Neuzugang über seine Stärken, Schwächen & Ziele

Kimmich im tz-Interview: "Komme nicht als Fan zum FCB"

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Kimmich mit tz-Reporter Michael Knippenkötter.

Dieser junge Mann wirbelt das deutsche Mittelfeld auf: Joshua Kimmich.

U 21-Nationalspieler Joshua Kimmich.

Dieser junge Mann wirbelt das deutsche Mittelfeld auf: Joshua Kimmich. Der 20-Jährige ist erst seit Kurzem bei der U 21, spielt dort ab dem 17. Juni die EM in Tschechien (live in der ARD und im ZDF). Danach schlägt er bei seinem neuen Verein auf: dem FC Bayern. Für mehr als acht Millionen Euro wechselt er zum Rekordmeister. Die tz hat den neuen Jugendstar besucht – im DFB-Trainigslager Leogang.

Joshua Kimmich, klären Sie uns doch zunächst einmal auf: Wie wird Ihr Vorname korrekt ausgesprochen?

Kimmich: Das werde ich oft gefragt. Richtig wäre „Josua“. Das „sch“ spricht man nicht, wobei mich jeder anders ruft. Horst Hrubesch sagt beispielsweise „Josch“, die meisten sagen allerdings einfach nur „Jo“.

Das ist ja eigentlich am praktischsten, weil es auf dem Platz immer so schnell gehen muss.

Kimmich: (lacht) Ja, das passt. Kurz und bündig.

Wie vertraut sind Sie denn schon mit der U 21? Sie sind erst seit Oktober dabei. 

Kimmich: Mein Debüt war in der EM-Quali gegen die Ukraine. Ich kannte damals nur Bernd Leno und Serge Gnabry, also insgesamt nicht viele von den Jungs, aber sie haben es mir auch nicht schwer gemacht, mich rasch einzufinden.

Sie haben seit der U 17 alle deutschen Juniorennationalteams durchlaufen – ist der Sprung in die U 21 der insgesamt härteste?

Kimmich: Ja, ich denke schon. U 21 ist kein Juniorenfußball mehr. Das Spiel ist viel körperbetonter, auch das Spieltempo ist deutlich höher. In der U 19 hast du viel mehr Zeit, den Ball anzunehmen und zu verarbeiten. Das hier ist Profifußball.

Wie sehen Sie Ihre Rolle in diesem Team?

Kimmich: Ich bin einer der jüngeren, ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft und versuche zu helfen so gut ich kann. Taktisch spielen wir bei der U 21 defensiv ein 4-4-2 und offensiv ein 4-2-3-1. In beiden Varianten sehe ich meine größte Stärke im defensiven Mittelfeld. Das ist meine sogenannte Lieblingsposition.

Beschreiben Sie doch generell einmal bitte Ihre Stärken und  Schwächen.

Kimmich: Also, ich meine, dass ich an meiner Schnelligkeit und Dynamik arbeiten kann. Auch das Kopfballspiel ist ausbaufähig, auch wenn ich nicht der Größte bin. In Sachen Torgefahr kann man immer zulegen. Man muss sich immer weiterentwickeln. Was die Stärken angeht, ist es immer schwierig sich selbst zu bewerten, das fragen Sie am besten die Trainer…

Wir geben ein paar Stichworte: Technisch und taktisch hoch geschult?

Kimmich: Das kann man so stehen lassen. Wir haben beim VfB Stuttgart schon eine sehr gute Ausbildung genießen dürfen, dafür bin ich sehr dankbar.

Gibt es Fußballer, an denen Sie sich orientieren?

Kimmich: Ja, ich schaue oft auf Xavi vom FC Barcelona und Bastian Schweinsteiger.

Schweinsteiger treffen Sie bald in München.

Kimmich: Ich freue mich schon darauf. Es ist natürlich was anderes, wenn du plötzlich neben ihm auf dem Platz stehst. Schweinsteiger ist eine große Persönlichkeit im deutschen Fußball, von dem man sehr viel lernen kann.

Aber Sie werden sich da nicht erst einmal ein Autogramm von ihm 

holen?

Kimmich: Ich komme nicht als Fan zum FC Bayern München, sondern zum Arbeiten.

Hat sich Ihr Status im DFB-Team geändert, weil Sie zum großen FC Bayern wechseln?

Kimmich: Nein, überhaupt nicht. Das spielt hier keine Rolle. Die Jungs sehen, was auf dem Platz passiert, nur das zählt.

Sehr groß in der Zeitung stand Ihre Ablöse. Sie haben neulich mal gesagt, dass Sie selbst über die Summe erschrocken sind.

Kimmich: Erschrocken bin ich nicht. Aber ich finde schon, dass es sehr viel Geld ist, das der VfB Stuttgart bekommt. Noch dazu für einen Spieler, der dort immerhin nur in der A-Jugend gespielt hat.

Wie war das erste Gespräch mit Pep Guardiola?

Kimmich: Als ich mit Pep Guardiola zum ersten Mal an einem Tisch saß, hatte ich erstmal eine große Portion Respekt – er ist schließlich der beste Trainer der Welt. Und ich habe gespannt zugehört, wie er über Fußball redet. Diese Liga war und ist noch Neuland für mich.

Sie hatten 2013 eine Schambeinentzündung, fielen fünf Monate aus. Stand die Karriere auf der Kippe?

Kimmich: Nein, überhaupt nicht. Daran hatte ich nie gedacht. Ich habe damals in Stuttgart trotz Verletzung gespielt und dadurch wurde es natürlich nicht besser. Als ich dann nach Leipzig kam, haben mir die Verantwortlichen dort zum Glück Zeit gegeben. Daher konnte ich mit dem Physiotherapeuten intensiv arbeiten. Es hat zwar länger gedauert, als ich dachte, aber am Ende hat sich die Geduld bezahlt gemacht.

Was sind Ihre langfristigen Pläne – wo sehen Sie sich in ein paar Jahren?

Kimmich: Ich möchte mich innerhalb von zwei bis drei Jahren beim FC Bayern etablieren und mir hoffentlich eine Stammposition erarbeiten.

Dann ist auch der Sprung zu A-Nationalmannschaft nicht weit…

Kimmich: Daran habe ich erstmal nicht gedacht. Aber ja, wenn man sich beim FC Bayern durchsetzt, dann hat man sehr gute Chancen, auch in der A-Nationalmannschaft eine Rolle zu spielen, keine Frage.

Nun steht die U 21-EM an. Wie realistisch ist es, den Coup von 2009 zu wiederholen?

Kimmich: Der EM-Sieg ist unser Ziel. Und wenn man sich die Qualität in unserem Kader anschaut, dann darf man sich vor der Favoritenrolle auch nicht scheuen. Aber einfach wird es keineswegs. Wir haben eine unangenehme Gruppe und müssen zunächst einmal alles dafür geben, Gruppenerster zu werden.

Interview: Michael Knippenkötter

Joshua Kimmich: Der Neuzugang des FC Bayern wechselte mit zwölf Jahren zum VfB Stuttgart, spielte dort bis zur A-Jugend. 2013 ging er zu RB Leizipg, machte 53 Spiele (drei Tore) für die Ostdeutschen – unter anderem im Testspiel gegen Paris SG mit Zlatan Ibrahimovic.

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