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„Die Aufregung ist absurd“ - Sportphilosoph analysiert Impf-Ärger um Kimmich

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Von: Nico-Marius Schmitz

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FC Bayern-Star Joshua Kimmich zeigt gegen Benfica Lissabon seine wohl beste Saisonleistung.
FC Bayern-Star Joshua Kimmich zeigt gegen Benfica Lissabon seine wohl beste Saisonleistung. © imago

Joshua Kimmich (26) steht, weil er noch nicht geimpft ist, im Fokus. Ein Professor für Sportphilosophie spricht jetzt Klartext und überrascht mit einem Statement.

München - Die Impf-Debatte um Joshua Kimmich (26) hat hohe Wellen geschlagen – und wird auch weiterhin fleißig in der Öffentlichkeit kommentiert. Die Ex-Fußballer Paul Breitner und Mario Gomez kritisierten den Bayern-Star, der sich das Vakzin gegen den Virus noch nicht verabreichen hat lassen. Selbst die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel meldete sich zu Wort.

„Ich verstehe die Aufregung um seinen Impfstatus nicht und halte sie für sehr unangemessen“, findet Volker Schürmann im Gespräch mit der tz. Aus Sicht des Professors für Sportphilosophie an der Deutschen Sporthochschule Köln seien die Diskussionen um den Fall Kimmich zwar „verständlich, aber die Aufregung darum absurd“.

Impf-Debatte um Kimmich verzehrt Blick auf weltweit ungerechte Impfstoff-Verteilung

Er erklärt: „Zum einen steht diese Aufregung um einen einzigen prominenten Fußballer in keinem Verhältnis zu dem, was stattdessen die knappe Zeit der Nachrichten füllen könnte und müsste. Wenn zum Beispiel mit dem gleichen Aufwand und der gleichen Verve über die inakzeptabel ungerechte weltweite Ungleichverteilung von Impfstoffen berichtet und diskutiert würde, dann wäre klar, dass etwas auf dem Spiel steht.“

Statt sich zu empören, wie viele Millionen Menschen weltweit gar nicht vor der Frage stünden, ob sie sich impfen lassen oder nicht, gebe es laut Schürmann „viel Wind um einen Einzelnen, der zudem das Privileg hat, sich kostenlos impfen und täglich testen lassen zu können“.

Und zum anderen? „Haben wir keine Impfpflicht, was man bedauern kann, aber schlicht die aktuelle Rechtslage ist. Sich impfen zu lassen oder nicht, ist bei uns eine private Entscheidung“, betont der Professor.

Klare Position zur Impf-Pflicht

Aus Schürmanns Sicht sei es allerdings ein Fehler, dass es keine Impf-Pflicht gebe. Es sei schlicht falsch, dass jeder selbst wissen müsse, ob er sich impfen lasse oder nicht. „Denn wir sind alle betroffen. Was hätte denn heißen sollen, dass jeder selbst entscheiden kann, sich gegen Pocken zu impfen oder nicht?“, fragt der Sportphilosoph. „Impf-Pflicht ist ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte? Hinter solchen Vorbehalten steht ein fragwürdiger Freiheitsbegriff, der schlicht verkennt, dass wir Freiheit nur miteinander haben können, aber nicht einzeln. Tatsache ist aber nun einmal, dass es bei uns keine Impf-Pflicht gibt. Und dann ist der Fall klar und eindeutig. Dann ist es Privatsache, ob man sich impfen lässt oder nicht.“ Aktuell sei jede Form des „öffentlichen Drucks ein Beitrag zu einer Impf-Pflicht durch die Hintertür“.

Schürmann fürt aus: „Schon die 2G-Regel steht dann in jedem Einzelfall vor einem sehr deutlichen Begründungsaufwand. Kampagnen gegen einzelne Ungeimpfte sind dann schlicht unzulässig. Das eben heißt Rechtsstaat: private Entscheidungen sind geschützt, und tatsächlicher Schutz ist dann gefragt, wenn eine solch private Entscheidung dir oder mir oder Herrn Breitner oder einer bestimmten Blase oder, gerade dann, der Mehrheit nicht in den Kram passt.“

Impf-Debatte um Kimmich: Flick nimmt den Nationalspieler in Schutz

Der FC Bayern hat sich klar pro Impfung positioniert, die Verantwortlichen setzen Kimmich aber nicht unter Druck, wie auch der DFB nicht. Bundestrainer Hansi Flick nahm Kimmich sogar in Schutz: „Ich finde es bedauerlich, dass diese Diskussion nun auf seinem Rücken ausgetragen wird, spurlos ist das nicht an ihm vorübergegangen. Was mit ihm in der Diskussion aktuell geschieht, ist falsch und unfair“ Fakt ist aber auch: Die Unterstützung der Politik blieb aus.

Was vergessen wird: Allein mit der Intiative „WeKickCorona“, die er mit FCB-Kollege Leon Goretzka (26) ins Leben gerufen hat, hat er von Corona geschädigten Menschen vermutlich mehr geholfen als viele, die ihn nun attackieren. Obwohl er kein Impfgegner ist, aber noch Zweifel an den verfügbaren Impfstoffen hat.

Joshua Kimmich polarisiert aktuell, weil er sich noch nicht gegen Corona impfen ließ. Jetzt wettert ein Kommentator aus der 3. Liga gegen den Star des FC Bayern.

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