Das Jahr 2014 war beinahe perfekt

Nur die Kanzlerin fehlt in der Bayern-Kabine – noch

Prost, auf ein frohes 2015: Das letzte Bayern-Aufgebot mit vielen Nachwuchsspielern stieß nach dem Sieg in Mainz an – Manuel Neuer, Arjen Roben, Sinan Kurt, Lukas Scholl (hinten v. l.), Mario Götze, Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Rafinha, Juan Bernat (Mitte v. l.), Mitchell Weiser, Physiotherapeut Gianni Bianchi sowie die Co-Trainer Domenec Torrent und Hermann Gerland (vorne v. l.).

München – Es dauerte nach dem Abpfiff in Mainz nur wenige Minuten, da kursierte bereits ein stimmiges Abschlussbild vom FC Bayern zum Ende des Jahres 2014.

Die Spieler prosteten mit einem Gläschen Prickelwasser in die Kamera, einige formten mit den Fingern das Sieges-Zeichen zum 2:1-Erfolg, und das Symbol passte ja auch zu den Alles-Gewinnern der Hinrunde.

Interessant war allerdings zudem, was das Foto eben nicht zeigte. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der die Analogie zum Kabinengruß der DFB-Auswahl in Brasilien nahezu komplett gewesen wäre, fehlten zahlreiche Münchner Leistungsträger. Die Botschaft neben der Botschaft lautete daher: 2015 ist noch einiges zu bewältigen, ehe man dann wirklich die Gläser erheben kann.

Am Ende eines nahezu perfekten Jahres wird die große Frage, welche Lehren aus den wenigen Rückschlägen mit Blick auf 2015 gezogen werden. Wobei der Plural in der Kategorie „Rückschläge“ sowieso nicht angebracht ist; es gab ja genaugenommen nur dieses eine niederschmetternde 0:4 gegen Real Madrid, aber exakt so eine Wiederholung gilt es, zu vermeiden.

Die Mutter aller Probleme war die frühe Meisterschaft. Der Spannungsabfall führte in der Rückrunde zu dem Einbruch, der letztlich mit dem Aus in der Champions League seinen Tiefpunkt erlebte. Im kommenden Jahr droht in der Liga angesichts eines Vorsprungs von satten elf Punkten auf den einzigen Verfolger eine Fortsetzung dieser Geschichte, zumal es am ersten Spieltag der Rückrunde sofort zum finalen Show-Down mit dem VfL Wolfsburg kommt. Lassen die Münchner da keine Federn, ist es eigentlich allenfalls nur noch spannend, zu erörtern, wann der Meistertitel eingefahren wird.

In der Champions League sorgt das Los Schachtjor Donezk auch nur bedingt dafür, dass man hochkonzentriert arbeitet. Die Ukrainer gelten als unbequem, stellen aber anders als Arsenal London in den vergangenen beiden Jahren keine Hürde dar, die ernste Zweifel am Erreichen des Viertelfinales zulässt. Da die Dortmunder in ein beispielloses Tief gestürzt sind, sind die echten Prüfsteine, an denen Mannschaften wachsen, auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Das nächste Problem, das Pep Guardiola händeln muss, wird ein Luxusproblem, kann aber dennoch zu Komplikationen führen. Die Post-WM-Halbserie hat zahlreiche Verletzte gefordert, in Mainz war das Lazarett mit stattlichen zehn Mann bestückt. Sie werden nach und nach zurückkehren – der Frustfaktor im Kader könnte steigen, und mit Xherdan Shaqiri deutet sich nur eine Trennung zum Winter an. Selbst wenn sich Thiago und Javi Martinez noch in sehr viel Geduld üben müssen, haben solche Rückkehrer wie David Alaba und Philipp Lahm berechtigte Ansprüche auf Einsatzzeiten.

In diesem Zusammenhang wird es auch spannend, wie sich Bastian Schweinsteiger entwickelt. Er konnte in Abwesenheit der meisten Mittelfeldspieler nach einem halben Jahr Pause in Ruhe seine ersten Schritte in die Normalität absolvieren und hat das anständig gemacht. Aber wird er sich behaupten können, sobald die Koryphäen wieder in die Startelf drängen? Ein Politikum droht, denn Schweinsteiger hat intern einige Fürsprecher, die im Zweifel erst beruhigt werden müssten.

Bayern dreht Spiel in Mainz - dreimal Note 2

Bayern dreht Spiel in Mainz - dreimal Note 2

Doch mögliche Brandherde von 2015 lagen beim Fazit von 2014 sogar dem notorischen Nörgler Matthias Sammer zu fern: „Die Jungs sollen im Urlaub jetzt mal machen, was sie wollen“, sagte er ungewohnt freizügig. Wenn der Sportchef schon so eine Direktive ausgibt, scheint man sich in München recht sicher zu sein, dass man alle Probleme meistert. Das Champions League-Finale findet in Berlin statt – wer weiß? Vielleicht kommt Angela Merkel am Ende ja doch noch zum finalen Jubel-Foto in die Kabine.

Andreas Werner

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