Jetzt wartet auf Juventus die rote Hölle

Bayern verschenkt Sieg, aber "Leistung war Wahnsinn"

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Stefano Sturaro schockt die Bayern, trifft zum 2:2-Ausgleich. Torwart Manuel Neuer ist chancenlos, Joshua Kimmich kommt zu spät.

Turin - Das war unnötig. Die klar dominierenden Bayern lagen bereits in Führung, ehe sie Juventus zurück ins Spiel brachten. Somit ist das Weiterkommen in der Champions League doch noch nicht sicher.

Wenn das die Hölle ist, wollen wir jetzt öfter hin. Was war das für ein feiner Kick gestern Abend in Turin! Starkes Juve, noch stärkere Bayern, vier Tore, nicht gegebene Elfer, Kopfnüsse, Aufholjagden – eben alles, was die Champions League zu dem macht, was sie ist: Königsklasse. Zum Schluss stand es 2:2 (0:1). Und Pep fand „die Performance Wahnsinn“. Können die drei Wochen bis zum Rückspiel bitte schnell vergehen?

Dass da schon ein gewisser Respekt vor dem Rekordmeister im Piemont herrschte, wurde bereits vor Anpfiff deutlich. „Be heroes“, seid Helden, war in großen Lettern auf der Gegengerade des Juventus Stadium zu lesen, recht heroisch wirkten die Bianconeri kurz darauf aber nicht. Was auch mit den Roten zu tun hatte. Die kamen raus wie die Feuerwehr und schnürten Turin im eigenen Stadion und im eigenen Sechzehner ein.

Vidal, der vor Alonso den Vorzug erhalten hatte und von den Tifosi mit gemischten Gefühlen empfangen wurde, ließ gleich mal einen Strahl (4.) auf seinen Ex-Spezl Buffon los, der das Ding nur wegklatschen konnte. Hoch attackieren, früh pressen, alles schön und gut. Birgt aber auch seine Risiken. Ein langer Ball reichte, damit Mandzukic die Rache am Fuß hatte (1.), doch das Adrenalin in den Venen des Kroaten störte ihn beim Abschluss. Kurz darauf verpasste er noch eine Dybala-Flanke um Nanometer. Ein Tanz auf Messers Schneide für den FCB, Vidal-Handspiel im Sechzehner inklusive, aber schön anzusehen. Sehr schön sogar.

Kurz darauf nahmen die Bayern Juve die Sauerstoffmaske aber wieder ab und schickten sie wieder nach Hause in den Sechzehner. Erst mal konnte Müller eine Hundertprozentige aus zwei Metern nicht reinstochern, weil Lewandowski ihm die Kugel in den Rücken gespielt hatte (13.), der 26-Jährige nimmt aber ohnehin viel lieber die schweren Dinger. Eben so wie in der 43. Minute: Robben flankt mit rechts (!), Costa wuchtet ihn volley vors Tor, von wo Barzagli abfälscht zu – richtig! - Mulla, wie der Piemontese sagen würde. Locker mit der Innenseite an den rechten Pfosten. 0:1. Dass Lewy sich beim Abschluss im Abseits und vor Buffon befand, blieb ungeahndet. Ab zum Pausen-Espresso.

Bilder und Noten: Zweimal die Note 1 bei Bayern-Remis in Turin

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Es blieb dabei. Einbahnstraßen-Kick in Richtung „Casa Buffon“, auch dank des FCB-Quarterbacks Vidal, der an der alten Wirkungsstätte einen mehr als makellosen Stiefel herunterspielte. Welche Züge das Turin-Trauma mit laufender Spielzeit annahm, belegte zudem ein einigermaßen beängstigender Fakt. In 53 Minuten hatte der FCB sage und schreibe 381 Pässe entgegengenommen, Werte, die es sonst nur in Comic-Serien gibt. Und wer so kickt, wird auch belohnt. Ein klassischer Robben (reinziehen und drauf!) langte, und es stand 2:0 (55.). Arrivederci, Juve?

Bis dahin war dann auch der letzte Bayerfan im Gästeblock. Dauerte wohl etwas, da zu wenig Ordner da waren. Es könnte ein Nachspiel haben. Ach, bella Italia! Aber sie kamen gerade recht. Nicht nur, dass Dybala nach dem ersten Kimmich-Wackler den Anschluss erzielte (63.), sie bekamen auch Neuers Riesentat gegen Cuadrado mit (68.), nachdem sich Mandzukic gegen die halbe Abwehr getankt hatte. Einen Kreuzeck-Streifer von Pogba gab’s obendrauf. Schön für die Tifosi, dass Juve aufgewacht war. Nicht so für die Roten. Morata kam und köpfte Sturaro das Leder vor die Füße, der an Kimmich vorbei den Ausgleich erzielte. „Wenn man gegen so eine Mannschaft 2:0 führt, muss man das zumachen“, haderte Robben. Nur noch 21 mal schlafen, dann geht’s weiter. Diesmal aber in München.

Der Spielverlauf im Ticker zum Nachlesen.

José Carlos Menzel López

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