Heynckes feiert Jubiläum

1.000 Mal Jupp: Ein kleiner Rückblick

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Männerfreunde: Heynckes mit Berti Vogts nach der Meisterschaft 1975

München - Am Samstag juppt die Liga wieder – und zwar zum 1000. Mal. Wenn die Bayern gegen Bremen antreten, bestreitet Jupp Heynckes (67) seine 1000. Partie in der Bundesliga als Spieler bzw. Trainer. Die tz gratuliert!

 Nur Otto Rehhagel hat mehr: König Otto bringt es auf 1031 Einsätze (201 als Spieler, 830 als Trainer). Don Jupp über sein Jubiläum: „Das ist eine imposante Zahl, an der man sieht, wie die Jahre vergangen sind. Da könnte man nicht nur ein Buch schreiben, sondern mehrere. Aber das werde ich natürlich nicht tun.“ Ein kleiner Rückblick sei dennoch gestattet. Die tz präsentiert Jupp, den Tausendsassa.

Familie ging immer vor…

Drei Dinge gibt es im Leben von Jupp Heynckes, die noch wichtiger sind als der Fußball: Seine Frau Iris, Tochter Kerstin und Cando. So heißt Heynckes’ Schäferhund, der nach wie vor sehnsüchtig auf dem Bauernhof in Schwalmtal am Niederrhein auf die Rückkehr des Trainers wartet.

Schon während seiner aktiven Zeit war Heynckes ein Mann, der sich lieber in der Natur als im Scheinwerferlicht der Kameras sonnte. Lange Spaziergänge mit der Familie durch den Wald waren dem Familienvater viel lieber als Interviewtermine und Foto­shootings – und so tickt Jupp auch heute noch.

Was für eine Rolle seine Familie spielt, zeigt sich vor allem im Jahr 2004. Heynckes’ Ehefrau Iris erkrankte an Krebs, worauf er sich eine anderthalbjährige Auszeit nahm, um seine Gattin gesund zu pflegen. Iris gewann den Kampf gegen den Krebs.

Daraufhin kehrte Don Jupp als Trainer in die Bundesliga zurück, die Erfolge blieben aber vorerst aus. Dass er im Jahr 2009 als Interims­trainer nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann wieder an der Säbener Straße arbeitete, war nicht zuletzt seinem langjährigen Freund Uli Hoeneß geschuldet – oder wie Heynckes selbst ihn nennt: Ulrich Hoeneß. „Das ist ganz ulkig“, sagte der Trainer des FCB. „Immer dann, wenn es ernst wird, sage ich Ulrich. Und Uli sagt dann Josef. Das ist wie ein Flachs unter zwei sehr, sehr guten Freunden, die wir beide sind.“ Nach dieser Saison wartet dann wieder ein anderer Freund auf Heynckes: sein treuer Schäferhund Cando!

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Osram, Tränen und zwei Titel

So gefährlich Jupp Heynckes als Spieler war, so akribisch arbeitet er als Trainer. Und so ist es auch kein Wunder, dass er gerade mal ein Jahr nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn Udo Lattek als Chefcoach in Gladbach ablöste. Titel gewann Heynckes von 1979 bis 1987 zwar keine, dafür aber einen Spitznamen. Sein damaliger Spieler Rudi Gores verpasste ihm den Spottnamen Osram. „Er ist eben manchmal rot angelaufen“, erinnert sich ­Gores. „Wie eine Glühbirne. Ich erinnere mich noch, dass es damals so eine Reklame für Osram-Glühbirnen gab. So ist das gekommen.“

Osram hin oder her – für Jupp mussten Titel her! Und so wechselte Heynckes 1987 zum FC Bayern, und prompt stand er auch auf dem Balkon des Münchner Rathauses. 1989 und 1990 holte er gemeinsam mit der Münchner Truppe um Klaus ­Augenthaler seine zwei bisher einzigen Meistertitel. Aus dieser Zeit stammt auch Christoph Daums legendärer Auftritt im Sportstudio. „Die Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit Jupp Heynckes“, sagte der damalige Köln-Trainer. Nach einer Serie von Niederlagen entließ der FC Bayern Henyckes 1991. Jahre später bezeichnete Uli Hoeneß dies als die „größte Fehlentscheidung“ in seiner Karriere. „Wir haben geheult wie die Schlosshunde“, erinnert sich der Bayern-Präsident. „Aber das hat der Freundschaft nicht geschadet.“

Und so kehrte Heynckes nach etlichen Stationen im Ausland (u.a. Real Madrid) und in der Bundesliga 2011 zu seinem Herzensklub zurück. In der letzten Saison hatte Don Jupp in der Bundesliga noch das Nachsehen hinter dem Meister aus Dortmund. Diese Saison müsste aber viel schiefgehen, damit sich Heynckes nicht mit seinem dritten Meistertitel als Trainer von der Säbener Straße verabschiedet.

Beim Abschied traf er fünfmal

Don Jupp? Nein, zu seinen Zeiten als aktiver Spieler hätte man Heynckes wohl eher Baller-Jupp taufen müssen. In 369 Bundesligapartien erzielte der gebürtige Gladbacher 220 Tore. Noch heute rangiert Heynckes damit auf Platz drei der ewigen Torschützenliste der Bundesliga, nur Gerd Müller (365) und Klaus Fischer (268 Tore) haben noch öfter eingenetzt.

Immer noch denkt Heynckes gerne an die Anfangszeiten mit Gladbach zurück: „Wir sind damals wie Phoenix aus der Asche gesprungen. Das war für mich das schönste Fußballer-Jahr, was ich in meiner Karriere hatte. Ich habe im Monat 160 DM verdient. Und dafür so gerne gespielt! Wir hatten Spaß, Freude, Emotionen.“

Diese Erfolge feierte Jupp Heynckes mit den Bayern

Am 24. März 2011 war's offiziell: Jupp Heynckes unterschreibt zum dritten Mal einen Vertrag als Trainer beim FC Bayern München. Am 30. Juni 2013 ist wieder Schluss, dann endet nach 1011 Bundesliga-Spielen als Spieler und Trainer eine beeindruckende Karriere. Wir werfen einen Blick zurück auf die Laufbahn von "Don Jupp". © sampics
Nach acht Jahren bei Borussia Mönchengladbach - ohne Titel - löste Jupp Heynckes zur Saison 1987/1988 beim FC Bayern den Meistertrainer  Udo Lattek ab. Lattek feierte in München insgesamt sechs Meisterschaften. Uli Hoeneß, damaliger Bayern-Manager, erhoffte sich vom gebürtigen Gladbacher eine erfolgreiche Ära. Auf nationaler Ebene konnte Heynckes die Ansprüche des FC Bayern erfüllen. © getty
In seiner ersten Saison wurde er aber "nur" Zweiter hinter Bremen. © getty
In seinen vier Jahren der ersten Amtszeit kam er als Chef-Trainer des FC Bayern international sowohl im UEFA Cup als auch im Europapokal der Landesmeister nie über das Halbfinale hinaus. Der Weltmeister von 1974 wurde in München dafür 1989 und 1990 Deutscher Meister. Dazu kommen zwei Vizemeisterschaften in seiner "Ära". © getty
In seiner fünften Saison wurde Jupp Heynckes nach einer 1:4-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers entlassen. Die Tabellensituation war bedrohlich, da die Münchner nur Zwölfter waren. Der Vorstand musste handeln. Hoeneß nannte den Rauswurf seines Freundes im Nachhinein seinen "größten Fehler". © sampics
Diese Freundschaft war auch ausschlaggebend, dass Heynckes aus seinem Ruhestand zurückkehrte und die Bayern übernahm, nachdem Jürgen Klinsmann 2009 entlassen wurde. Jupp war zufällig zu Besuch bei Hoeneß in München - sah sogar die letzte Partie Klinsmanns gegen Schalke - und paar Tage später saß er zum zweiten Mal beim FC Bayern auf der Trainerbank. © sampics
Heynckes sicherte dem  Rekordmeister die direkte Qualifikation für die Champions League und feierte damit seine dritte Vizemeisterschaft mit den Münchnern. Zur Meisterschaft fehlten den Münchnern zwei Punkte. © getty
In den letzten fünf Spielen holte der ehemalige Meistertrainer vier Siege und ein Remis. © getty
Zum 34. Spieltag gegen Stuttgart (Endstand 2:1) gab es für den 66-Jährigen einen Blumenstrauß zum Dank für die "Hilfe". Nach der Saison rechnete er mit seinem Vorgänger Klinsmann ab: "Sie können nicht am offenen Herzen operieren, wenn Sie noch nie an einem Operationstisch gestanden haben." © getty
Gerade aufgrund seiner ehrlichen und familiären Art sowie als Motivator schätzen ihn seine Spieler.  Des Weiteren schafft es Heynckes, aus einer sicheren Defensive ein schönes Offensivspiel spielen zu lassen. Dieses Gesamtpaket sicherte den Bayern 2009 noch die Teilnahme an der Champions League. © getty
Durch die Arbeit bei seiner zweiten Amtszeit in München hat sich Heynckes neue Motivation und Begeisterung für weitere Engagements geholt. Dass er mit Stars umgehen kann, bewies er nicht nur bei Real Madrid 1997/98. Auch bei seinem Intermezzo bei den Bayern hatte er die "Diven" Ribéry und Toni im Griff. © getty
An der Säbener Straße war er sich, auch als Chef-Trainer, für nichts zu schade - auch nicht für das Bälle tragen während des Trainings. © getty
Ein jubelnder Jupp Heynckes ist keine Seltenheit. Der Taktikfuchs geriet mit seinem Intimfeind Christoph Daum während des Meisterkampfes in der Saison 1988/1989 vor dem entscheidenden Spiel in Köln im Aktuellen Sportstudio aneinander. Am Ende gewann Jupp mit den Bayern 3:1 im Müngersdorfer Stadion und drei Spieltage später seinen ersten Titel überhaupt. © getty
Aber nicht nur im Inland feierte der Routinier Erfolge. Jupp Heynckes durfte 1997/1998 einen der größten Klubs der Welt trainieren. Durch seine gute Arbeit in Bilbao (von 1992 bis 1994 und 2001 bis 2003) und Teneriffa (1995 bis 1997) wurde der Champions-League-Rekordsieger auf den Westfalen aufmerksam. © getty
Und prompt in seiner ersten und auch letzten Saison bei Real feierte Heynckes seinen einzigen internationalen Titel als Trainer. Der Champions-League-Titel bewahrte ihn aber nicht vor dem Rauswurf, da Madrid in der Liga "nur" Platz 3 erreichte. Ein Jahr darauf hatte Heynckes eine kurze Amtszeit bei Benfica Lissabon . © getty
Im Juli 2003 holte der FC Schalke 04 Heynckes zurück nach Deutschland, um nach 2001 wieder um die Meisterschaft mitzuspielen. Allerdings blieb der Gladbacher in eineinhalb Jahren erfolglos. Man warf ihm vor, er würde nur noch von seinen alten Triumphen vorschwärmen und zu wenig auf die Spieler eingehen. © getty
Nach seinem misslungenen Comeback 2006 bei Mönchengladbach (Tabellen-16. nach 18 Spieltagen) entschied sich Heynckes, sich zur Ruhe zu setzen, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können - bis sein alter Kumpel aus München anrief. © getty
Von dem Intermezzo in München angeregt, ging es für Heynckes 2009 direkt weiter: Leverkusen wollte für seinen unglücklichen Versuch mit Bruno Labbadia einen "Fußballlehrer" und fand ihn im neu motivierten Heynckes. Die Bayer-Elf blieb in der Saison 2009/2010 24 Spieltage ohne Niederlage und holte sich den Herbstmeistertitel. Am Ende gelang immerhin noch der Sprung in die Europa League. © getty
Der alte und der neue Bayern-Trainer. Louis van Gaal (r.) und Jupp Heynckes (l.) beim 1:1 in Leverkusen 2010. In der Saison 2010/2011 ist Leverkusen die einzige Mannschaft, die den überragenden Dortmundern "folgen" kann. Diese erfolgreiche Arbeit überzeugte auch die Bayern-Bosse, weshalb sie Heynckes für zwei Jahre verpflichteten. © getty
Seine dritte Amtszeit bei den Bayern ab 2013 könnte mit dem totalen Triumph enden. © MIS
Nach drei zweiten Plätzen 2012 spielten die Bayern 2012/2013 eine phantastische Bundesliga-Saison und knackten einen Rekord nach dem anderen. Die Meisterschaft sicherten sich die Münchner so früh wie noch kein Team zuvor - am 28. Spieltag! © M.I.S.
Die Bierdusche, verpasst von Anatoli Timoschtschuk bei der Meisterfeier, hatte sich Heynckes redlich verdient. © dpa

Nach seinen ersten vier Profijahren in Gladbach wechselte der Torjäger 1967 für drei Jahre zu Hannover, bevor es nach seiner Rückkehr zu den Fohlen im Jahre 1970 richtig losging. Gemeinsam mit Berti Vogts und Günther Netzer wurde Heynckes viermal Meister, 1974 und 1975 sicherte er sich zudem den Titel des Torschützenkönigs.

Am 29. April 1978 absolvierte der 32-Jährige seine letzte Partie in der Bundesliga. Beim 12:0 gegen Dortmund traf Heynckes zum Abschied fünfmal. In seinem Herzen blieb er Borusse. Heynckes: „Wenn man als Spieler, Assistenztrainer und Trainer 23 Jahre beim selben Klub ist, dann ist das dein Klub. Das ist Borussia Mönchengladbach."

Carlos Menzel-Lopez

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