1. tz
  2. Sport
  3. FC Bayern

„Den FC Bayern könnte auch ein Bäcker trainieren“: Ex-Profi kritisiert Nagelsmann

Erstellt:

Von: Marcus Giebel

Kommentare

Julian Nagelsmann verzieht das Gesicht
Zu unruhig und zu nah an der Mannschaft? Julian Nagelsmann muss sich derzeit einiges an Kritik anhören. © IMAGO / Sportfoto Rudel

Muss sich Julian Nagelsmann ändern, um beim FC Bayern erfolgreich zu sein? Dieser Meinung ist Manni Bender, der unter Jupp Heynckes beim Rekordmeister spielte.

München - Julian Nagelsmann kann sich aktuell kaum retten vor Rat- und Tippgebern. Um nicht zu sagen: Kritikern. Irgendwie hat doch jeder seine Idee, wie der FC Bayern nach vier sieglosen Spielen in der Bundesliga wieder in Fahrt kommt. Im Idealfall schon im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Freitag (ab 20.30 Uhr bei uns im Live-Ticker), wenn die pickepackevollen Wochen bis zur WM in Katar starten.

Manni Bender scheint da pessimistisch zu sein - wegen des jungen Trainers. Der 56-Jährige spielte selbst drei Jahre lang für die Roten und gewann dabei zwei Meisterschaften und einmal den Supercup. Im Interview mit Sportradio Deutschland sagte der einst für seine Freistöße gefürchtete Linksfuß angesichts der Star-Dichte im Kader: „Den FC Bayern könnte auch ein Bäcker trainieren. Er müsste gar kein guter Trainer sein, er muss die Mannschaft nur führen können.“

Nagelsmann und der FC Bayern: Bender zweifelt an Führungsqualitäten des Trainers

Womit der Bogen geschlagen wäre zu Nagelsmann. Wie der sich in der Backstube schlagen würde, sei mal dahingestellt, doch Bender mutmaßt im Hinblick auf die Führungsqualitäten: „Das kann Nagelsmann noch nicht, sonst würden sie besser dastehen und besseren Fußball spielen.“ Schon in der vergangenen Saison war dem FC Bayern die spielerische Linie und damit die Dominanz spätestens im Laufe der Rückrunde abgegangen. Wiederholt sich das in dieser Spielzeit?

„Beim Julian habe ich das Gefühl, er möchte auf Augenhöhe mit den Spielern sein“, schlussfolgert Bender aus den bisherigen Monaten des 35-Jährigen an der Säbener Straße. Dabei nennt er auch ein konkretes Beispiel: „Statt mit dem Auto in die Tiefgarage zu fahren, kommt er mit dem E-Board und inszeniert sich.“ Für den damaligen Auftritt war der Coach von Fans und Medien tatsächlich gefeiert worden - quasi als Star zum Anfassen, der obendrein dem Klima einen Gefallen tut.

Doch so eine Aktion kann eben schnell zum Bumerang werden. „Er ist jetzt beim FC Bayern, da muss er sich zurücknehmen“, fordert Bender: „In Hoffenheim und Leipzig hatte er junge, lernwillige Spieler, bei den Bayern hat er Weltstars.“

Video: Nagelsmann „hatte keine Rücktrittsgedanken“

Nagelsmann und die Bayern-Krise: Nimmt er sich ein Beispiel an Heynckes?

Ein Vorbild könne Nagelsmann sich an einem seiner Vorgänger nehmen, den Bender selbst als Bayern-Trainer erlebte: „Der Jupp (Heynckes) war in seiner ersten Zeit genauso verbissen wie Julian Nagelsmann. Er ist erst später entspannter geworden.“

Womöglich benötigt auch Nagelsmann noch etwas Zeit, um sich wirklich beim Rekordmeister zu akklimatisieren. Die Bosse scheinen an ihn zu glauben und große Stücke auf ihn zu halten. Sonst hätten sie ihn nicht bis 2026 gebunden. Wenn auch offenbar mit Hintertür, denn im Vertrag sollen feste Abfindungszahlungen für den Fall einer Entlassung verankert sein.

Manni Bender mit Golfball und -schläger
Der Ball ist mittlerweile oft etwas kleiner: Manni Bender hat neben den verschiedenen Trainertätigkeiten auch das Golfspielen für sich entdeckt. © IMAGO / kolbert-press

Nagelsmann und die Kritik an der Abwehr: „Hühnerhaufen darfst du als Bayern-Trainer nicht sagen“

Bender jedenfalls ist der festen Überzeugung, dass sich Nagelsmann ändern muss, um mit dem FC Bayern erfolgreich zu sein: „Die Bayern-Spieler brauchen einen ruhigeren Trainer.“ Dann nennt der gebürtige Münchner noch einen Fauxpas des Coaches: „Dass er die Abwehr als Hühnerhaufen bezeichnet, war suboptimal, das darfst du als Bayern-Trainer nicht sagen. Aber er ist noch jung.“

Eine Entschuldigung, die im Profifußball nur in den seltensten Fällen abgenickt wird. Sie soll aber wohl zeigen: Nagelsmann kann noch lernen und sich entwickeln.

Allerdings will Bender, später in seiner aktiven Karriere auch für Lokalrivale 1860 am Ball, die Sieglos-Serie nicht allein am Coach festmachen. Denn der muss ja in dieser Saison ohne den Weltfußballer auskommen. „Vielleicht ist es in erster Linie ein Lewandowski-Problem“, trauert er Torgarant Robert Lewandowski nach und stellt fest: „Sie haben keinen Vollblutstürmer. Du brauchst die Jungs, die Tore erzielen wollen.“ Ein Tipp, den Nagelsmann in den vergangenen Wochen schon mal gehört haben dürfte. (mg)

Auch interessant

Kommentare