Ex-Trainer erinnert sich

Julian Green wie einst als Bub in Hausham

+
Starkes Zweikampfverhalten zeichnete Green (hier bei seinem Tor) schon immer aus.

München - Julian Greens Jugendtrainer ist sich sicher: "Das Tor war exakt so geplant. Coach Klinsmann sieht in Green die Zukunft der US-Nationalmannschaft.

Peter Wagner musste sich in seinem kleinen Hotelzimmer in Saalbach-Hinterglemm erst mal ein wenig ärgern. Als der eingewechselte US-Stürmer Chris Wondolowski kurz vor Ende der regulären Spielzeit des Achtelfinals gegen Belgien beim Stand von 0:0 eine Riesenchance versemmelte, schimpfte er los. „Ich habe mich gefragt, warum Jürgen Klinsmann nicht gleich unseren Julian eingewechselt hat. Der hätte das Ding reingemacht“, sagt er. Und Wagner weiß, wovon er spricht.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Julian Green bei der SG Hausham unter Wagner trainierte – aber sein ehemaliger Coach kennt den Fußballer Julian Green auch heute noch aus dem Effeff. Als elfjähriger Bub wechselte er vom FC Miesbach in den Nachbarort: „Ich will mich ja selbst nicht zu viel loben. Aber Julian war genau im goldenen Lernalter bei uns.“ Bis das heutige Bayern-Talent 14 Jahre alt, war begleitete Wagner seinen Werdegang. Dass er ein Ausnahmekönner ist, sah man schon damals.

„Gewisse Dinge an ihm sind außergewöhnlich“, sagt Wagner und spricht vor allem die technische Raffinesse des drittjüngsten WM-Spielers an. Einmal, zu D-Jugend-Zeiten spielte sich Green in einen deratigen Rausch, dass dem Torhüter des Haushamer Teams bei Minustemperaturen im November schon die Füße „blau wurden: Julian hat ein Tor nach dem anderen gemacht. Das Spiel ging nur in eine Richtung.“ Green lachte – der durchgefrorene Torwart, Wagners Sohn, weinte.

Wagner wusste damals schon, was in der Nacht zum Mittwoch die Fußball-Welt zur Kenntnis genommen hat. „Wie er diesen Ball annimmt und ihn verwertet, ist Weltklasse. Genau diese Ansätze hatte er schon als Jugendlicher.“ Der Trainer hat Greens Treffer im verlorenen Achtelfinale gegen Belgien vor Augen. Wenige Minuten nach seiner Einwechslung in der Nachspielzeit war dem Küken des US-Teams bei seinem WM-Debüt der Anschlusstreffer gelungen. Artistisch nahm er den Pass aus dem Halbfeld an und schoss ihn mit rechts in die Maschen. Glück habe der Junge gehabt, dass er den Ball nicht richtig erwischt habe, sagten manche. Wagner aber kontert: „Das hat er genau so geplant.“

Auch wenn der Weg nun wieder nach Hause geht: Green konnte der Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann mit dem 1:2 zumindest kurzzeitig Hoffnung zurückbringen. Das Achtelfinale gegen Belgien war das letzte WM-Spiel des 19-Jährigen im Jahr 2014, aber wohl nicht das letzte seiner Karriere. In den USA ist schon nach der überraschenden Nominierung ein regelrechter Hype um den Flügelflitzer vom FC Bayern entstanden. Klinsmann baut für die Zukunft des aufstrebenden Teams auf ihn: „Es macht Spaß zuzusehen, wie er wächst.“

Zu Haushamer Zeiten war auch die SpVgg Unterhaching an Green interessiert. Wagner aber verfolgte mit Phillip Lahms (und heute auch) Greens Berater Roman Grill viel größere Pläne – die sich verwirklichten. Bis 2017 läuft nun Greens Profi-Vertrag, den er im vergangenen Herbst bei Bayern unterschrieben hat. Und Pep Guardiola schätzt den bodenständigen Miesbacher, so heißt es, sehr.

„Die WM war ein großer Schritt für ihn. Er ist gewachsen“, sagt Wagner, der sich über den regelmäßigen Besuch des berühmten Sprösslings in Hausham freut. Sorge macht seinem Umfeld lediglich, dass Green bei Bayern die Spielpraxis auf höchstem Niveau fehlt. Ein Leihgeschäft sei nicht verkehrt, sagt Wagner. Wohin? „Natürlich zum FC Barcelona,“ sagt Wagner lachend. Miesbacher Bescheidenheit.

Hanna Schmalenbach

 

auch interessant

Meistgelesen

Ticker: Aus! Lewandowski besiegt Freiburg
Ticker: Aus! Lewandowski besiegt Freiburg
Auf Ancelotti wartet noch eine Menge Arbeit
Auf Ancelotti wartet noch eine Menge Arbeit
„Qualität und Lewandowski - was soll ich dazu noch sagen?“
„Qualität und Lewandowski - was soll ich dazu noch sagen?“
FCB-Zentrale immer dünner besetzt - Effenberg bleibt zuversichtlich
FCB-Zentrale immer dünner besetzt - Effenberg bleibt zuversichtlich

Kommentare