Kaum Gegentore, vier Super-Stürmer

Vorsicht FC Bayern! Juve in unfassbarer Saison auf Rekordkurs

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Alle auf den Torschützen: Die Juventus-Profis feiern mit Simona Zaza (ohne Haarpracht) dessen späten Siegtreffer gegen Neapel.

München - Mit Juventus Turin muss der FC Bayern in der Champions League einen der schwersten Brocken aus dem Weg räumen. Die Italiener sind derzeit unbezwingbar und schießen sich wohl bald in die Geschichtsbücher.

Seit dem vergangenen Wochenende steht Juventus Turin wieder dort, wo der italienische Rekordmeister nach dem eigenen Selbstverständnis hingehört - an der Tabellenspitze der Serie A. Mit dem 1:0 über den bisherigen Spitzenreiter SSC Neapel erklomm der Champions-League-Gegner des FC Bayern erstmals in dieser Saison den Platz an der Sonne.

Es war der 15. Dreier nacheinander in der heimischen Liga. Noch zwei weitere Erfolge, und die "Alte Dame" hätte den seit 2006/2007 gültigen Liga-Rekord von Inter Mailand eingestellt. Dass dieser Bestwert noch in diesem Monat fällt, bezweifelt wohl kaum jemand - auch wenn sich passenderweise der bisherige Rekordhalter am übernächsten Spieltag im Juventus Stadium vorstellt. Zu überlegen pflügt das Team von Trainer Massimiliano Allegri durch das Oberhaus des viermaligen Weltmeisters und steuert unbeirrt auf den fünften Meistertitel nacheinander zu.

Diese Serie lässt natürlich auch Carlo Ancelotti aufhorchen. Der italienische Trainer warnt im Gespräch mit goal.com seinen künftigen Arbeitgeber: "Juventus ist im Moment richtig gut drauf." Der 56-Jährige, von 1999 bis 2001 selbst knapp zweieinhalb Jahre auf der Juventus-Bank, erwartet "eine ausgeglichene Sache zwischen den beiden Teams, die erst in München im Rückspiel entschieden wird".

Defensiv-Duo fehlt, Chiellini bangt

Juves Prunkstück ist traditionell die Abwehr. Bester Beweis: Seit 746 Minuten (!) haben Torwart-Legende Gianluigi Buffon und der brasilianische Pokal-Keeper Neto nicht mehr hinter sich greifen müssen. Dabei plagen sich die "Bianconeri" - eine Parallele zur Seuche beim FC Bayern - durchaus mit Verletzungssorgen in der Defensive. Abwehrchef Giorgio Chiellini musste zuletzt immer wieder wegen schmerzender Muskeln passen und bangt auch um seinen Einsatz gegen die Roten. Außenverteidiger Alex Sandro wird sicher ausfallen, auch der zentrale Backup Martin Caceres ist keine Option.

Wichtig für die defensive Stabilität ist aber auch ein Deutscher. Sami Khedira wurde nach seiner Leistung gegen Neapel von Italiens führender Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" zum "Herr auf dem Spielfeld" erkoren. Immerhin hatte sich der verletzungsanfällige Weltmeister erst wenige Stunden vor dem Anpfiff von einer Adduktorenblessur erholt. Übrigens auch dank der Wunderhände des langjährigen Bayern-Arztes Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Sami Khedira im Juve-Trikot.

16 Mal streifte Khedira bislang das Juve-Trikot über. Heraus sprangen 14 Siege und zwei torlose Unentschieden. Erst sechs Gegentore erlebte der 28-Jährige auf dem Platz. So hat der Champions-League-Sieger von 2014 großen Anteil am Aufschwung seines neuen Teams. Denn zu Saisonbeginn waren die Turiner noch von Spiel zu Spiel gestolpert, kassierten zum Auftakt der Serie A beim 0:1 gegen Udinese Calcio ihre bislang einzige Heimniederlage der Saison. Nach sechs Liga-Spielen waren gerade einmal fünf Punkte auf dem Konto.

Drei Stützen sind weg

Rückblickend lässt sich dieser Fehlstart leicht erklären: Die Abgänge von Arturo Vidal, der wie Kingsley Coman nächste Woche als Gast nach Turin zurückkehrt, dem nach New York gewechselten Andrea Pirlo und dem zu den Boca Juniors zurückgekehrten Carlos Tevez schmerzten die Mannschaft mehr als angenommen. Zudem benötigten die neuen Stars wie Khedira Anlaufzeit - etwa aufgrund von Verletzungen.

Offensiv-Star Paulo Dybala.

Neu zum Team gestoßen sind auch drei der vier Stoßstürmer. Vor allem Paulo Dybala hat mittlerweile richtig eingeschlagen. Der Argentinier liegt mit 13 Saisontreffern hinter Landsmann Gonzalo Higuain vom SSC Neapel auf Platz zwei der Torjägerliste. Beim 22-Jährigen, für den Juve 32 Millionen Euro an US Palermo überwies, sollten die Roten ganz genau hinschauen - der Linksfuß gilt als Wunschspieler Ancelottis.

Mandzukic meldet sich fit fürs Wiedersehen

Im Schatten des wieselflinken Angreifers hat sich auch Simone Zaza prächtig entwickelt und jüngst als Joker das Spitzenspiel gegen Neapel entschieden. Der von US Sassuolo zurückdirigierte 24-Jährige netzte bislang in den verschiedenen Wettbewerben siebenmal ein. Dazu kommt Mario Mandzukic. Den kroatischen Sturmtank, den Juventus für 19 Millionen Euro von Atletico Madrid holte, kennen die Bayern natürlich bestens. Nachdem der 29-Jährige von Pep Guardiola mehr oder weniger vom Hof gejagt wurde, dürfte er besonders motiviert sein. Seine muskulären Probleme hat Mandzukic jedenfalls rechtzeitig überwunden.

Als vierte Option bietet sich Alvaro Morata an. Der gebürtige Madrilene spielt seine zweite Saison bei Juve. In der vergangenen Spielzeit führte er sein Team mit zwei Treffern im Halbfinale gegen Real Madrid ins Endspiel von Berlin. Die "Königlichen" wissen, warum sie sich eine Rückkaufoption auf den 23-Jährigen gesichert haben. Auch im Achtelfinale 2014/2015 schlug Morata zweimal zu - gegen Borussia Dortmund. 

Ein Jahr später kommt es also zum nächsten Duell mit einem deutschen Klub. Der FC Bayern hätte wohl keinen schlechteren Zeitpunkt für das Achtelfinale gegen Juventus erwischen können.

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