"Uli will in Ruhe seinen Job erledigen"

tz-Interview: Rummenigge über Ödegaard, Hoeneß, Pep

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„Wir müssen wissen, dass es kein Selbstläufer wird“, sagt Karl-Heinzb Rummenigge.

München - Im großen tz-Interview spricht Bayern-Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge über den Ödegaard-Transfer, das Hoeneß-Comeback und den Pep-Vertrag.

Markus Hörwick (v.l.), Karl-Heinz Rummenigge, Michael Knippenkötter & Carlos Menzel-Lopez beim Interview.

Natürlich haben wir mit Karl-Heinz Rummenigge auch über Riad gesprochen, über die Kritik, die dem FC Bayern in dieser Woche entgegengeschlagen ist. Doch der FC Bayern will sich nach Herausgabe seiner Presseerklärung zu dieser Thematik offiziell nicht weitergehend äußern. Dafür spricht der Vorstands-Boss im zweiteiligen tz-Interview über alle anderen Themen, die vor dem Rückrundenstart am nächsten Freitag in Wolfsburg anstehen.

Herr Rummenigge, Sie sind an diesem Samstag zu Gast in Saxberg – der obligatorische Fanklubbesuch steht an. Freuen Sie sich?

Rummenigge: Das ist eine große Tradition im Klub und wir machen das gerne. Wir wissen, dass es der Wunsch der Fans ist, den Kontakt mit uns zu haben. Für viele Spieler wie Juan Bernat, Medhi Benatia oder Xabi Alonso ist das noch neu, aber es ist wichtiger Bestandteil unserer Kultur.

Nach der Hinrunde dürfte es ein umjubelter Empfang werden. Sind Sie diese Reisen zu den Fanklubs auch mal mit Bauchschmerzen angetreten?

Rummenigge: Auch, ja. Wenn wir Zweiter sind, dann ist das für den ein oder anderen ja auch schon ein kleines Drama. In den letzten Jahren waren die Besuche immer sehr angenehm, wir waren immer auf der Sonnenseite des Fußballerlebens, der Jubel war immer groß.

Wie erklären Sie den Leuten an der Basis, dass ihr FCB auch erfolgreich bleibt?

Rummenigge: Wir haben ohne Zweifel eine super Hinrunde hinter uns, da gab es nichts zu mäkeln. Wir müssen der Mannschaft jetzt aber vermitteln, dass die Uhr mit dem 1. Januar wieder auf null gestellt wurde und dass es wieder neu losgeht. Natürlich nicht ganz bei null, wir haben ja elf Zähler Vorsprung. Aber mit Wolfsburg, Schalke und dem Auswärtsspiel in Stuttgart haben wir gleich eine schwierige Woche vor uns. Wir müssen wissen, dass es kein Selbstläufer wird. Jupp Heynckes und Pep Guardiola haben den Gegnern immer Demut und Respekt entgegengebracht, nicht Arroganz.

Hilft die Nähe zu den Fans auch, wenn Sie vermeintlich unpopuläre Entscheidungen treffen müssen? Für die Transfers von jungen Spielern mussten Sie zuletzt aus ganz Deutschland viel Kritik einstecken. Was entgegnen Sie den Talenteklauer-Vorwürfen?

Rummenigge: Talenteklauer gibt es nicht. Wie man im Fall Ödegaard sieht, gibt es den großen Trend in Europa, die Talente früh zu binden. Ganz einfach, weil sie dann noch formbarer und ein Stück weit preiswerter sind. Ich habe Verständnis dafür, dass einige Klubs anmahnen, dass wir mit dem Thema seriös umgehen. Das tun wir.

Das bedeutet?

Rummenigge: Vor Jahren gab es zehn, 15 Spieler aus Nachwuchszentren der Bundesliga, die dann bei Manchester United, City und Chelsea aufgeschlagen sind. Die große Frage ist dann, was darf Manchester City schon und Bayern München nicht? Das ist ein schmaler Grat. Aber wir sind ja nur an Top-Talenten interessiert – und bei der Qualität, die momentan glücklicherweise auf dem Platz herumrennt, macht auch nur das Sinn. Ich habe Verständnis für die Kritiker, aber das sollen sie auch für Bayern München haben. Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel, einen jungen Spieler, der zu Bayer Leverkusen gewechselt ist.

Levin Öztunali, Hakan Calhanoglu, Julian Brandt?

Rummenigge: Julian Brandt. An dem hatten wir auch Interesse! Aber es gibt eben auch Spieler, die sich für einen Zwischenschritt entscheiden, weil sie der Meinung sind, er sei für sie besser. Es gibt aber auch Spieler wie Sinan Kurt, der unbedingt zu Bayern wollte. Er hatte sich entschieden, weshalb das Tischtuch zwischen ihm und Gladbach nicht mehr ganz intakt war. Es gibt eben Spieler, die diesen Pep Guardiola als eine Art Trainerguru ansehen, unter dem sie unbedingt arbeiten wollen. In diesem Konglomerat spielt das alles eine Rolle.

Max Eberl und Heribert Bruchhagen haben Ihr Vorgehen besonders kritisiert.

Rummenigge: Ja, wobei: Max Eberl hat auch gut reden… Er hätte unser Toptalent Pierre-Emile Höjbjerg ausleihen können, das hätten wir auch gemacht. Aber er wollte ihn nur kaufen. Das ist eine Strategie, die man in diese ganzen Gedankengänge mit einbeziehen muss.

Noch einmal zu Martin Ödegaard: Haben Sie den Kollegen in Madrid schon gratuliert?

Rummenigge: Es war klar, dass es nicht einfach werden würde. Manchester United, Liverpool, Arsenal, Barcelona, Real und in Deutschland waren auch mehrere Kollegen an ihm dran. Ich kann Real Madrid dazu nur gratulieren, dem Jungen selbst wünsche ich alles Gute. Er hat sich hier gemeinsam mit seinem Vater sehr sympathisch und mit Seriosität vorgestellt.

Fanden Sie es nicht etwas skurril, dass beide durch halb Europa gereist sind, von Klub zu Klub?

Rummenigge: Überhaupt nicht, denn er hat es zielbewusst gemacht. Er war drei Tage hier, hat mit dem Trainer, Matthias Sammer und mit mir gesprochen – er wollte einfach verstehen, wie der jeweilige Klub tickt. Am Ende war vielleicht der Bräutigam in Madrid etwas attraktiver als der hier. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass es hier ums Geld ging.

Attraktivität, Qualität, was ist mit Image? Ganz generell: Ist Ihnen Image wichtig?

Rummenigge: Ich spüre jetzt nicht die große Eitelkeit, aber das Image eines Klubs ist schon sehr wichtig. In meiner Funktion habe ich dafür Sorge zu tragen, dass das Image keinen Schaden nimmt.

„Froh, dass Uli da ist!“

Herr Rummenigge, eine Identifikationsfigur des Klubs ist Uli Hoeneß. Er ist nun seit zwei Wochen wieder da. Wie sehen Sie ihn?

Rummenigge: Ich habe den Eindruck, dass wirklich alle glücklich darüber sind, dass er die schwierige Zeit hinter sich hat. Das, was er jetzt macht, wird ihm bestimmt auch sehr gefallen, denn er ist wieder bei seinem FC Bayern. Was seinen Job angeht, gehen wir sehr entspannt miteinander um. Natürlich sprechen wir auch über Themen außerhalb des Faktors Jugendabteilung. Uli ist einfach glücklich, wieder beim FC Bayern zu sein.

Hat er sich denn bereits in sein neues Aufgabengebiet vertieft?

Rummenigge: Klar, er ist mit Engagement dabei, führt mit Wolfgang Dremmler und Michael Tarnat, den Verantwortlichen im Jugendhaus, viele Gespräche und setzt sich schon extrem damit auseinander. Das Thema Nachwuchsarbeit ist ja doch ein großes bei uns.

Beschreiben Sie uns seinen ersten Tag?

Rummenigge: Er ist am 2. Januar gekommen, am Nachmittag bin ich dann hierhergefahren und habe ihn begrüßt. Vorher hatte er schon einen Termin mit Dremmler und Tarnat. Zwei Stunden war ich etwa hier und habe mit ihm besprochen, wie wir das Thema angehen, auch in der Öffentlichkeit. Es sind ja auch gewisse Vorgaben zu erfüllen. Man muss da auch nichts weiter interpretieren: Wir sind froh, dass er wieder da ist und gehen sehr entspannt miteinander um.

Er hat sich vor allem körperlich verändert?

Rummenigge: Das stimmt, er kann jetzt die alten Sakkos wieder anziehen.

Gab es Überlegungen, dass er vor die Öffentlichkeit tritt?

Rummenigge: Nein, er hat für sich entschieden, dass er das nicht möchte und in Ruhe seinen Job erledigen will. Damit hatten wir auch nichts zu tun. Fest steht: In der Zwischenzeit war jeder, der beim FC Bayern eine Rolle spielt, bei ihm im Büro und hat ihn begrüßt. Ich finde das wunderbar, denn der FC Bayern war und soll auch weiter Teil seiner Welt bleiben.

Wie wichtig wird auch Hoeneß sein, wenn es ernst wird bei der Vertragsverlängerung mit Pep Guardiola?

Rummenigge: Ich weiß nicht, ob er einen Beitrag dazu leisten wird. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie wir mit dem Thema umgehen. Ich will, dass sich der Trainer exklusiv mit der Mannschaft auf die Rückrunde vorbereitet. Ich will nicht, dass wir uns da in irgendwelchen Diskussionen verzetteln. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn in den nächsten Monaten nicht mehr zu dem Thema befragen werde. Meine Meinung zu ihm ist bekannt, ich hoffe, dass er so lange wie möglich beim FC Bayern bleibt. Aber ich werde ihn frühestens in der zweiten Hälfte 2015 mit der Frage nochmals konfrontieren.

Was ist 2015 wichtiger: die Meisterschaft oder Guardiola längerfristig zu binden?

Rummenigge: Ich glaube, dass seine Familie und er sich hier sehr wohlfühlen. Für uns alle ist es wichtig, dass man immer in der Champions League eine Chance hat, um oben mitzumischen. Aus dem Jahr 2013, als wir in London diesen Sieg erringen konnten, weiß ich, dass alles step by step geht. Das heißt für mich jetzt erst mal, einen vermeintlich einfachen Gegner wie Schachtjor Donezk nicht zu unterschätzen.

Guardiola meinte, ein Absturz wie beim BVB wäre auch bei Bayern möglich.

Rummenigge: Vor der Saison habe ich ihm mal geschildert, was hier bei uns nach Weltmeisterschaften normal der Fall ist. Dann hat er zu mir gesagt: Mach dir keine Sorgen. Ich habe Erfahrung. Wir werden eine gute Saison spielen. Ich habe totales Vertrauen zu diesem Mann.

Lesen Sie am Montag: Rummenigge über Real, Schweinsteiger & Lahms Zukunft.

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