Der Spanier vor dem Duell mit DFB-Elf

Bernat im tz-Interview: "Das Ende musste kommen"

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Juan Bernat bei seinem Treffer ­gegen Luxemburg.

Vigo - Der Weltmeister zu Gast beim Ex-Weltmeister, mit diesem Leckerbissen geht das WM-Jahr zu Ende. Für Bayerns Spanier Juan Bernat ist es ein ganz besonderes Spiel. Das Interview.

Versteht sich also von selbst, dass sich Deutschland heute Abend (20.45 Uhr, ARD) in Vigo mit einem Sieg in die länderspielfreie Zeit verabschieden will, zumal die zurückliegenden Auftritte in der EM-Quali einen faden Beigeschmack bei den Fans hinterlassen haben. Und dennoch: Geht es nach Jogi Löw, würde auch eine Niederlage bei den Iberern nicht das Jahr trüben, in dem das DFB-Team seinen vierten Stern holte. „Unabhängig vom Ausgang des Spiels war dieses Jahr sensationell gut und wird in die Geschichtsbücher eingehen. Daran kann man nicht mehr kratzen“, so der Bundestrainer gestern. „Natürlich ist es nicht schön, wenn man zum Ende des Jahres verliert. Aber es spielt für nächstes Jahr keine entscheidende Rolle. So etwas nimmt eine Mannschaft nicht monatelang mit.“ Für die Partie im Estadio Balaídos will Löw seine Spieler trotzdem eindringlich briefen, wie er selbst ankündigte. „Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sein werden, mehr Ballbesitz als der Gegner zu haben“, so der 54-Jährige. „Wir müssen über Ballgewinne im Mittelfeld und das Konterspiel zum Erfolg kommen.“ Wie es auf der Gegenseite aussieht, verrät Juan Bernat. Das tz-Interview mit dem Bayern-Kicker (21), der heute für die Selección aufläuft.

Señor Bernat, heute treffen Sie in Vigo auf ihre Kollegen vom FC Bayern. Haben Sie denn die ein oder andere Wette am Laufen?

Juan Bernat (lacht): Das nicht. Unser Kader wurde erst spät bekanntgegeben, deswegen blieb so gut wie keine Zeit für Wetteinsätze. Der ein oder andere Spruch war aber natürlich schon dabei.

Etwa auf Deutsch?

Juan Bernat: No hombre! Dafür reicht es bei mir leider noch nicht. Ich bin zwar weiterhin fleißig am Lernen, Deutsch ist aber auch nicht unbedingt die leichteste Sprache. Mit den Trainern und den Spaniern in der Mannschaft spreche ich Spanisch oder Katalanisch, mit dem Rest englisch. Klappt so weit ganz gut.

Für Sie ist es nun das zweite Mal im Aufgebot Spaniens.

Juan Bernat: Ich bin dem Trainer Vicente del Bosque enorm dankbar für sein Vertrauen in mich. Ich habe ja gleich bei meinem ersten Einsatz ein Tor erzielt, schöner kann ein Debüt nicht ausfallen. Ich glaube aber auch, dass die Berufung der Lohn für die tägliche Arbeit bei meinem Klub ist.

Glauben Sie, dass Sie den Sprung ins Nationalteam auch geschafft hätten, wenn Sie nicht bei so einem großen Klub wie dem FC Bayern spielen würden?

Juan Bernat: Ich glaube nicht, dass das jetzt explizit etwas mit dem FC Bayern zu tun hat. Klar, der Klub gehört zu den ganz großen Europas, Valencia ist aber auch nicht unbedingt die kleinste Bühne für einen Fußballer. Dort habe ich den Sprung in die U-Auswahlen geschafft und viele andere Spieler direkt in die A-Nationalmannschaft. Es kommt auf die Leistung an, sie wird gewürdigt – egal wo man spielt.

Was war mit der Leistung der Spanier bei der WM los?

Juan Bernat: Ich selbst war ja nicht live dabei, kann also nur als Außenstehender ein Urteil dazu abgeben. Spanien hatte sechs glorreiche Jahre hinter sich, in denen sie alles gewonnen hat. Irgendwann musste eben auch das Ende dieser Ära kommen. Dass es mit dem Vorrundenaus so knallhart kommen würde, konnte allerdings niemand vorhersehen.

Ihre Meinung zum DFB-Team?

Juan Bernat: Sie sind der absolut verdiente Weltmeister.

Mittlerweile hat sich ihr Stil aber stark an das spanische Tikitaka angenähert, oder?

Juan Bernat: In der Tat, aber das liegt daran, dass Spanien den Stil geprägt hat und ihn viele Mannschaften übernommen haben. Anstatt ihn jedoch blind zu kopieren, haben die Deutschen ihn mit ihren ganz persönlichen Stärken wie dem starken Umschaltspiel gepaart – darauf kommt’s an.

Trauen Sie Deutschland so eine Ära zu?

Juan Bernat: Warum nicht? Ich kann nur über meine Mitspieler bei Bayern urteilen, und das sind alles Topkicker. Klar, auch dort ist der ein oder andere Spieler zurückgetreten, aber seien wir ehrlich: Wenn eine Mannschaft es über die Jahre geschafft hat, immer dort oben zu bleiben, dann die deutsche. In Zukunft wird das nicht anders sein.

Was werden Sie Vicente del Bosque über Ihre Mitspieler beim FC Bayern sagen?

Juan Bernat: Nicht viel, da kennt sich der Trainer gut aus. Sollte er mich doch fragen, werde ich ihm aber natürlich den ein oder anderen Insidertipp geben.

Interview: J. Carlos Menzel Lopez

 

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