz mit Rasenheizung. Hat Sie das nicht abgeschreckt? 

Schweinsteiger: Nein, gar nicht. Die Bedingungen beim VfL sind gar nicht so schlecht. Das Niveau hier ist natürlich nicht dasselbe wie beim HSV oder beim Club, aber doch ähnlich dem Niveau beim LASK. Außerdem baut der VfL gerade ein neues Trainingszentrum, entwickelt sich also weiter. Unser Stadion ist zwar alt, aber das macht es aus. Die Atmosphäre ist brutal und im Vergleich zum Grünwalder noch mal eine Nummer drüber. Ich bin niemand, der Schnickschnack braucht. Ich bin ein Arbeiter, will selbst mit anpacken. Das passt hier gut. 

Nach neun Spielen liegen Sie mit je drei Siegen, Unentschieden und Niederlagen auf Platz zehn. Zufrieden? 

Schweinsteiger: Die Mannschaft hat Potential, gegen jeden Gegner zu gewinnen, aber eben auch zu verlieren. Das macht die 3. Liga grundsätzlich aus. Wenn wir so weiterarbeiten, können wir vielleicht noch ganz oben angreifen. Im Winter müssen wir schauen, wo wir stehen und ob wir uns punktuell noch verstärken. 

Sie wirken sehr besonnen, sehr ruhig. Ein gesundes Gegengift für die volatile Stimmung beim VfL? 

Schweinsteiger: Ich habe gelernt, dass es im Leben sehr viel Wichtigeres gibt als die Frage: Sieg oder Niederlage? Ich bin Wettkampf-Typ genug, um meine Spieler anzutreiben. Aber ich kann nach Abpfiff relativ schnell nüchtern analysieren. Zu lange in Schwarz-Weiß zu denken, das habe ich in Hamburg und Nürnberg gelernt, kostet nur Kraft und wirklich schlauer wird man dadurch nicht. Auch ich habe nach einer Niederlage zwei, drei Tage einen Kloß im Hals, aber ich muss die Jungs trotzdem aufbauen. Bisher spüre ich, dass diese Art hier gut ankommt. 

Tobias Schweinsteiger über Vorbilder im Job und Aufstiegs-Chancen von 1860

Haben Sie ein Vorbild? 

Schweinsteiger: Ich hatte selbst viele Trainer und an den meisten von ihnen nehme ich mir Positiv- wie Negativbeispiele. Plakativ ausgedrückt sind Vorbilder für mich aber Marcelo Bielsa, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Erik ten Haag. Von Bielsa ist es die Intensität im Spiel mit dem Ball, die mich beeindruckt. Von Klopp ist es das Spiel gegen den Ball, von Tuchel die taktische Variabilität während des Spiels. Und ten Haag (trainierte Schweinsteiger beim FC Bayern, d. Red.) hat mich dazu gebracht, Trainer zu werden. Er hat seinen eigenen Spielstil, weiß aber auch, dass man diesen je nach Gegner anpassen kann. Mir tut es gut, zu sehen, dass selbst für Spitzentrainer der Schlüssel zum Sieg manchmal in der Einfachheit liegt. Man kann der Mannschaft so ein gutes Gefühl geben und das sollte immer über allem stehen: ein gutes Gefühl beim Fußballspielen. 

Sie waren beim FC Bayern und in Unterhaching. Wie ist Ihre Sicht auf den TSV 1860?

Schweinsteiger: Sechzig spielt immer schon eine große Rolle in meinem Leben. Aktuell haben sie eine gute Mannschaft mit einer guten Mischung aus Talent und Erfahrung. Michael Köllner hat Kontinuität in den Verein eingebracht und es war gut, dass sie den Aufstieg so offensiv als Ziel ausgegeben haben. Wobei alles andere nach zwei vierten Plätzen in den Vorjahren auch nicht zu verkaufen gewesen wäre. Auch die Verstärkungen in diesem Sommer waren super. Sie haben definitiv das Zeug für den Aufstieg. Die Stadt München braucht den TSV als Zweitligisten.

Worauf haben Sie mehr Lust? Aufs Heimspiel gegen die Löwen am 15. Oktober oder auf das Rückspiel?

Schweinsteiger: Definitiv auf das Heimspiel. Und nach dem Heimspiel habe ich Bock auf das Rückspiel! Als Cheftrainer ins Grünwalder zurückzukehren, in die Stadt München…das wird besonders!

Interview: Jacob Alschner

Auch interessant

Kommentare