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Nach Corona-Infektion: Bayern-Star Kimmich gibt denkwürdiges TV-Interview - „Das verurteile ich“

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Von: Patrick Mayer

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Emotionales ZDF-Interview: Joshua Kimmich vom FC Bayern.
Emotionales ZDF-Interview: Joshua Kimmich vom FC Bayern. © Screenshot ZDF

Joshua Kimmich vom FC Bayern spricht erstmals in einem Interview über seine Infektion mit dem Coronavirus. Er wird sehr emotional.

München - Joshua Kimmich vom FC Bayern München hat sich in der Coronavirus-Pandemie öffentlich seinen Kritikern gestellt - einmal mehr. Der 26-jährige Nationalspieler, der sich nicht impfen ließ und dann mit Corona ansteckte, gab der „Sportreportage“ des ZDF ein emotionales und denkwürdiges Interview.

Joshua Kimmich (FC Bayern): Emotionales Interview in ZDF-Sportreportage

Der Bundesliga-Star sprach über Impfungen, Kritik aus der Mannschaft des deutschen Rekordmeisters - und seine Gehaltskürzungen an der Säbener Straße in München. tz.de hat Passagen des ZDF-Interviews mitgeschrieben. Joshua Kimmich sprach (dar)über ...

... seine Infektion mit dem Coronavirus. Kimmich: „Generell war es natürlich eine sehr, sehr schwierige Zeit für mich. Ich hatte Glück, dass mein Krankheitsverlauf relativ mild war. Ich hatte wenig Symptome. Natürlich habe ich nichts geschmeckt und nichts gerochen. Leider wurde bei mir dann bei der Abschlussuntersuchung beim CT festgestellt, dass ich noch ein bisschen Flüssigkeit in der Lunge habe. Und dass ich somit noch zehn Tage ruhiger machen muss und erst danach wieder ins Training einsteigen kann. Das bedeutet, dass ich noch kein intensives Training machen kann, weil sonst die Gefahr ist, dass es aufs Herz und man dann längere Folgen davonträgt. Aber wenn ich es jetzt, wie gesagt, zehn Tage etwas ruhiger angehen lasse, sollten keine weiteren Folgen entstehen.“

... die Zeit in Quarantäne und mit der Infektion. Kimmich: „Es war natürlich nicht schön. Ich war davor schon zwei Wochen in Quarantäne. Jeweils eine Woche als Kontaktperson. Und am letzten Tag meiner Quarantäne kam dann der positive Test. Da hab ich dann natürlich gehofft, dass ich einen milden Verlauf haben werde und keine Folgeschäden davontragen werde.“

Das wäre mit einer Impfung nicht passiert.

Joshua Kimmich über seine Corona-Folgen

Joshua Kimmich (FC Bayern): Bundesliga-Star will sich nach Genesung impfen lassen

.. die Gründe, warum er sich nicht impfen ließ. Kimmich: „Ich habe lange Zeit sowohl bei der Krankheit als auch beim Impfen Risiken gesehen. Ich habe gedacht, dass ich mich selbst vor der Krankheit schützen kann, wenn ich mich an die entsprechenden Maßnahmen halte. Dadurch, dass ich alle drei Tage getestet wurde, konnte ich ausschließen, dass ich eine Gefahr für alle anderen darstelle. Was für mich wichtig war. Im Endeffekt habe ich selber zu spüren bekommen und gemerkt, gerade jetzt in der vierten Welle, wenn die Inzidenzen wieder steigen, dass man es eben nicht nur durch eigenes Verhalten beeinflussen kann, ob man mit dem Virus in Kontakt kommt oder nicht. Wir hatten dann auch in der Mannschaft den einen oder anderen Fall. Weshalb ich dann auch in Quarantäne musste. Und da wurde mir dann schon bewusst: ‚Du hast es nicht in der eigenen Hand.‘“

... ob er sich impfen lassen wollte. Kimmich: „Ja. Ich hatte sogar schon einen Impftermin während meiner zweiten Quarantäne als Kontaktperson. Ich hatte den Termin mit dem Arzt vereinbart, leider kam ja dann die Erkrankung zuvor.“

... ob er sich nun gegen Corona impfen lässt. Kimmich: „Jetzt ist es ja erstmal so, dass ich in ein paar Tagen als genesen gelte. Dieser Status dauert eine gewisse Zeit lang an. Wenn es dann empfohlen wird, und der Zeitpunkt da ist, werde ich mich impfen lassen. (...) Natürlich wäre es besser gewesen, mich früher impfen zu lassen. Aus mehreren Gründen. Es gibt ja viele gute Gründe, sich impfen zu lassen. In erster Linie, um sich selbst zu schützen, damit man sich nicht infiziert. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich dann nicht hätte in Quarantäne als Kontaktperson müssen. Es war für mich schwierig, mit meinen Ängsten und Bedenken umzugehen. Deshalb war ich so lange unentschlossen. Deshalb konnte ich die Entscheidung zu dem Zeitpunkt auch nicht treffen und musste erst das durchleben, was ich jetzt durchlebt habe. Rückwirkend gesehen würde ich die Entscheidung des Impfens früher treffen.“

Im Video: Bayerns Joshua Kimmich lässt sich nun doch impfen

Joshua Kimmich (FC Bayern): Münchner hatte schlechtes Gewissen gegenüber Kollegen

... schlechtes Gewissen gegenüber Mannschaftskollegen? Kimmich: „Das schlechte Gewissen ist auf jeden Fall da. In erster Linie natürlich meiner Familie gegenüber, die sich viel anhören mussten. Aber natürlich auch meinen Mitspielern gegenüber. Ich war dann derjenige, der Zuhause saß und diese Highlight-Spiele verpasst. Der, der der Mannschaft nicht helfen konnte. Genauso gut habe ich die Mannschaft dadurch im Stich gelassen. Nicht dadurch, dass ich mich infiziert habe. Aber dadurch, dass ich zweimal je eine Woche verpasst habe, weil ich Kontaktperson war. Das wäre mit einer Impfung nicht passiert.“

... etwaige Kritik aus der Mannschaft des FC Bayern? Kimmich: „Kritik nicht. Wir haben offen und ehrlich darüber gesprochen, mit dem einen oder anderen Mitspieler. Sie haben nachgefragt. Am Ende des Tages ist es die Entscheidung jedes Einzelnen, was jeder akzeptieren muss. Auf der anderen Seite könnte ich es verstehen, dass man sich darüber ärgert, wenn ein Mitspieler fehlt, wenn wichtige Spiele anstehen.“

... über die Gehaltskürzungen durch den FC Bayern. Kimmich: „Absolut kann ich das nachvollziehen. In der Thematik gibt es keine zwei Meinungen. Das war das gute Recht des Vereins, davon haben sie Gebrauch gemacht. Deswegen hat man das zu akzeptieren.“

Bayern-Star im Fokus: Joshua Kimmich im Interview mit dem ZDF.
Bayern-Star im Fokus: Joshua Kimmich im Interview mit dem ZDF. © Screenshot ZDF

Joshua Kimmich (FC Bayern): Bundesliga-Star ging nicht-sachliche Kritik an ihm zu weit

... Verständnis für Kritik an ihm. Kimmich: „Absolut. Jegliche sachliche Kritik kann ich nachvollziehen und verstehen. Vor allem zur jetzigen Zeit, wo die Inzidenzen wieder deutlich ansteigen. Trotzdem, muss ich sagen, wurden einige Grenzen überschritten. Ich hatte schon das Gefühl, dass es den einen oder anderen gab, der versucht hat, sich durch diese Diskussion zu profilieren. Das war dann nicht immer nur sachliche Kritik. Und es ging nicht immer nur darum, die Unentschlossenheit zu kritisieren. Es geht mir nicht darum, diese Unentschlossenheit oder meine Entscheidung zu rechtfertigen. Dass man das kritisiert, ist für mich völlig in Ordnung. Es war zu erwarten. Das muss ich auch aushalten. Es ist schwierig, wenn es darüber hinausgeht. In meinem Fall sind sehr viele persönliche Informationen an die Öffentlichkeit geraten, die dann da gespielt wurden. Es war dann so, dass man in mein Heimatdorf gefahren ist, bei meinen Eltern geklingelt hat. Versucht hat, die vor die Kamera zu kriegen. Meine Onkels. Meine Tanten. Man ist ins Dorf in die Wirtshäuser gegangen und hat versucht, dort die Menschen zu interviewen. Vor der Kirche. Es war sogar so, dass bei der Beerdigung meines Opas Presse vor Ort war. Und da stelle ich mir schon die Frage, wo ist da die Grenze. Wie wollen wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen. Wir sprechen immer von Respekt, Toleranz, Offenheit. Und das sind Werte, die mir in meiner Diskussion extrem gefehlt haben. Da wurden Grenzen überschritten, wo manche auf den Zug aufgesprungen sind, um sich zu profilieren, um die Ganze Diskussion für sich selbst zu nutzen. Das verurteile ich absolut.“ (pm)

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