tz-Interview mit Olympiasieger

FC-Fan Reckermann: "Da ist der FCB nicht unverwundbar"

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FC-Fan und FC-Profi: Jonas Reckermann (l.) posiert gemeinsam mit Verteidiger Dominique Heintz.

Köln - Jonas Reckermann fiebert mit dem 1. FC Köln. Vor dem Gastauftritt des FC Bayern in der Domstadt spricht der Olympiasieger über seine Beziehung zum Klub und die Partie.

Herr Reckermann, verraten Sie uns warum die FC-Profis ihre Köpfe am Samstag nicht schon vor dem Anpfiff in den Sand stecken sollten?

Reckermann: Weil ich den FC Bayern vor drei Wochen in Wolfsburg gesehen habe. Und da wäre für den VfL mehr möglich gewesen, als die Bayern nur ein bisschen zu ärgern. Denn in der Defensive ist auch der FCB nicht unverwundbar. Daher hoffe ich, dass der FC mutig auftritt und es schafft, in die Nähe des Tores zu kommen - auch wenn es verdammt schwer wird, weil die Bayern mit Abstand die beste Mannschaft der Liga sind. Aber ich gehe nicht ins Stadion, um mich schon im Vorfeld mit einer Niederlage abzufinden. Und daher wünsche ich mir, dass auch der FC nicht zu den Mannschaften gehört, die im Vorfeld schon eine knappe Niederlage unterschreiben würden.

Sie kommen aus Rheine, das liegt doch im Emsland…

Reckermann (ruft): Falsch, falsch! (lacht) Rheine ist richtig, aber Emsland ist ein Schimpfwort bei uns. Das beginnt zehn Kilometer weiter nördlich. Rheine gehört noch zum Münsterland.

Sorry! Aber trotzdem: Wie wird man da zum FC-Fan?

Reckermann: Das ist eine berechtigte Frage. Mein erstes Bundesligaspiel habe ich 1988 in Köln gesehen, zusammen mit meinem Vater. Der ist übrigens Gladbach-Fan. Aber fragen Sie mich jetzt nicht, warum er mich damals zum FC mitgenommen hat. Jedenfalls hat Köln gegen Bremen gespielt, Werder wurde in dem Jahr Meister. Und der FC hat sie 2:0 geschlagen. Da spielten noch Pierre Littbarski und Thomas Häßler in Köln, mit dem Tag war es um mich geschehen.

Ihr Vater Gladbacher, ihr langjähriger Partner im Beachvolleyball Julius Brink ist Leverkusen-Anhänger. Lauter Rivalen um Sie treuen FC-Fan…

Reckermann (r.) mit Beachvolleyball-Partner Julius Brink.

Reckermann: Grausam, der Julius. Grausam. Als Köln-Fan frageich mich eh, wie man Leverkusener werden kann. Aber er ist dort aufgewachsen, da hat er eine gute Entschuldigung parat. Wenn wir vor oder nach unserem Training über Fußball geredet haben, hatte er meistens mehr zu lachen. Allerdings habe ich einen gemeinsamen Stadionbesuch immer noch in bester Erinnerung…

… an welchen denken Sie?

Reckermann: An den 4:1-Sieg des FC in Leverkusen 2011. Das war für mich wie Weihnachten und Ostern zusammen. Am Ende der Saison sind wir leider trotzdem abgestiegen. Da sehen Sie, wie nah Freud und Leid beim FC beieinander liegen.

Sie wollten als Kind auch Fußballer werden. Sind Sie nach ihrer erfolgreichen Beachvolleyball-Karriere froh, dass Sie es nicht geworden sind?

Reckermann: Das ist schwer zu beantworten. Am wichtigsten ist es, das, was man macht, mit Spaß anzugehen. Ich will das nicht vergleichen. Wenn ich den gleichen Erfolg, den ich im Beachvolleyball hatte, im Fußball erreicht hätte, wäre sicher eine ganze Menge mehr Geld auf meinem Konto. Auf der anderen Seite müsste ich aber Einschnitte im Privatleben machen. Auch welche, die ich nicht bereit wäre, hinzunehmen. Diese Popularität der Fußballer möchte ich nicht haben, da gibt es gar keine Privatsphäre mehr. Ich bin so zufrieden, wie es ist. Sie verdienen das Geld für das, was sie tun. Und ich bin sehr glücklich mit dem, was ich im Beachvolleyball erreicht habe.

Und was macht Ihnen am FC derzeit am meisten Spaß?

Reckermann: Viele Dinge. Erstmal ist es toll, dass man ohne große Abstiegsangst in eine Saison geht. Das hat man als FC-Fan selten gehabt in den letzten Jahrzehnten. Das liegt auch am Umfeld. Trainer, Manager, Präsidium - da sind Leute am Werk, die sehr solide und gut arbeiten. Er herrscht viel Ruhe im Verein, was man in Köln eigentlich nicht gewohnt ist. Und das tut der Mannschaft auch gut. Die Spielweise ist offensiver als im Vorjahr, junge Spieler wie Yannick Gerhardt machen mir sehr viel Spaß in den letzten Wochen. Die Mannschaft tritt als Team auf. Es ist kein herausragender Einzelspieler dabei, von dem alles abhängt. Aber auch bei uns gibt es Spieler, die das Potenzial für die Champions League haben, wenn ich an Timo Horn oder Jonas Hector denke.

Wäre ein FC-Sieg am Samstag genau so eine Überraschung wie Ihr Olympiasieg 2012 in London?

Reckermann: Wenn wir von Wahrscheinlichkeiten ausgehen, wäre beides wohl ähnlich. Das liegt daran, dass ich dem FC durchaus zutraue, etwas mitzunehmen. Julius und ich sind damals auch ins Turnier gegangen und wussten, dass wir jeden schlagen können. Dass wir alle Favoriten hintereinander besiegen würden, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Es war sicherlich eine Überraschung, aber keine Sensation.

Interview: Sven Westerschulze

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